Die Erde bei Nacht, aus der Luft gesehen. Fähnchen auf dem Globus zeigten die weltweit verstreuten Chanel-Boutiquen an und demonstrierten die modische Macht von Designer Karl Lagerfeld. Wie eine Armee der Eleganz, bereit, den Weltraum zu erobern, traten die Models heraus. Ihre ausladenden Mäntel, Kostüme und Röcke glitzerten wie die Milchstraße, was den perfekten Kontrast zu den dunklen Grundfarben bot.
Stiefel mit klobigen Absätzen, schwarze Ledergamaschen und Astronautenkappen in Leuchtfarben aus Fell ließen die Outfits wie glamouröse Uniformen erscheinen. Jacken waren von den überbreiten runden Schultern aus gearbeitet und fielen locker herab, die knielangen Röcke schwangen in Glockenform. Insgesamt wurde die Kollektion von der typischen Lagerfeld-Eleganz beherrscht, die der Meister geschickt mit modernen Elementen kombinierte. Chanel hat damit erneut seine Position als Platzhirsch der Modewelt unterstrichen, zumal die Show von Lieblingskonkurrent Saint Laurent bei den internationalen Fashionkritikern eher durchfiel.
Saint Laurent kombiniert Rock mit Bourgeoisie
Hedi Slimanes Entwürfe für Saint Laurent am Montagabend wirkten diesmal in ihrer Rock-Girl-Attitüde trotz des zweifelsohne coolen Looks, den der 45-Jährige auf den Laufsteg brachte, etwas deplatziert für ein elegantes, traditionsbewusstes Haus.
Mit fedrig fliegenden Haarsträhnen und ungeschminkt wirkenden Gesichtern erinnerten die Models an die Schauspielerin Jane Birkin mit ihrem androgynen Reiz in den 1970er-Jahren. Sie trugen Miniröcke aus Leder, Bikerjacken, Glitzerstrümpfe und übergroße Holzfällerhemden in Rot oder Blaugrau-Tönen oder karierte Outdoor-Jacken zu nachlässig gestylten Spitzenkleidern.
Bilder der Kollektionen finden Sie in der Infobox!
Ein bisschen zu viel Grunge mit Stilbruch
Slimane schien Saint Laurent in die Ära des Grunge überführen zu wollen. Allerdings: Hier und da mixte er einige schneidermäßige Elemente darunter, etwa in Form von klassischen Mänteln. Kleidchen mit Blütenmuster, weißem Kragen und Lackschleife fügten der Kollektion einen Hauch von Bourgeoisie hinzu.
Mancher Beobachter fühlte sich an die Entwürfe des 2008 verstorbenen Label-Gründers Yves Saint Laurent aus den 1960er-Jahren erinnert. Von der Aufbruchsstimmung, die bei dem Modehaus noch im vergangenen Herbst geherrscht hatte, als Slimane das Ruder als Chefdesigner übernahm, war aber nicht mehr viel zu spüren.
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