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"Man kann in den Gesichtern der Schimpansen lesen"

09.02.2012, 11:54
"Man kann in den Gesichtern der Schimpansen lesen" (Bild:  (Bild: Stuart Jolley, fair soul))
Lilian Klebow, Star der TV- Serie "Soko Donau", setzt sich gemeinsam mit einem Team des Jane- Goodall- Instituts Austria für den Schutz der Primaten in Uganda ein. Sie ist für zwei Wochen in den afrikanischen Staat gereist und besucht verschiedene Projekte. Lilian bloggt direkt aus Afrika über ihren bemerkenswerten Einsatz.

Um 6 Uhr klingelt mein Wecker. Es ist dunkel und ich trau mich nicht wirklich, das Licht anzumachen. Schlafen gehen im Dunkeln war auch eine Herausforderung und speziell die Suche nach dem Outdoor- Plumpsklo, das wenigstens hochbiologisch ist, hatte so einiges für sich. Kaum ist die Taschenlampe an, bist du umringt von einem Schwarm "Lake Flies", die das Licht mehr zu lieben scheinen, als jede Motte es je könnte.

So stehe ich wieder im Dunkeln auf. Finster, find mal was! Gemeinsam mit dem Team des Jane- Goodall- Instituts Austria und unseren Kameraleuten darf ich heute - große Ausnahme - mit den Schimpansen in den Urwald spazieren. Der Moment, auf den wir alle "geimpft" haben! Wir sind nichts als ein großer Virenpool für die armen kleinen Schimpansen.

Dann ist es so weit! Langsam setzen sich die ersten Affen in unsere Nähe. Neben mir sitzt "Baron". Ich kann es nun echt nicht mehr glauben. Wir sind gespannt, wie sie auf uns reagieren. Die Pfleger bitten uns, komme was wolle, ruhig zu bleiben und uns nicht schnell zu bewegen. Schimpansen können manchmal recht aggressiv sein und sich untereinander "prügeln". Aber uns würden sie nichts tun. Nervosität. Neugier. Freude. Ich rücke näher an Baron heran. Er sieht mich an. Sieht weg. Schaut wieder hoch zu mir.

Als ich wegschaue und wir eine Zeit lang so sitzen, spüre ich einen Schimpansenarm auf meinem Rücken. Baron umarmt mich ganz kurz und schüchtern. Dann klettert er vorsichtig an mir vorbei. Er hat so schöne Augen. Seine Gesichtszüge sind weich und "lieb". Ein Pfleger nimmt ihn in den Arm. Drückt ihn. Krault ihn am Kinn. Baron schließt die Augen, genießt. Ich habe großen Respekt vor diesen wunderschönen Tieren. Hm, eigentlich sind sie Persönlichkeiten. Wenn man ihnen so nahe ist, kann man das besonders gut sehen. In ihren Gesichtern lesen.

Wir sind alle begeistert, doch den nett gemeinten Vorschlag der Pfleger, es mal mit der Affenleibspeise "Ameisen am Spieß" zu versuchen, lassen wir aus. Geröstet vom Markt okay, aber roh und am Stecken... Außerdem können wir leider nicht dableiben. Das Boot wartet auf uns und dann eine neunstündige Fahrt, bei der wir zum dritten Mal in drei Tagen den Äquator kreuzen. In diesem Sinne, Schiff ahoi!

Lilian Klebow/red
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