Willkommen | Registrieren | Hilfe | Login
krone.at/Videos kronehat.at krone.at/mobil cookingstars.at

"Submarine": Das Leben ist (k)eine Seifenoper

08.02.2012, 16:39
Foto: Polyfilm
Sein Tod hinterlässt die südwalisische Stadt Swansea im Schockzustand. "Von Mädchen wurde er geliebt, von Buben respektiert und bewundert", heißt es in den TV- Nachrichten über den dahingeschiedenen Schüler Oliver Tate. Ein Kerzenmeer gedenkt des 15- Jährigen vor den Schulmauern, Mädchen weinen vor der Kamera. Gestorben ist Oliver jedoch nur in seiner Vorstellung: Da strotzt der in der Realität sozial unangepasste Außenseiter nämlich nur so vor Selbstbewusstsein und kommentiert sein Leben als filmreifes Drama.

Abstruse Selbstwahrnehmung und bittersüße Wirklichkeit verschwimmen nicht nur in Olivers Kopf, sondern in Form von Richard Ayoades Spielfilmdebüt "Submarine" (Kinostart: 10. Februar) auch in unseren Kinos.

Oliver Tate (Craig Roberts) würde gerne einen Film über sich selbst sehen. Welche Rolle er darin - oder im Leben generell - spielt, weiß er noch nicht so recht. An seiner Schule erfüllt jeder irgendein Klischeebild, nur er nach eigener Auffassung nicht. Eine Zeit lang hat er französische Musik gehört, auch eine "Hut- Phase" hat er hinter sich.

Zumindest die Handlung seines Films kennt er schon: Wagemutig will er die scheinbar kriselnde Ehe seiner Eltern retten und nebenbei vor seinem 16. Geburtstag auch noch seine Jungfräulichkeit verlieren. In der schroffen, mürrischen Mitschülerin und Pyromanin Jordana (Yasmin Paige) ist schnell die passende Angebetete gefunden und eine in Super- 8-Bildern aufgenommene Love Story im herbstlichen Wales der 80er- Jahre beginnt.

Doch mit der Krankheit von Jordanas Mutter und der sich anbahnenden Affäre von Olivers Mutter Jill (Sally Hawkins) mit einem Lebensmotivations- Guru kommt die Realität dazwischen - und Oliver ist emotional schlichtweg überfordert. Ebenso wie sein Vater Lloyd (Noah Taylor), ein in sich gekehrter Meeresbiologe, der weniger filmreif als sein Sohn Trübsal bläst. "Ich wünschte, das Leben wäre wie eine amerikanische Seifenoper - wenn es zu dramatisch wird, kann man abblenden und später wieder einsteigen", sinniert der 15- Jährige theatralisch aus dem Off, ehe er sich seinen realen Problemen stellen muss.

Das sagt "Krone"- Kinoexpertin Christina Krisch zum Film: Richard Ayoades Spielfilmdebüt weist ihn unverkennbar als Könner der Videoclip- Ästhetik aus, hat er sich doch mit Musikvideos einen Namen gemacht. Dass die Originalität seiner visuellen Unverbrauchtheit von der kauzig- schrulligen Zeichnung seiner Charaktere kontrastiert wird, verleiht dieser Brit- Comedy einen besonderen Charme. Spießertum, innerfamiliärer Schwermut, Schulstress und sorglose Sexfantasien bilden den Humus, mit dem man unterhaltsame Filme von der Insel düngt. Funny indeed.

AG/Kronen Zeitung
Lesezeichen hinzufügen:
Schließen
Lesezeichen Drucken
0
Du hast einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreibe hier dein Storyposting! Du möchtest mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht dir jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings, bitten wir dich, unsere AGB und Netiquette einzuhalten!
Kommentar schreiben
500 Zeichen frei.
Werbung
Werbung
Werbung
Meistgelesen
Werbung
Angaben gem ECG und MedienGesetz: Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber bzw. Diensteanbieter
Krone Multimedia GmbH & Co KG (FBN 189730s; HG Wien) Internetdienste; 1190 Wien, Muthgasse 2
Krone Multimedia © 2011 Krone.at | Impressum