Dieses Lächeln. Diese Anmut. Dieser Charme. Als "neue Audrey Hepburn" wird die entzückende Carey Mulligan, süße 24, bereits gefeiert - ein Fräuleinwunder im besten Sinn des Wortes zwischen scheuer Backfisch- Allüre, koketter Eleganz und Lebenshunger.
In "Stolz und Vorurteil" wusste sie den Kosmos blasser teegesichtiger Jane- Austen- Grazien bereits durch ihre natürliche Präsenz zu erleuchten. Doch als ihre wahre Reifeprüfung darf der Film "An Education" gesehen werden. Ein Sensationserfolg für die erfrischende Parabel über das Erwachsenwerden, in der Carey Mulligan ein 16- jähriges Mädchen im grauen London des Jahres 1961 spielt. Noch ist von den Swinging Sixties nicht viel zu spüren. Noch stemmt sich das ehrwürdige Empire gegen die Verlockungen der Popkultur. Noch haben die Beatles ihr "Yeah, Yeah, Yeah" nicht angestimmt.
Jenny ist eine aufgeweckte Schülerin, die von einem Studienplatz in Oxford träumt. Der rigiden Strenge ihres Elternhauses möchte sie so schnell wie möglich entfliehen. Eine Lehre, etwas Handfestes, wäre dem Herrn Papa am liebsten. Und die macht die Kleine dann auch - in gewissem Sinne. Denn die Zufallsbekanntschaft mit dem betuchten Lebemann David - Peter Sarsgaard - lenkt ihr Teenagerdasein in neue Bahnen. Sie eröffnet ihr die Welt des wohltemperierten Jazz, der schicken Mode und luxuriösen Hotelzimmer. Mit romantischen Reisen, wie nach Paris, erschließt David ihr eine faszinierende Welt jenseits britischer Vorstadttristesse.
Bezaubernd die Szene des ersten Kennenlernens, wenn Jenny im strömenden Regen samt Cello auf den Bus wartet und sich der smarte Galan im Sportcoupé süffisant bereit erklärt, wenigstens das arme Instrument im Wagen mitzunehmen, während das durchnässte Gör trotzig daneben herläuft...
Regie führte die dänische Filmemacherin Lone Scherfig, die schon mit "Italienisch für Anfänger" und "Wilbur wants to kill himself" eine Riesenfangemeinde fand, das Drehbuch voll Esprit schrieb Kultautor Nick Hornby ("High Fidelity", "About a Boy"). "An Education" ist das charmant- konventionelle Protokoll einer Erziehung in den Dingen des Lebens, und Hauptdarstellerin Carey Mulligan weiß sich souverän gegen alte Hasen und Vollprofis wie Alfred Molina und Olivia Williams oder gar gegen Emma Thompson, die die indignierte Schuldirektorin gibt, zu behaupten.
Blutjunges Mädchen, reifer Mann. Ein oft bemühtes Klischee auch für den Jungstar? Mulligan: "Eines, das auch unter umgekehrten Vorzeichen funktionieren kann. Leben bedeutet, voneinander zu lernen." Spielt Peter Sarsgaard einen Playboy? Mulligan: "Ich mag dieses Wort nicht so sehr. Der altmodische Begriff 'Lebemann' passt hier viel besser!" Was an englischen Gepflogenheiten mag sie besonders? Mulligan: "Sommerliche Gartenpartys mit Pimm's- Cocktail und Gurkensandwiches."
Wo sieht sie sich in zwanzig Jahren? Mulligan: "Oh, da hab ich ja noch ein bisschen Zeit! Wo ich dann bin? In einem Herrenhaus vielleicht mit einem Bilderbuchpark, in dem ich ein Heer von Gärtnern beschäftige. Für Gartenarchitektur könnte ich mich echt begeistern! Die Engländer inszenieren ihre Landschaft, aber ohne diesen französischen Blumenrabatten- Schnickschnack."
von Christina Krisch, Kronen Zeitung