Freunden sich die Kinder aber auch noch an, lassen sich die Gespräche und Treffen mit den äußert befremdlichen Menschen kaum noch vermeiden. Und so kann auch die unterkühlte Galeristin Agathe (Isabelle Huppert) dem prolligen Gelegenheitsarbeiter Patrick (Benoit Poelvoorde) in der französischen Komödie "Mein liebster Alptraum" (Kinostart: 17. Februar) nicht entgehen.
Die arrogante und größtenteils spaßbefreite Agathe lebt mit ihrem Mann Francois (Andre Dussollier) und dem gemeinsamen Sohn in einer schicken Pariser Wohnung, sie schikaniert ihre Angestellten in der Galerie und ihr Liebesleben kocht auf Sparflamme, wenn es nicht längst erloschen ist. Patrick dagegen hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser und lebt mit seinem Sohn mal hier, mal da, aber stets in der Nähe von guten Schulen, um dem Buben die bestmögliche Bildung zu ermöglichen. Das gibt dem sonst so großmäuligen, trunksüchtigen und überdimensionalen Rundungen der weiblichen Welt zugetanen Patrick eine fürsorgliche, fast bürgerliche Note.
Ausgerechnet die Söhne dieser beiden so unterschiedlichen Familien (der aus gutem Hause Schulversager, der Proletariersohn hochbegabt) freunden sich an und ehe er sich versieht, hat Patrick bei der Familie einen Job als Maurer. Mit riesigem Schlagbohrer (Achtung Metapher) macht sich der derbe Handwerker ans Werk und mischt das kultivierte Paar mächtig auf. Agathe ist entsetzt, ihr Mann scheint zu neuem Leben erweckt. Denn auch er leidet unter seiner frigiden Frau.
Und so trifft der grauhaarige Herr mit seinem neuen Kumpel auf die junge Julie, Patricks Sachbearbeiterin beim Amt, und geht mit ihr eine folgenreiche amouröse Beziehung ein. Und während sich Patrick und Agathe noch verbal bekriegen, klettert Francois schon mit Julie im Hochseilgarten und trinkt Hibiskustee. Bis zu Agathes und Patricks körperlichen Verschmelzung dauert es da noch etwas.
Das sagt "Krone"-Kinoexpertin Christina Krisch zum Film: Champagner kontra Dosenbier. Die Rolle der mondän-bourgeoisen Zicke Agathe ist Isabelle Huppert förmlich auf den fragilen Leib geschneidert. Und Benoit Poelvoorde steht der impertinente Kerl auch ganz wunderbar. Regisseurin Anne Fontaine ("Coco Chanel") orchestriert diese kolossal amüsante französische Komödie mit dem Wissen, dass sich indignierte Abwehr peu à peu - und Herz über Kopf - in Leidenschaft verwandeln kann, und sie lässt ihr schräges Paar manchmal an der Grenze zur Karikatur agieren. Peu importe, macht nix, denn das Resultat ist ein famoser Mix aus Drama, Satire und Amour fou, der sich gewaschen hat.
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