Spannendes Biopic

“Renoir”: Dralle Schönheit zwischen Kunst und Begierde

Kino
10.04.2013 08:50
"Ich liebe Bilder, die in mir den Wunsch erwecken, in ihnen herumzuspazieren, wenn es Landschaften sind, oder sie zu liebkosen, wenn es Frauen sind..." Ein trefflicher Satz des Malers Pierre-Auguste Renoir, der auch befand: "Die Natur führt den Künstler in die Einsamkeit, ich aber möchte unter Menschen bleiben." Gilles Bourdos' filmische Biographie "Renoir" (Kinostart: 12. April) zeigt den französischen Impressionisten in seiner letzten kreativen Lebensphase.

Der 74-jährige Meister ist alt und gebrechlich, die Arthritis tobt in seinen begnadeten Händen, sodass er oft kaum den Pinsel zu führen vermag. Doch das Licht des Südens in Cagnes, dort, wo er umhegt von früheren Modellen und Geliebten, die ihn allesamt bei Laune halten, seinen Lebensabend verbringt, also in einem von holder Weiblichkeit geprägten Universum, vermag ihn stets aufs neue zu inspirieren: Tage mit heller Stirn, ferne Küsten in ekstatischem Licht, Mittagsglut, durchtränkt von Pinienduft, flirrend das Silbergeäst steinalter Olivenbäume, in deren Kronen die Zeit träumt. Und Frauen. Mädchen. Sinnlich-lockend die Statur, üppig ihre Kurven, Liebreiz pur auf dem naiven Antlitz. 

Renoirs letzte Muse
1915 wird die hübsche blutjunge Andrée Heuschling Unruhe in das ruhige Refugium Renoirs bringen - und den betagten und verwitweten Maler seine Endlichkeit vergessen lassen. Mit ihr als seiner - letzten - Muse spürt der Künstler neue Schaffenskraft und viriles Ungestüm. Mit der Heimkehr des in Ersten Weltkrieg verwundeten Renoir-Sohnes Jean hält ein Stück Realität Einzug in dem verwunschenen Fleckchen Eden. Bald inspiriert die dralle rothaarige Schönheit Vater und Sohn! Und in der Tat wird sie Auguste Renoirs spätere Schwiegertochter... 

Als Ehefrau des begnadeten Cineasten und Filmemachers Jean Renoir übernimmt Andrée in den 1920er-Jahren in mehreren seiner Filme unter dem Künstlernamen Catherine Hessling tragende Rollen. Sie verstirbt 1979 in La-Celle-Saint-Cloud. 

Berlinale-Shootingstar Christa Theret
Der Film "Renoir" schwelgt in tagträumerischen Bilderreichtum und erinnert passagenweise in seiner visuellen Leichtigkeit selbst an ein impressionistisches Gemälde. Christa Theret, Shootingstar der diesjährigen Berlinale, überzeugt als lebensfrohes Malermodell, als verführerische Muse und erotisches Objekt der Begierde (sie spielte in "LOL" an der Seite von Sophie Marceau), in den männlichen Rollen überzeugen ein großartiger Michel Bouquet als gereifter Renoir und Vincent Rottiers als dessen Sohn Jean. 

Pures Kinovergnügen, das sich in einem Rausch der Farben offenbart, erstrahlt doch jede Einstellung wie gemalt. Eine filmische Ode an die Schönheit Südfrankreichs - wie aus der Zeit gefallen -, die von der Macht des kreativen Schaffens erzählt.

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