5.000 Hühner in steirischer Halle qualvoll erstickt

04.07.2012, 09:30
5.000 Hühner in steirischer Halle qualvoll erstickt (Bild: Jürgen Radspieler, Symbolbild)
Foto: Jürgen Radspieler, Symbolbild
"Am Abend war ich noch in der Halle, da war alles in Ordnung" – und Sonntag früh stand Johann Kicker, oststeirischer Geflügelmäster, vor einem Bild des Grauens, denn 5.000 Hühner lagen tot auf dem Boden! Die Tiere gingen elendiglich zugrunde. Sie erstickten entweder in der Hitze oder wurden beim verzweifelten Versuch, Luft zu bekommen, erdrückt.

Im Geflügelhof Kicker gibt es (gesetzlich korrekte) Massentierhaltung, wie man sie sich "vorstellt": Gesamt werden gut 30.000 Hühner in Hallen gehalten, je 8.000 leben laut Johann Kicker auf 2.800 Quadratmetern. Ventilatoren an der Decke sollen für Belüftung sorgen. "Einer dürfte durch Überhitzung ausgefallen sein", mutmaßt Johann Kicker der "Krone" gegenüber. "Ich versteh das selber nicht, weil der Alarm nicht angegangen ist. Ich war Samstag um 22 Uhr noch im Stall, da war alles in Ordnung. Und Sonntag um sechs waren sie tot."

Ob Fahrlässigkeit vorliegt, wird geprüft

Dem müssen am extrem schwülen Samstag grauenvolle Szenen vorangegangen sein. "Die Tiere haben sich an Stellen gedrängt, wo es etwas kühler ist und Luft gibt, haben sich dabei aufeinandergesetzt, sich gegenseitig erdrückt", analysiert Amtstierarzt Dr. Albin Klauber, "andere sind erstickt." Zu wenig Luft, unzureichende Belüftung und Hitzestau seien Ursachen für das Massaker gewesen. Ob Fahrlässigkeit oder ein Verschulden der Betriebsleitung vorliegt, wird geprüft.

Zum Drama kommt der Schaden, laut Kicker ca. 10.000 Euro. Die Hühner, die innerhalb von vier Wochen auf ihr Schlachtgewicht gemästet werden, hätten am Dienstag getötet werden sollen. Die verendeten wurden aber der Tierkörperverwertung zugeführt. Kicker will als Konsequenz im Sommer 2013 eine Mastperiode aussetzen.

"Vier Pfoten": Viele Landwirte für Extremhitze nicht gerüstet

Die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" prangert an, dass die gesetzlichen Mindeststandards in der Nutztierhaltung oft nicht ausreichen, um das Risiko derartiger Hitze- Katastrophen zu reduzieren. Sie empfiehlt daher eine Lüftungsanlage auf dem neuesten technischen Stand, die regelmäßig gewartet wird. Weidenflächen und Freilaufzonen müssten auf jeden Fall auch schattige Plätze haben, damit Tiere nicht der prallen Sonne ausgesetzt sind, so die Organisation in einer Aussendung.

Ein echtes Problem im Hinblick auf den Tierschutz sei in Massentierhaltungsbetrieben der hohe Tierbesatz auf engem Raum, so Kampagnenleiterin Gabriele Paun: "Wir fordern seit langem, dass die erlaubte Dichte pro Quadratmeter in der Nutztierhaltung verringert wird, für Masthühner etwa empfehlen wir ein Maximalgewicht von 25 Kilogramm pro Quadratmeter. Denn je dichter aneinander gedrängt Tiere gehalten werden, umso größer leiden sie natürlich unter der Hitze."

Christa Blümel, Kronen Zeitung/red
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