Auch Derek Cianfrance, der Regisseur von Goslings neuem Film "The Place Beyond the Pines" (Kinostart: 14. Juni), weiß nach seiner Zusammenarbeit mit Gosling in "Blue Valentine" (siehe oben), dass sein Hauptdarsteller die Kunst des Schweigens beherrscht wie kaum ein Zweiter.
Und so eröffnet auch kein Dialog dieses mitunter rauschhafte Filmerlebnis, sondern das rhythmische Auf- und Zuschnappen eines Messers. Der Stuntfahrer Luke Glanton (Gosling) lässt es in seinem Schaustellerwohnwagen immer wieder klicken: auf und zu, auf und zu. Sein Körper ist drahtig, mit Muskeln bepackt und von schlecht gestochenen Tattoos übersät. Eine Wackelkamera folgt ihm, wenn er sich seinen Weg durch die bunten Lichter eines Jahrmarktes bahnt. Unter dem Johlen der Zuschauer steigt er, ohne ein Wort zu sagen, auf sein Motorrad - die Show beginnt.
Cianfrance hat sein Epos "The Place Beyond the Pines" in drei Teile gegliedert. Der erste handelt vom Stuntfahrer Luke, der anfängt Banken auszurauben. Mit dem Geld will er die Mutter seines Sohnes (Eva Mendes) überreden, zu ihm zurückzukommen. Lukes schicksalhafte Begegnung mit einem jungen Polizisten (Bradley Cooper) leitet die zweite Episode ein. Die Geschichte schwenkt dann auf die Widersprüche des Polizeiberufs: Karriere, Aufrichtigkeit und Korruption. Beide Teile münden in die dritte Episode, die fragwürdige Freundschaft zwischen zwei ungleichen Teenagern - mit Drogenexzessen, Enttäuschung und Tränen.
Das sagt "Krone"-Kinoexpertin Christina Krisch zum Film: Derek Cianfrance, einer der spannendsten Filmemacher im amerikanischen Independentkino, offeriert uns ein weitgespanntes schicksalhaftes Epos über Schuld und Sühne und die Frage, wie die Handlungen einer Generation die nächste beeinflussen. Und er verbindet dabei virtuos Action in Form von toll geschnittenen Verfolgungsjagden mit familiärem Drama und Thriller-Suspense, deren Szenen allesamt einer herausragenden Bildästhetik verpflichtet sind.
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