Die Welt von "Trine" entführt den Spieler auf eine märchenhafte 2D-Reise durch verzauberte Wälder, schwebende Gärten, verlassene Wüsten, unterirdische Katakomben, kurzum: überall dorthin, wo der geneigte Fantasy-Fan gerne seine Zeit verbringt. Ist es im ersten Teil der Saga noch die Aufgabe des Spielers, das geheimnisvolle Artefakt Trine aufzustöbern und an sich zu nehmen, schickt selbiges das ungleiche Helden-Trio, bestehend aus Magier Amadeus, Krieger Pontius und der grazilen Diebin Zoya, in Teil zwei auf ihre bislang gefährlichste Mission.
Die Wälder sind verhext und die Bäume spielen verrückt. Diese Info muss dem Spieler zu Beginn von "Trine 2", dem imposanten Hauptwerk der Saga, genügen. Warum das so ist, wer dahintersteckt und wie sich der Normalzustand wiederherstellen lässt, wird im Laufe der Story geklärt.
Schwache Story stört ebenso wenig wie bei "Mario"
Allerdings ist die Hintergrundgeschichte bei "Trine" in Wahrheit eher Beiwerk - sowohl beim ersten Teil wie auch beim zweiten inklusive Add-on. Ebenso wie Mario zum gefühlt hundertsten Mal ausrückt, um Prinzessin Peach zu retten, kämpfen sich auch die "Trine"-Helden durch eine recht vorhersehbare Story ohne echte Überraschungen. Das mag zunächst nicht sonderlich vielversprechend klingen, ist uns aber herzlich egal.
Die Story ist bei "Trine 2" nämlich nur der Rahmen für ein einmaliges Abenteuer, bei dem es weniger um das Warum und mehr um das Wie geht. Beim Spielen ist es nämlich nach kürzester Zeit völlig egal, wieso man sich denn nun gerade durch diesen wunderschön animierten, vor liebevoll eingebauten Details nur so strotzenden, verzauberten Wald mit all seiner Pracht, den abwechslungsreichen und witzigen Rätseln und den fantastischen Begegnungen arbeitet. Man tut es einfach, weil es Freude macht.
Drei Figuren mit unterschiedlichen Talenten
Für reichlich Spielspaß sorgt beispielsweise die Tatsache, dass die "Trine"-Protagonisten jederzeit im Spiel gewechselt werden können und jede der drei steuerbaren Spielfiguren ihre Stärken und Schwächen hat. Ritter Pontius beispielsweise kämpft sich mit Schwert, Schild und gelegentlich auch mit dem Kriegshammer durch Goblin-Horden, dass es eine Freude ist.
Sein Kollege Amadeus sieht in größeren Kämpfen kein Land, kann Feinde und lose Gegenstände dafür aber durch die Luft schweben lassen, wie es ihm beliebt, und Kisten, die sich vortrefflich als Aufstiegshilfe eignen, herbeizaubern. Diebin Zoya wiederum ist das Jump'n'Run-Talent unter den "Trine"-Helden. Niemand springt höher - und sollte es doch einmal nicht reichen, hat die Schurkin auch noch einen Enterhaken im Gepäck. Feinde beharkt sie wiederum bereits aus der Entfernung mit Pfeil und Bogen.
Reichlich Knobelkost für Rätsel-Fans
Die Fähigkeiten der einzelnen Charaktere werden im gesamten Spielverlauf gefordert. Für den Spieler hat das zur Folge, dass er ständig rätselt, wie die gerade zu erledigende Knobelei am besten gelöst werden kann. Ein Hindernis mit Zoyas Enterhaken überwinden oder doch mit Amadeus eine Aufstiegshilfe aus herbeigezauberten Kisten bauen? Einen einzelnen Gegner mit Pontius zu Brei schlagen, mit der Schurkin von Weitem ausknipsen oder ihn doch mithilfe des Magiers in den Abgrund schweben lassen? Die "Trine"-Spiele lassen dem Spieler zu jeder Zeit die Wahl.
Zwischendurch trifft der Spieler immer wieder auf teils freundlich, teils weniger freundlich gesinnte Kreaturen, die geschickt in die Rätsel eingebaut werden. Eine den Weg blockierende Schnecke beispielsweise wird kurzerhand von ihrem Lieblingsort weggelockt, indem an einem Stamm heruntertropfendes Wasser so umgeleitet wird, dass es den Keimling eines gigantischen Salatkopfes benetzt, woraufhin die Leibspeise des Mollusken wächst und das Tier zielstrebig darauf zusteuert.
