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Therapien gegen Sex-Sucht boomen in den USA

03.03.2010, 13:39
Therapien gegen Sex-Sucht boomen in den USA (Bild: © 2010 Photos.com, a division of Getty Images)
Foto: © 2010 Photos.com, a division of Getty Images
Das Leiden, um das es hier geht, zählt nicht zu jenen Krankheiten, bei denen die Betroffenen sofort mit Mitgefühl und Verständnis rechnen können. Sex- Sucht wird in der Öffentlichkeit belächelt, von vielen Experten nicht einmal als Krankheit anerkannt.

Betroffen davon sollen Männer und Frauen sein. Der Fall des Golf- Stars Tiger Woods hat das Thema zum weltweit diskutierten Thema werden lassen. In den USA freilich ist Sex- Sucht zum profitablen Geschäft für spezialisierte Therapieeinrichtungen geworden.

"Das Problem greift um sich, mehr Leute, als wir denken, haben damit zu kämpfen", sagt der Suchtexperte und Buchautor Craig Cross. "Tiger Woods hat dem Thema viel Aufmerksamkeit beschert, mich beschäftigt es allerdings schon seit Jahren." Experten wie Cross argumentieren, dass Sex- Sucht bei den Betroffenen zum Verlust der Kontrolle über ihren Geschlechtstrieb führt und zur zwanghaften Suche nach sexuellen Kontakten. In seinen Symptomen und Auswirkungen für das Leben der Betroffenen sei Sex- Sucht dem Alkoholismus ähnlich.

Woods hatte in einer öffentlichen Entschuldigung außereheliche Affären zugegeben. US- Medien berichteten über Verhältnisse mit Kellnerinnen, Nachtklub- Animateurinnen und einer Pornodarstellerin. Woods wird derzeit in der Pine- Woods- Klinik im Bundesstaat Mississippi behandelt. Experte Gross schätzt die Kosten für eine sechswöchige Therapie auf 20.000 bis 40.000 Dollar (15.000 bis 30.000 Euro). Derartige Kurse bestehen aus Psychotherapie, Gruppengesprächen und bisweilen auch Medikamenten - gegen Depressionen und zur Zügelung des Geschlechtstriebs.

Diagnose und Behandlung umstritten

Die Diagnose und Behandlung von Sex- Sucht ist nicht unumstritten. Skeptiker spotten, es handle sich bei Sex- Sucht nur um eine faule Ausrede für notorische Schürzenjäger. Sie fragen, ob ein ausschweifendes Sexualleben wirklich gesundheitlichen Schaden anrichtet - oder ob es einfach gegen gesellschaftliche Moralvorstellungen verstößt, ohne dabei gleich zur behandlungsbedürftigen Krankheit zu werden. Die maßgebliche US- Branchenvereinigung American Psychiatric Association hat Sex- Sucht bisher nicht als eigenständige Krankheit anerkannt.

Spezialisierte US- Therapeuten wie der Sex- Sucht- Experte Michael Johnson aus dem texanischen Austin weisen derartige Kritik zurück und berichten von der großen Last, als die manche Patienten ihre zügellose Lust empfinden. "Ich habe Leute in der Behandlung, die nicht so bekannt sind wie Tiger Woods, die aber erfolgreich sind und ihre Lebensleistung aufs Spiel setzen", sagt Johnson.

Liste mit Warnsignalen

Die deutschsprachige Beratungsstelle "Anonyme Sexoholics" hat eine Liste mit Warnsignalen für Sexsucht aufgestellt und bietet Hilfe an. Wer zum Beispiel auf die folgenden Fragen mit Ja antwortet, ist laut der Website gefährdet: Hast du jemals daran gedacht, dass du wegen deiner sexuellen Gedanken oder wegen deines sexuellen Verhaltens Hilfe bräuchtest? Dass es dir besser ginge, wenn du nicht immer "nachgeben" würdest? Dass bestimmte Reize dich beherrschen? Nimmst du Zuflucht zu Sex? Fühlst du Schuld, Reue Niedergeschlagenheit? Behindert es deine Beziehung zum Partner? Einen Test mit 20 Fragen findest du auf der Website – den Link dorthin gibt's Infobox!

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