Neuester Clou

Apple bringt Gratis-Baukasten für interaktive E-Books

Digital
20.01.2012 09:55
Apple will den milliardenschweren amerikanischen Bildungsmarkt umkrempeln, die Initiative könnte jedoch am Ende auch weltweit das Buchgeschäft verändern. Denn neben dem Fokus auf digitale Lernbücher in den USA stellte Apple am Donnerstag eine neue kostenlose Plattform vor, mit der jeder in einfachen Schritten interaktive E-Books erstellen kann. Verkaufen darf man diese dann aber offenbar nur noch über Apple.

"iBooks Author" heißt das Programm, das im Mac App Store kostenlos heruntergeladen werden kann. Damit soll es besonders rasch und einfach möglich sein, interaktive Bücher für das iPad zu erstellen, die via Multitouchbedienung gesteuert werden. Die Integration von Bildergalerien, interaktiven Diagrammen, 3D-Objekten und mehr werde damit besonders einfach, so Apple. In Anspielung auf das Apple-Programm zum einfachen Musizieren spricht der iPhone- und iPad-Hersteller von einem "GarageBand" für die Produktion digitaler Bücher. 

Als erstes Ziel wolle der Konzern das Lernbuch neu erfinden, kündigte Apple-Marketingchef Phil Schiller am Donnerstag in New York an. Mehrere große US-Verlage sind zum Start mit Lehrbüchern für "iBooks Textbooks" dabei. Als Lesegerät für die digitalen Bücher steht das iPad im Mittelpunkt. Mit der neuen Version des Digitalbuch-Programms iBooks lassen sich interaktive Inhalte wie animierte Grafiken besser anzeigen.

Steve Jobs' Wünsche umgesetzt
Der im Herbst verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs hatte lange über eine Revolution auf dem US-Bildungsmarkt nachgedacht, wie er seinem Biografen Walter Isaacson erzählte. Schon in den vergangenen Jahren seien bereits mehr als 20.000 Lern- und Bildungs-Apps für das iPad entstanden, sagte Schiller.

Kritiker fürchten Monopolstellung und abhängige Kinder
Apple sieht sich mit "iBooks Author" und "Textbooks" jedoch auch Kritik ausgesetzt. So werden die Inhalte - zumindest vorerst - nur für das iPad, aber keine alternativen Tablet-PCs (etwa mit Android-Betriebssystem) verfügbar sein. So könnte eine Monopolstellung entstehen - und zwar noch dazu im Schulwesen, wo Kinder bzw. deren Eltern gezwungen sein könnten, ein iPad zu kaufen, um ihrem Nachwuchs keinen Nachteil zu verschaffen. Zudem wurde bereits im Vorfeld der Ankündigung der Vorwurf laut, Apple wolle sich mit den iPad-Lehrbüchern eine neue Generation Kunden quasi von klein auf heranzüchten.

Neuester Kritikpunkt: Einmal Apple, immer Apple
Noch am Donnerstag hat der US-Autor Dan Wineman ein E-Book mittels "iBooks Author" erstellt, berichtet "Gizmodo". Als er das Buch online stellen wollte, erhielt er eine Nachricht, die er zuerst nicht deuten konnte: Wolle er das E-Book verkaufen (statt es gratis online zu stellen), dürfe es nur noch über Apple verkauft werden. Ein Blick in die Endnutzer-Lizenzvereinbarung (EULA), der man mit Nutzung des zugehörigen "iBooks Author"-Programms offenbar stillschweigend zustimmt, bestätigte seinen Verdacht: "Wenn Ihr Werk gegen Entgelt (auch als Teil eines Abo-Produkts oder Services) bereitgestellt wird, dürfen Sie das Werk nur über Apple vertreiben", heißt es in der EULA unter anderem. Zudem müsse vor dem Verkauf eines E-Books ein schriftlicher Vertrag mit Apple aufgesetzt werden und Apple könne den Verkauf ohne Angabe von Gründen verhindern.

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