Dass dieses gallige Berliner Panoptikum von charismatischen Figuren bevölkert wird, die keine Mühen scheuen, sich im alltäglichen Intrigenspiel stets neu zu positionieren, ist das Ass im Ärmel des brillanten Marionettenspielers und süddeutschen Gesellschaftsspötters Helmut Dietl, der die Abwesenheit von Moral unter einem stoischen Bundesadler auf bissige Weise beklagt.
Eine zynisch überzeichnete Farce über Berlin und seine Machtversessenheit, angelegt als Fortsetzung von "Kir Royal" - und die prekär-pikante Liaison von Politik und Medien. So ragt aus so manchem Interessens-Techtelmechtel eine brennende Lunte. Rückblickend wirken Dietls Boulevardjournalist Baby Schimmerlos oder gar der pfiffige Münchner Stenz Monaco Franze auf charmante Art weichgespült, herrscht doch in "Zettl" (Kinostart: 3. Februar) ein viel rauerer Ton.
In einer hysterischen Welt der Prinzipienlosigkeit - ohne Skrupel und Anstand - gebiert die Gesellschaft eben jene penetranten Eigenlobbyisten, die sie verdient. Ein Sittengemälde wie von Hieronymus Bosch mit Helmut Dietl als wissendem Kopisten an der Staffelei. In weiteren Rollen überzeugen Senta Berger, Sunnyi Melles, Götz George und Harald Schmidt.
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