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Apple stellt lang erwarteten Tablet-Computer iPad vor

24.02.2010, 11:00
Foto: EPA / Video: APA
Der kalifornische Computerhersteller Apple hat endlich den Vorhang gelüftet und seinen mit Spannung erwarteten Tablet- Computer vorgestellt. "Wir nennen ihn iPad", sagte Ober- Boss Steve Jobs am Mittwoch in San Francisco. "Wir wollen 2010 beginnen, indem wir heute ein magisches und revolutionäres Produkt einführen." Danach präsentierte er in einer anderthalb Stunden dauernden Show den neuen "Riesen- iPod" des gehypten Herstellers, der nicht nur die digitale Welt, sondern auch das Universum der Bücher und Druckmedien revolutionieren soll.

"Es ist viel besser als ein Laptop und viel besser als ein Handy", sagte Jobs. Tatsächlich ist das iPad halb iPhone bzw. iPod und halb Laptop und soll auch die Lücke zwischen Smartphone und Notebook schließen. Es baut auf dem iPhone- Betriebssystem auf und integriert einen Web- Browser, E- Mail, Musik und Video sowie erstmalig das Lesen von digitalen Büchern aus dem neu gestarteten eBook- Shop "iBooks". Aber auch Gamer sollen an dem tragbaren Rechner aus Alu und Glas ihre Freude haben, auch wenn das nicht der Hauptzweck sein werde, so Jobs.

Anders als bisherige eBook- Reader hat der iPad einen hochauflösenden 9,7 Zoll großen Farbbildschirm, der über einen Touchscreen, also eine berührungsempfindliche Oberfläche, bedient wird. Branchenexperten hatten vor der Präsentation die Vermutung geäußert, dass das neue Apple- Produkt den Tablet- Computern zum Durchbruch auf dem Markt verhelfen könnte. iBooks unterstützt übrigens das offene Format ePub, was den Druck auf Anbieter wie Amazon ("Kindle") vergrößern wird.

Ab 499 Dollar mit und ohne integriertem UMTS

Der 1,2 Zentimeter flache und je nach Ausstattung 680 bis 750 Gramm leichte Computer wird von einem neuen, von Apple selbst produzierten Prozessor mit 1 GHz betrieben. Die Ausstattung umfasst lediglich Lautsprecher, Mikrofon und einen proprietären USB- Dock, aber keine Kamera, von der in den seit Wochen brodelnden Gerüchteküchen die Rede war. Die Daten werden auf einem Flash- Speicher abgelegt, der je nach Modell 16 bis 64 GB fasst. 

Wlan und Bluetooth beherrscht das Tablet sowieso, die teureren Varianten kommen mit einem integrierten und freigeschalteten UMTS- Modem. Dieses arbeitet allerdings nur mit neuartigen MicroSIM- Karten. Die WiFi- only- Variante erscheint weltweit Ende März, die Variante mit 3G, die auch mit einem GPS- Chip ausgerüstet ist, Anfang April in den USA und "einigen anderen Ländern".

Die günstigste iPad- Variante kostet 499 Dollar, die teuerste Ausführung kommt auf 829 Dollar. Österreich- Preise sind noch nicht bekannt. Optional ist auch ein echtes Keyboard verbunden mit einer Docking Station für das iPad erhältlich. Die Akkulaufzeit beträgt zehn Stunden, im Standby- Betrieb soll das iPad einen Monat durchhalten.

Alle iPhone- Apps laufen auch auf dem iPad

Ähnlich wie das iPhone kann das iPad aus dem iTunes Store ("App Store") von Apple mit Videos, Musik und kleinen Applikationen, den Apps, bestückt werden. Für das iPhone sind nach den Worten von Jobs inzwischen über 140.000 Anwendungen verfügbar. Die iPhone- Apps sollen alle auch auf dem iPad laufen, für das es aber ab sofort auch eigene Entwickler- Codes gibt. "Das wird einen neuen Goldrausch für Entwickler auslösen", sagte Jobs.

Die "New York Times" zeigte in San Francisco eine eigens für das iPad optimierte Anwendung, die das Blatt im traditionellen Layout verknüpft mit Multimedia- Inhalten auf den Tablet- Computer bringt.

Software- mäßig wartet das iPad auch noch mit Apples "iWork", dem Pendant zu MS Office, auf. Die Bedienung kann auch hierbei ausschließlich über eine virtuelle Tastatur und den Touchscreen erfolgen. Die Gerüchte, dass der Tablet- Computer Adobes Flash unterstützen würde, haben sich hingegen nicht bewahrheitet. Enttäuschend ist auch das fehlende Software- Multitasking.

Apple- Aktie gab zu Beginn nach, stieg dann aber wieder

Die Apple- Aktie hat in den vergangenen drei Monaten um über 60 Prozent zugelegt, bekanntlich wirken sich die Produktankündigungen des Herstellers stets auf den Kurs aus. Nachdem der Aktienkurs von Apple zu Beginn der Präsentation am Mittwoch zunächst um drei Dollar nachgab, stieg der Preis des Papiers gegen Ende der Veranstaltung wieder über den Vortageskurs.

Die Analysten brechen zwar nicht in Begeisterungsstürme aus, trauen Apple aber den Tablet- Durchbruch zu. "Es ist ein Computer ohne Tastatur, ein Digital- Lesegerät mit schlechter Batterieleistung und einem hohen Preis, und es ist ein tragbarer Musikplayer, der nicht in die Hosentasche passt", schrieben die Analysten von Forrester Research vor der Enthüllung des iPads über die Tablet- Klasse. Apple stehe vor der Herausforderung, eine ganz neue Kategorie zu erschaffen. "Das ist etwas, das seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht geschafft wurde."

Viele gehen trotzdem von einem Erfolg aus. "Ja, ich glaube, sie haben es wieder geschafft", sagte Ned May von Outsell Inc. "Nicht, weil sie eine Sache so einzigartig gut machen, sondern weil sie viele Dinge besser machen, als sie bisher gemacht wurden. Das iPad fasst eine Reihe von Bedürfnissen in einem universellen Unterhaltungsgerät zusammen."

Name "iPad" zieht Spott auf sich

Neben der Begeisterung erntete das iPad allerdings auch einigen Spott. Schon kurz nach der groß inszenierten Präsentation scherzten Blogger und Twitter- Nutzer über den Namen des Tablet- PC, denn "pad" steht im Englischen auch für Damenbinde.

"Viel Spaß mit all den Sticheleien, die Ihr für das iPad bekommen werdet", wünschte dem Konzern schon sehr früh eine Twitter- Nutzerin. Ein Scherzbold schlug Apple vor, die kleinere Version des iPad einfach iTampon zu nennen. Dieses Gerät, so der Witz weiter, habe dann auch deutlich mehr Funktionen - die Nutzer könnten mit ihm schwimmen, reiten, Fahrrad fahren und segeln.

Ein weiterer Twitter- Nutzer konnte sich nicht verkneifen, Apple auf einen seiner ärgsten Konkurrenten zu verweisen: "Ich vermute mal, Apple hat vergessen, iPad zu googeln, bevor sie den Namen vergeben haben."

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