Die Eltern kann man längst nicht mehr mit den Urgesteinen der Rock-Welt schocken, die Revoluzzer der 70er Jahre kommen jetzt gemeinsam mit ihrem Nachwuchs. „Ich will, dass meine Kinder diese sensationelle Band einmal live sehen. Schließlich sind die Stones ein Kulturgut“, erklärte eine Mutter den Bildungsauftrag eines Stones-Konzerts.
Warum sie immer noch junge Fans zum Jubeln bringen, ist den Herren selbst ein Rätsel. „Es ist ein Wunder!“, staunt Keith Richards über dieses Phänomen. Und auch im Wiener Stadion machten sie das Wunder wieder einmal wahr. Mehr als zwei Stunden reisten sie gemeinsam mit ihren Fans durch die Rock-Geschichte: „Jumpin Jack Flash“, „It’s Only Rock’n’Roll“ (mit Videoeinspielungen aus Jugendtagen), „Start me up“, „Satisfaction“ und vieles mehr. Zu den Höhepunkten der Supershow gehörte auch eine fulminante Interpretation von Ray Charles' „Night Time Is The Right Time“ die Mick Jagger im Duett mit der fabelhaften Background-Sängerin Lisa Fisher zum Besten gab.
Mick Jagger, der keine Sekunde ruhig steht, Keith Richards, der seine Genesung mit der Menge feiert, Ron Wood mit einem seeligen Lächeln auf den Lippen und Charlie Watts, der gentleman-like an den Drums residiert. Diese unglaubliche Bühne, deren Dimension (sie ist 70 Meter breit, 30 Meter hoch und 33 Meter tief!) den Atem raubt. Wie die vier durch ein Wunderwerk der Technik hydraulisch in die Mitte des Publikums schweben, um an alte Clubzeiten auf kleinen Bühnen zu erinnern. Wie sie zeigen, dass in den Rockern auch Männer stecken, die den Blues haben.
Die gigantischen Lippen, die sich plötzlich über der Menge aufpumpen. Diese Musik, die Alt und Jung einig sein lässt. Schön, dass wir das wieder erleben durften. Denn ein schaler Beigeschmack bleibt diesem „Best Of“-Feuerwerk anhaften: Vielleicht war es diesmal doch das letzte Mal, dass die Steine in Wien rollten. Es klang zwar nicht nach Abschied, aber wenn doch, dann war es ein wunderbarer.
Und irgendwann werden die Kinder ihrer Mutter dankbar sein: Ja, ich hab die Stones damals noch live gesehen…
Franziska Trost und Krone.at