Beim 0:0 am Sonntag hatte Schiedsrichter Gianluca Rocchi die Partie wegen rassistischer Sprechchöre vor allem gegen die dunkelhäutigen Profis Mario Balotelli und Kevin-Prince Boateng für einige Minuten unterbrochen. "Es wurde keinerlei genauere Untersuchung der Ereignisse durchgeführt. Und eine Geldstrafe alleine bringt nichts, das ist inakzeptabel. Geld wird man immer aufbringen können", kritisierte Blatter und betonte: "Was sind 50.000 Euro für einen solchen Zwischenfall? Ich bin damit nicht glücklich und werde mich direkt an den italienischen Verband wenden." So gehe man nicht "mit derartigen Angelegenheiten um", bekräftigte Blatter.
"Wichtige Lektionen wurden nicht gelernt"
Erst vor Kurzem hatte die FIFA eine Task Force gegen Rassismus gegründet und schärfere Sanktionen angekündigt. Darüber muss der Kongress am 30. Mai auf Mauritius entscheiden. Zu den Zwischenfällen in Mailand sagte Blatter: "Ich denke, dass hier wichtige Lektionen nicht gelernt wurden." Es sei "unglaublich", dass es in einem derart wichtigen Spiel in der Serie A "zu solchen Vorfällen gekommen ist", sagte Blatter und sprach von einem "sehr schwerwiegenden Vorgang".
Auch der Präsident des italienischen Fußballverbandes, Giancarlo Abete, forderte ein härteres Vorgehen. "Die Geldstrafen lösen das Problem nicht, weil es gewisse Personen nicht interessiert, dass ihr Verein Strafen bekommt", sagte er. Stattdessen müsse diesen Fans der Zugang zum Stadion verweigert werden. "Es ist der Moment gekommen, die Grenze von Geldstrafen zu überschreiten und Teile des Stadions zu schließen."
Prandelli: "Fans müssen gegen solche Gesänge rebellieren"
Italiens Nationaltrainer Cesare Prandelli will Spiele nach rassistischen Zwischenfällen überhaupt abbrechen. "Ich denke, dass es die nächsten Male keine kurze Unterbrechung geben wird, sondern einen Spielabbruch", forderte Prandelli. "Wir sind alle verantwortlich, auch die Fans, die gegen solche Gesänge rebellieren müssen." Italienischen Medien reagierten empört auf die Vorfälle. Der "Corriere della Sera" titelte "Jetzt reicht's!", die "Gazzetta dello Sport" forderte: "Rassisten raus".
Die italienische Sportministerin und frühere Kanu-Olympiasiegerin Josefa Idem bezeichnete die Attacken als "beschämend" und "inakzeptabel". Sie forderte eine engere Zusammenarbeit und betonte: "Alle müssen sich in diesem Kampf verantwortlich fühlen."
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