Langer Atem

Facebook zählt laut Experten noch nicht zum alten Eisen

Web
07.06.2013 14:18
In der Zeitrechnung von Start-ups müsste Facebook jetzt voll in der Midlife-Crisis stecken. Doch der Abgesang, in den viele nach dem von Pannen begleiteten Börsengang im vergangenen Jahr einstimmten, kam wohl zu früh. Jüngste Erfolge bei der Werbung auf Smartphones und Tablets sowie weiter anziehende Mitgliederzahlen lassen das weltgrößte soziale Netzwerk plötzlich wieder besser dastehen.

Seine schiere Größe mit mehr als 1,1 Milliarden Nutzern verschafft Facebook im Gegensatz zu den vielen kleinen Neugründungen einen langen Atem. Unantastbar ist das von Mark Zuckerberg geführte Unternehmen deswegen aber noch lange nicht. Das zeigt etwa der verhaltene Zuspruch, den die neue Facebook-App Home erhält, die das Netzwerk auf die Startseite von Smartphones und Tablets bringen soll.

Facebook "so groß, dass man es einfach benutzen muss"
"Sie sind so groß geworden, dass sie zu den Dingen gehören, die man einfach benutzen muss. Es ist in etwa so wie mit einem Stromkonzern, den man nicht mag und trotzdem noch dessen Strom bezieht", sagt Dan Niles, Chef-Investor vom Hedgefonds AlphaOne Capital. Die hochtrabenden Erwartungen, dass Facebook "das Internet" werde, hätten sich allerdings nicht erfüllt. Laut John Caplan, Chef des Onlineshopping-Dienstes OpenSky, ist Facebook zwar bei der Vernetzung von Freunden und dem Teilen von Fotos ungeschlagen, dominiert ansonsten aber nicht die Internetaktivitäten.

Google sei weiter Herr über die Suchmaschinen, LinkedIn die führende Seite bei Karrierefragen und Twitter bekanntester Anbieter von Neuigkeiten. Dass sich nicht alle Ambitionen erfüllen, ist für den früheren Facebook-Manager Net Jacobsson nicht ungewöhnlich: "Wenn du versuchst, alles zu machen, verlierst du das Wesentliche aus den Augen."

Ausreichend Geldreserven
Prügel musste Facebook bereits genügend für seinen Börsengang vor gut einem Jahr einstecken. Der Aktienkurs liegt immer noch gut 40 Prozent unter dem Ausgabepreis. Doch das Unternehmen verfügt seit dem milliardenschweren Gang auf das Parkett über neun Milliarden Dollar in bar - ein wichtiger Trumpf. "Wenn ihnen etwas über den Weg läuft, was ihnen gefährlich werden könnte, kaufen sie es einfach", sagt Start-up-Gründer Joe Beninato. Beispiel: Für knapp eine Milliarde Dollar kaufte Facebook den erfolgreichen Fotodienst Instagram.

"Aufregenderes Zeug kommt von Start-ups"
Das Image als Trendsetter ist damit allerdings weg. "Das neuere, aufregendere Zeug kommt von Start-ups, aber Facebook wird das Unternehmen in der Mitte sein, das mit allen verbunden ist", meint Unternehmer Bill Lee. Deswegen werde Facebook auch nicht das neue MySpace werden. Der einstige Marktführer wurde für eine halbe Milliarde Dollar vom Medienkonzern News Corp gekauft und ist heute nur noch ein Schatten seiner früheren Größe. Aber auch in seiner Hochphase hatte MySpace nie das Datenvolumen von Facebook mit den Unmengen an Online-Profilen und Informationen über Beziehungen und Interessen der Nutzer. Laut Marktforscher Nielsen verbringen die Mitglieder deutlich mehr Zeit auf Facebook als bei Google, Yahoo oder Microsoft.

Junge Nutzer wandern ab
Ein Wermutstropfen bleibt jedoch - die ganz jungen Nutzer. Hier gab Facebook erst kürzlich zu, etwas an Schwung zu verlieren. Besonders beliebt bei Teenagern sind jetzt der japanische Anbieter Line und SnapChat, ein Dienst, der es Nutzern erlaubt, Fotos zu verschicken, die nach kurzer Zeit wieder verschwinden. Dies wird Facebook vermutlich nicht so schnell.

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