Kriminalstatistik

Wirtschaftsdelikte und Cybercrime stark gestiegen

Österreich
21.07.2011 12:17
Die Zahl der Anzeigen ist in Österreich im ersten Halbjahr 2011 gegenüber dem Vergleichszeitraum 2010 um rund zwei Prozent gestiegen. Wurden in den ersten sechs Monaten des Vorjahres rund 258.000 Delikte gemeldet, so waren es heuer 263.183. Positiv entwickelt hat sich dagegen die Aufklärungsquote: 43,2 Prozent (plus 11,4 Prozent) der Fälle wurden gelöst.

Die aktuelle Kriminalitätsstatistik wurde am Donnerstag vom Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Herbert Anderl, in Wien präsentiert. Aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise ist auch in Österreich besonders die Wirtschaftskriminalität gestiegen. Die Zahl an Warenbestellbetrugsfällen ist auf 1.092 (plus 22,7 Prozent) geklettert. Subventionsbetrug wurde 80 Mal zur Anzeige gebracht (2010 nur zehn Mal), Anlagebetrug 126 Mal (2010: 61). Allerdings ist die Aufklärungsquote mit bis zu 98 Prozent in diesen Bereichen sehr hoch, wie Rudolf Unterköfler, Leiter der Abteilung Wirtschaftskriminalität im Bundeskriminalamt, erklärte.

Bekämpfung von Cybercrime als Schwerpunkt
Mit der zunehmenden Nutzung des Internets wächst auch die Kriminalität auf diesem Sektor. Im ersten Halbjahr 2008 gab es 1.118 Anzeigen, heuer bereits rund 2.200. Hacking-Delikte gab es 105, wobei es hier wohl eine große Dunkelziffer gibt. "Der globale Trend zeigt eindeutig, dass in den nächsten Monaten und Jahren verstärkt mit Kriminalitätsdelikten im Bereich IT-Crime zu rechnen ist", sagte Anderl.

Die Bekämpfung von Cybercrime ist dementsprechend ein Schwerpunkt der kommenden Jahre. 300 Polizisten wurden dafür abgestellt und ein eigenes Competence-Center eingerichtet. Das Aufspüren der meist international agierenden Täter ist allerdings oft mühsam. Neben der Ermittlungsarbeit soll daher auch die Prävention verstärkt werden. "Hier soll in den nächsten Jahren durch entsprechende Aufklärungsarbeit in allen Bereichen eine entsprechende Sensibilisierung erreicht werden", meinte Generaldirektor Anderl.

Gewaltdelikte stagnieren
Trotz der spektakulären Mordfälle in den vergangenen Monaten stagnieren Gewaltdelikte. Morde wurden im ersten Halbjahr 33 zur Anzeige gebracht (2010: 31). Die Aufklärungsquote ist mit 91 Prozent sehr hoch. In 88 Prozent der Fälle standen Opfer und Täter entweder in einer familiären Beziehung oder waren zumindest miteinander bekannt. Sexual- oder Raubmorde sind in Österreich generell eine Seltenheit, wie Ernst Geiger, Leiter der Abteilung Ermittlungen und allgemeine und organisierte Kriminalität im BK, betonte.

4 Prozent weniger Anzeige in Wien
Gesunken ist dagegen in diesem Zeitraum die Gesamtanzahl der angezeigten Fälle in Wien - im Vergleich zum Vorjahr von 103.651 auf 99.553. Das bedeutet einen Rückgang von rund vier Prozent im Jahresvergleich zu Jänner bis Juni 2010. Damit konnte der positive Trend des Jahres 2010 weiter fortgesetzt werden. 34.874 Fälle wurden geklärt, was einem Plus von 13,3 Prozent entspricht. Der Anteil der Fremden bei den ermittelten Tatverdächtigen stieg laut LKA im Jahresvergleich von 38,3 Prozent auf 39,6 Prozent. Es seien zudem auch zahlreiche günstige Trends und Tendenzen in wichtigen Teilbereichen der Kriminalstatistik feststellbar, vor allem im Bereich der Eigentumskriminalität.

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