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"The Artist": Hommage an die Stummfilmzeit

25.01.2012, 16:29
Foto: Filmladen
Von einem Überraschungserfolg zu sprechen, wäre noch untertrieben: Ein moderner Stummfilm, der in Cannes für Aufsehen sorgt und anschließend in der US- amerikanischen Filmpreissaison aufzeigt, ist mehr als 80 Jahre nach dem Ende der Stummfilm- Ära eine kleine Sensation. Dass sich Hollywood angesichts der mit zahlreichen Reverenzen versehenen Hommage geschmeichelt fühlt, ist jedoch nur allzu verständlich.

Der französische Regisseur und Drehbuchautor Michel Hazanavicius hat sich mit "The Artist" (Kinostart: 27. Jänner) in Schwarz- Weiß und 4:3 vor der Traumfabrik verneigt - und darf nun miterleben, wie sich diese wohl auch bei den Oscars vor ihm verneigt.

Schauplatz des Films ist Hollywood im Jahr 1927, der Tonfilm tritt gerade seinen schleichenden Siegeszug an. Dass das viele nicht wahrhaben wollen, wird nicht zuletzt in der Hauptfigur deutlich. George Valentin (Jean Dujardin) ist ein gefeierter Stummfilmstar, dem die Herzen der Frauen reihenweise zufliegen - auch jenes von Peppy Miller (Berenice Bejo), die als Statistin in einem seiner Filme arbeitet und deren Talent von Valentin gefördert wird. Doch während Peppys Stern mit dem Tonfilm schließlich richtig aufgeht, droht jener von Valentin schlagartig zu verblassen. Zurückgeworfen auf sich selbst, ist er plötzlich auf die Hilfe der nunmehr berühmten Peppy angewiesen.

Es ist eine klassische Story, die Hazanavicius erzählt, eine Geschichte des Aufstiegs und Untergangs, der Verbundenheit und Liebe. Doch die vordergründige Erzählung erfährt im gleichen Moment auch immer einen detailverliebten Kommentar und ist damit stets um eine Rezeptionsebene erweitert, die die Vorhersehbarkeit der Geschichte oder die Längen im tragischen Teil locker ausgleichen. So bekommt es etwas Spielerisches, wenn man hier plötzlich "Sunset Boulevard" und "Citizen Kane" oder dort "Singin' in the Rain" erkennt, wenn Anspielungen auf die Stummfilmstars Douglas Fairbanks oder Mary Pickford unübersehbar sind, wenn die Filmplakate das Schicksal der beiden Protagonisten widerspiegeln.

Das sagt "Krone"- Kinoexpertin Christina Krisch zum Film: Blicke, die zu Seelenfenstern werden. Scheues Lächeln. Und Tränen des Glücks. Man begreift, dass das gesprochene Wort späterer Filme dem Kinovergnügen irgendwie die Unschuld raubte. Doch der zehnfach (!) Oscar- nominierte "Schweiger" verlässt sich nicht einfach auf sein Füllhorn voll visueller Fantasie und seine unwiderstehliche Herzensnaivität, schlägt er doch durchaus "moderne" und in unsere Tage übertragbare Saiten an. Wie etwa die mit dem Wandel der Zeit einhergehende Veränderung von Technologien und deren Akzeptanz. Dass ausgerechnet eine Frau in "The Artist" diese Herausforderung annimmt, ist charmante Verbeugung vor der weiblichen Wendigkeit des Geistes.

AG/Kronen Zeitung
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