Kämpfende Hippies

Nachwehen der 68er-Generation: “Die wilde Zeit”

Kino
29.05.2013 12:00
Die frühen 70er-Jahre in Frankreich. Der Mai 1968 ist vorbei, die große Revolution ausgeblieben, die Jugend politisiert, aber orientierungslos. In diese Stimmung entführt der französische Filmemacher Olivier Assayas mit seinem neuen Film "Die wilde Zeit" (Kinostart: 31. Mai) einem mäandernden Generationen- und Zeitporträt, das die übrig gebliebenen radikalen Ansätze und Parolen in die Selbstfindung zwischen Beruf und Berufung, zwischen politischem Engagement und persönlicher Erfüllung einbettet und dabei die kleinen, unscheinbaren Brüche spürbar macht.

Ins Zentrum stellte Assayas den jungen Gilles (Clement Metayer), der sich ebenso wie Alain (Felix Armand) und Christine (Lola Creton) dem Kampf für eine bessere Welt verschrieben hat, nach einer missglückten nächtlichen Aktion jedoch nach Italien in den Untergrund flüchten muss. Dort ist Gilles hin- und hergerissen zwischen politischem Commitment und künstlerischen Ambitionen, zwischen seiner Liebe zu Christine und seinen eigenen Zielen. Ebenso ziellos wie die Jugendlichen selbst fängt der Film zu Beginn vor allem atmosphärisch die Zeit ein, bevor er die Bögen der Protagonisten zu einem Ende führt.

Der autobiografisch angelehnte Coming-of-Age-Film (Assayas veröffentlichte 2005 seine Autobiografie unter dem Titel "Une adolescence dans l'après-Mai") wurde im vergangenen September bei den Filmfestspielen in Venedig mit viel Beifall und Jubelrufen empfangen und schließlich auch für das beste Drehbuch ausgezeichnet. 

Angesiedelt in der Zeit vor dem Terroristen-Biopic "Carlos - Der Schakal" sind die 70er diesmal noch Ausgangspunkt für die Radikalisierung gewisser Gruppen im Sinne großer politromantischer Ideale. "Meine Filme beschäftigen sich mit Politik, indem sie die Veränderungen in der Welt wahrnehmen und beobachten", erklärt Assayas.

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