Home Run für Brad

Pitt und Seymour Hoffman werfen den “Moneyball”

Kino
18.02.2012 17:00
Mit seinem Part als Baseballmanager, der seine Mannschaft mit unkonventionellen Mitteln zum Erfolg führen will, geht auch Brad Pitt mit "Moneyball" (Kinostart im Mai) auf Oscar-Kurs. Extrem spannend, auch wenn man von Baseball-Regeln keinen Tau hat.

Er ist etwas größer als ein Tennisball und wird von weißem Leder umhüllt, das mit roten Fäden zusammengenäht ist. Sein Innerstes besteht aus einem Korkkern und einem extrem dicht darum gewickelten Faden, was ihn leicht, aber auch steinhart macht. Von einem Baseball ist hier die Rede, um den sich der wohl traditionsreichste Schlagball- und Mannschaftssport US-amerikanischer Herkunft dreht. So wurde das erste Profi-Baseball-Team, die Cincinnati Red Stockings, bereits 1869 gegründet. 

Um den Ball ins Spiel zu bringen, bedarf es eines Superwurfs und eines akkurat ausgeführten Schlags - plus einer Mannschaft, die dafür brennt, zu gewinnen. Kondition und Strategie sind die Verbündeten der reaktionsschnellen Sportler, die auf dem grünen Rasen Fersengeld geben. Und ein furioser Home Run schlägt sich mit vier Punkten für das Team des Schlagmannes zu Buche. 

"Moneyball - Die Kunst zu gewinnen", so der Titel der US-Produktion, Regie: Bennett Miller ("Capote"), in der Hollywood-Star Brad Pitt den Teammanager gibt, ein Part, der ihm eine Oscar-Nominierung in der Kategorie "Bester Schauspieler" eintrug. Dennoch, ein für den internationalen Filmmarkt gewagtes Thema. Schnell hatte George Clooney seinen Buddy auf die Schaufel genommen: "Hör mal, Brad, du spielst nicht mal den Trainer (den gibt Philip Seymour Hoffman, Anm.), bewegst also kaum deinen Arsch und willst damit auch noch Fans außerhalb der Staaten begeistern? Na, dann gute Nacht. In Europa versetzt der Streifen die Kinobesucher ins Wachkoma..."

Dass dem nicht so ist, kann ich bestätigen. Denn "Moneyall" funktioniert auf einer ganz anderen Ebene. Vielleicht, weil es auch gar nicht um Baseball an sich geht. Sondern vielmehr um das Räderwerk der Maschine Mannschaftssport, das "Social Network" dahinter. Und es ist dies die Geschichte eines Mannes, der sein Leben der Durchsetzung einer absolut verrückten Idee verschrieben hat. Basierend auf dem Tatsachenroman von Michael Lewis, erzählt "Moneyball" die wahre Geschichte von Billy Beane, einst eine große Baseballhoffnung, die aber nie den Durchbruch schaffte und nun als Baseballmanager eines Teams mit wenig Chancen und einem Bonsai-Budget Wunder wirken soll. Wie er die Oakland A's mittels Auswertung gefinkelter Computeranalysen wieder auf Vordermann bringt, ist höchst spannende Sportdidaktik, die sich ohne weiters auf die Führung moderner Fußball vereine übertragen lässt. 

Wie Brad Pitt teamtechnisch jongliert, um seine Wunschspieler zusammenzubekommen, ist Nervenkrieg pur. Dass er dabei ganz im souvrän-charismatischen "Redford-Modus" rüberkommt, als ein Mann, der gegen alle Widerstände alles auf eine Karte setzt, macht dieses exquisite Sportdrama umso sympathischer, bleibt Billy Beane alias Brad Pitt doch mit Herz, Hirn und Humor am Ball. In den USA, also seinem Herkunftsland, hat Baseball längst auch die Alltagssprache beeinflusst. So bedeutet "keep your eye on the ball": lass dich nicht ablenken. Ob die Oscar-Nacht zum Home Run für Brad Pitt wird, wird sich weisen.

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