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01.09.2014 - 09:53

Adipositas: Wenn die Körperfülle zur Qual wird

04.01.2013, 16:53
Adipositas: Wenn die Körperfülle zur Qual wird (Bild: thinkstockphotos.de)
Foto: thinkstockphotos.de
Adipöse Menschen leiden unter ihrer Körperfülle – und werden oft mit unbedachten Worten gequält.

Wie leicht kommt das vielen Normalgewichtigen über die Lippen: "Mach halt eine Diät, dann wirst du schon abnehmen!" "Die Fette stopft sowieso alles in sich hinein." "Darfst du denn überhaupt Mehlspeisen essen, bei deiner Figur?"

Elisabeth Jäger kennt unzählige solcher Situationen aus ihren Beratungen und auch aus eigener Erfahrung: "Wenn man in ein Geschäft mit schicker Mode hineingeht, wird man von den Verkäuferinnen mit einem geringschätzigen Blick angesehen, der signalisiert: 'Was will denn die bei uns, hier passt ihr doch sowieso nichts.' Essen in der Öffentlichkeit ist immer ein unangenehmes Erlebnis, denn man wird sofort als verfressen abgestempelt. Aber wir würden halt auch gerne einmal in ein schönes Restaurant gehen!"

Auch im Job haben es Übergewichtige schwer

"Tatort Arbeitsplatz": Dicke Menschen sagen nicht gerne Nein, das ist ja auch Teil ihrer Krankheit. Daher werden sie oft ausgenützt ("Der Blade macht das schon"), um nur ja nicht als faul und undiszipliniert zu gelten. Dabei, so Elisabeth Jäger "sind wir entgegen dem gängigen Klischee äußerst diszipliniert! Gehen trotz Schmerzen und Kummer hinaus, machen unsere Arbeit, gestalten unser soziales Leben. Schauen Sie einmal genau: Am Buffet drängeln die Dünnen ganz besonders. Sogar manche Ärzte sind nicht ausreichend darüber informiert, dass Menschen mit krankhafter Fettsucht professionelle Hilfe benötigen. Da kann es einem schon auch passieren, dass man hört: 'Na, fressen S' halt weniger', obwohl man vorher seinen ganzen Mut zusammengenommen hat, um überhaupt einmal medizinischen Rat einzuholen."

Aus diesem Grund hat sie eine Selbsthilfegruppe  gegründet und bietet mittlerweile in ganz Österreich Hilfestellung.

"Angriff ist die beste Verteidigung"

Elisabeth Jäger war eine lustige Dicke. Immer zu Scherzen aufgelegt, im Bauerntheater der Schenkelklopfer. Aus Selbstschutz, um jenen zuvorzukommen, die sie mit ihren Bemerkungen und Blicken verletzen konnten. Humorvoll ist sie immer noch. Und steht zu ihrer Magenbandoperation vor zehn Jahren. Die Information, die ihr damals gefehlt hat, vermittelt die Selbsthilfegruppe nun durch fachliche und persönliche Unterstützung: "Viele meinen: 'Na die machen es sich leicht, lassen sich einfach operieren.' Aber dass man danach nie mehr normal essen kann, sich ständig kontrollieren muss und mit dem Eingriff das Risiko auf sich nimmt, dabei zu sterben, wissen die wenigsten. Das ist wie bei einem Entzug. Hier ist noch viel Aufklärung nötig."

Vor allem junge Frauen mit starkem Übergewicht zeigen oft Aggression und Unnahbarkeit, sozusagen nach dem Motto: "Angriff ist die beste Verteidigung". Etliche hatten eine schwere Kindheit, in der Liebe und Wärme fehlten. Grund genug anzuerkennen, dass bei Adipositas auch psychotherapeutische Begleitung notwendig ist. Die wird, wenn überhaupt, derzeit nur in Spezialzentren angeboten.

Nährstoffmangel

Nach Magenbandoperationen ist der Körper nicht mehr imstande, Vitamine über Magen und Darm aufzunehmen, Betroffene müssen Nährstoffe also über Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen, um keine bleibenden Schäden davonzutragen. Obwohl Tabletten nicht wirken, werden sie von den Kassen bezahlt. Tief in die eigene Tasche greifen müssen die Patienten hingegen für Sprays, die über die Mundschleimhaut aufgenommen werden. Damit wird also sinnlos Geld aus dem Allgemeintopf ausgegeben, Kranke bleiben aber unterversorgt. Wer das versteht...

Karin Podolak, Kronen Zeitung
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