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Schlafwandler unterwegs...

27.02.2004, 15:44
Schlafwandler unterwegs...
Schlafwandler haben eine Schlafmütze auf, ein langes weißes Nachthemd an und wandeln über Hausdächer ohne herunterzufallen. So stellen wir sie uns zumindest vor. Tatsächlich machen viele Schlafwandler aber viel mehr als nur umhergehen, und es gibt mehr von ihnen, als wir glauben. Vielleicht bist du auch einer?
Obwohl die "Wandler" tief schlafen, sind sie dennoch in der Nacht unterwegs, stehen auf, essen, öffnen Türen und kehren zumeist von selbst wieder in ihr Bett zurück, ohne aufzuwachen. Das Schlafwandeln (Somnambulismus) gilt als hypnoseähnlicher, zumeist harmloser Zustand, an den sich der Betroffene am nächsten Tag nicht mehr erinnern kann.
 
Viele wissen nichts davon
Mag. Ilse Müller, Psychotherapeutin am Institut für Psychosomatik und Verhaltenstherapie in Graz, schätzt die Zahl der schlafwandelnden Kinder und Jugendlichen auf drei bis fünf Prozent, bei Erwachsenen ist der Anteil geringer. Jedoch darf man nicht außer Acht lassen, dass die Dunkelziffer der Betroffenen höher liegt. Viele wissen nämlich gar nicht, dass auch sie zu dieser Gruppe gehören, bis sie ein Angehöriger darauf aufmerksam macht. Andere wiederum sprechen aus Scham nicht über ihre nächtlichen Ausflüge.
 
Vollmondspaziergang
Die Ursachen für die nächtlichen Ausflüge sind zum Großteil unerforscht. Als mögliche Auslöser sind jedoch zum Beispiel Stress, psychosoziale Belastungen, fiebrige Erkrankungen sowie Alkoholmissbrauch und bestimmte Medikamente im Gespräch. Schlafwandeln ist möglicherweise sogar vererbbar und scheint oftmals in Vollmondnächten aufzutreten.
 
Zunehmen im Schlaf
Mag. Ilse Müller erklärt, dass Betroffene zumeist dann Hilfe bei ihr suchen, wenn sie während des Schlafwandelns in eine gefährliche Situation geraten waren oder nächtliche "Fressattacken" in den Griff bekommen wollen. Sie schildert ein Beispiel: "Ich behandelte einen Mann, der einmal pro Woche während des Schlafwandelns den Inhalt seines gesamten Kühlschranks in sich hineingestopft hat." Die Folge waren prompt Gewichtsprobleme. Die Therapeutin vermutete in diesem Fall eheliche Probleme und eine Angststörung als Auslöser. Nach einer halbjährigen Behandlung konnte das Schlafwandeln deutlich verringert werden.
 
"Eine Therapie muss immer genau auf den Patienten abgestimmt werden. In diesem Fall wirkte ein gezieltes Angst- und Stressbewältigungstraining in Kombination mit Entspannungsübungen", so Mag. Ilse Müller.
 
Wecken oder schlafen lassen?
Rund um dieses Thema kreisen "mystische" Überlieferungen, ob und wie man Schlafende aufwecken darf. Die meisten Ratgeber empfehlen Angehörigen, den Schlafwandler wieder behutsam ins Bett zurück zu begleiten, ohne ihn aufzuwecken. "Die Scheu davor, einen Schlafwandler aufzuwecken, ist völlig unbegründet", entgegnet jedoch Dr. Rudas, "Gerade in Situationen, in denen er gefährdet ist, sich zu verletzen, ist es sogar notwendig, den Schlafenden zu wecken!"
 
Um gefährliche Unfälle zu vermeiden, genügt es bereits oft, Hindernisse in der Wohnung des Schlafwandlers zu beseitigen bzw. die Türen sorgfältig zu verriegeln. Wenn das Schlafwandeln gehäuft auftritt und zur Qual wird, sollte der Betroffene eine Behandlung anstreben (bei Psychotherapeuten, Psychologen, Psychiatern) oder sich an eine Selbsthilfegruppe wenden.
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