"Toy Story 3" gliedert sich in zwei unterschiedliche Spielteile, und würde man nur die eine Hälfte spielen, man käme wohl schnell zu dem Schluss, dass "Toy Story 3" ein zwar nett gemachtes, aber nicht unbedingt innovatives Game ist. Als Buzz, Woody oder Cowgirl Jessie läuft, reitet und fliegt man im Story- Modus durch dem Kinofilm entlehnte Schauplätze, trifft altbekannte Toy- Story- Charaktere und erlebt dabei Schlüsselszenen des Films. Obwohl technisch sauber gemacht und trotz der Möglichkeit, zwischen den Charakteren wechseln zu können, um deren individuelle Fähigkeiten zu nutzen, dürften daran wohl nur die Jüngsten Gefallen finden.
Anders verhält es sich beim Spielzeugkisten- Modus, der zweiten und wesentlich spannenderen Spielhälfte des Titels. Die offene und weitläufige Spielwelt darf nämlich nicht nur komplett nach den Wünschen des Spielers gestaltet werden, wobei etwa Häuser umgefärbt und dekoriert oder Bewohner neu eingekleidet, verkleinert und vergrößert oder frisiert werden können; auch zahlreiche Herausforderungen warten darauf, gemeistert zu werden.
Wer die simplen, aber dennoch spaßigen Gefälligkeitsjobs der Einwohner erledigt, wird mit Gold belohnt, das sich in neue Gebäude oder Fortbewegungsmittel wie Pferd Bully und PS- starke Boliden investieren lässt. Der Clou: Mit vielen Gebäuden, etwa dem Spukhaus, und Fahrzeugen werden der Spielwelt neue Herausforderungen hinzugefügt. Darunter etwa Stuntrennen oder Mini- Games wie das Fallschirmspringen, in dem es mit den aus dem Film bekannten Plastiksoldaten punktgenau auf einem Ziel zu landen gilt.
Schnell entsteht so der Wunsch (und auch Drang), weiteres Gold zu sammeln, um neue "Spielwiesen" freizuschalten und die Toy- Story- Welt mit Leben zu füllen. Zusätzlich befriedigt wird die Sammelleidenschaft durch im ganzen Spiel versteckte Items, mit denen sich neue Outfits, Charaktere und andere Bonus- Inhalte aktivieren lassen. Und sollte man zwischendurch doch wieder Lust auf die Story bekommen haben (was allerdings eher unwahrscheinlich ist), so kann unmittelbar zwischen den beiden Modi gewechselt werden.
In optischer Hinsicht macht "Toy Story 3" da wie dort eine gute Figur und punktet mit großem Abwechslungsreichtum, liebevollen Details und dem gewissen Niedlichkeitsfaktor. Auch in Sachen Musik haben die Macher ganze Arbeit geleistet und die Klangkulisse den jeweiligen Spielumgebungen angepasst, sodass es sich im bereits erwähnten Spukhaus etwa vorzüglich gruseln lässt, während in der wüstenartigen Außenkulisse der Spielwelt Countryklänge vorherrschen. Schade nur, dass nicht für alle Charaktere die Originalsprecher gewonnen werden konnten.
Fazit: Mit dem Videospiel zum Film wird Disney Interactive der Marke "Toy Story" mehr als gerecht. Selten fand eine Lizenz kreativer Verwendung als hier. Obwohl eindeutig auf ein jüngeres Publikum ausgerichtet, dürften auch ältere Semester schnell Gefallen an der freien Spielwelt des Titels finden und sich dem erfrischend unkomplizierten und dennoch oder gerade deswegen spaßigen Gameplay hingeben. Auf Wunsch auch zu zweit: Sowohl on- als auch offline per Splitscreen kann entweder gemeinsam oder völlig unabhängig voneinander die Spielwelt erobert werden.
Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3, Wii, PC, DS, PSP
Publisher: Disney Interactive
krone.at- Wertung: 8/10
von Sebastian Räuchle