Rätsel, Kämpfe und Hüpfeinlagen gleichmäßig verteilt
Die Rätsel nehmen eine wichtige Rolle in den "Trine"-Games ein, Gefechte gegen Goblins gibt es zwar in ausreichender Menge, sie nehmen jedoch nie überhand. Überhaupt gestaltet sich das Gameplay als angenehm ausgewogener Mix aus Knobelei, Schlägerei und Hüpferei. Immer wieder gilt es nämlich auch in ganz klassischer Jump'n'Run-Manier, sich hüpfend an Hindernissen vorbeizubewegen. Der direkten, im Idealfall mit dem Gamepad zu erledigenden Steuerung ist es zu verdanken, dass auch diese Passagen nicht für Frust sorgen.
Optisch zündet "Trine", aber noch viel mehr "Trine 2" inklusive Add-on ein Feuerwerk, wie man es selten zuvor in einem Jump'n'Run gesehen hat. Die Grafik, die die Entwickler von Frozenbyte hier zur Schau stellen, braucht sich nicht vor anderen, mit reichlich Budget gesegneten Produktionen zu verstecken und erfreut gleichzeitig Besitzer älterer Rechner mit niedrigen Hardware-Anforderungen.
Prachtvolle Grafik und stimmiger Soundtrack
Auch wenn es sich um ein 2D-Abenteuer handelt, sind die Levels mit solcher Liebe zum Detail designt und mit so hübschen Licht-, Partikel- und Schatteneffekten versehen, dass wir uns beim Testspielen hin und wieder dabei ertappt haben, wie wir einfach nur die wunderschönen Landschaften bestaunten. Neben dem abwechslungsreichen und witzigen Gameplay ist es vor allem diese bunte grafische Pracht, durch welche die "Trine"-Titel dem Spieler nachhaltig in Erinnerung bleiben.
Zum stimmigen Gesamteindruck trägt auch der tolle Sound bei. Nicht nur die Umgebungsgeräusche, die stets zur aktuellen Kulisse - egal, ob Wald, Wüste oder Dungeon - passen, sondern auch die tolle Musik sorgt dafür, dass das Spiel den Spieler in seinen Bann zieht. Die Kombination aus Hochglanz-Optik und atmosphärischem Sound haucht der Fantasy-Spielwelt so viel Leben ein, dass man sich als Spieler geradezu darin verliert.
Gamepad oder Tastatur, je nach Vorliebe
Die Steuerung von "Trine" und seinen Nachfolgern erfolgt entweder mit Maus und Tastatur oder mit dem Gamepad. Dabei erweist sich die Gamepad-Steuerung in den meisten Fällen als die angenehmere Eingabemethode, allerdings erfordern Amadeus' Zauber und Zoyas Pfeil-und-Bogen-Einlagen gelegentliches Zielen, das mit der Maus leichter von der Hand geht als mit dem Gamepad. Letztlich ist es Geschmackssache, wie man das Spiel steuert: Beide Varianten haben Vor- und Nachteile, erweisen sich aber nie als unbrauchbar.
In der Wii-U-Version - "Trine 2" alleine gibt es auch in Nintendos eShop - erweist sich die Steuerung als am flüssigsten, können genaue Eingaben dort doch einfach auf dem Touchscreen des Gamepads erledigt werden. Doch auch auf PC, Mac, PS3 oder Xbox 360 - auf den Konsolen gibt's "Trine 2" ohne Vorgänger als Download - erweist sich die Steuerung als gelungen und ist durch den meist nicht zu rasanten Spielverlauf nicht überfordernd.
Koop-Multiplayer erfordert Koordination
Für Multiplayer-Fans hält "Trine 2" noch ein besonderes Zuckerl bereit. Das Spiel lässt sich nämlich auch im Koop-Modus am gleichen PC, über LAN oder im Web bestreiten, wobei je ein Spieler in die Rolle eines der drei zur Verfügung stehenden Protagonisten schlüpft. Weil die Rätsel oft recht anspruchsvoll sind, ist bei ausgedehnten "Trine"-Multiplayerpartien jedoch die Absprache mit seinen Mitspielern notwendig.
Entweder über ein Headset oder - wenn die Spieler nebeneinander sitzen - direkt vor Ort. Spricht man sich nämlich nicht ab, so mutiert das Rätselraten recht schnell zum Sich-in-die-Quere-kommen mit reichlich Frustpotenzial. Zieht man aber am gleichen Strang, ist das Koop-Erlebnis dem ohnehin schon großartigen Einzelspielermodus in puncto Spielspaß sogar noch ein klein wenig überlegen.
Fazit: Wer die Saga noch nicht kennt, findet in der "Trine 2 Complete Collection" jetzt ein großartiges Knobel-Jump'n'Run-Paket zum kleinen Preis, das viele Stunden Spielspaß verspricht. Die drei Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein könnten und alle ihre eigenen Stärken und Schwächen haben, dstets passenden Sound dazu bei, dass die "Trine"-Saga als eines der besten Jump'n'Runs der letzten Jahre in Erinnerung bleibt. Das Spiel zeigt, dass kein Millionenbudget nötig ist, um ein großartiges Spiel herzustellen, und fesselt junge wie alte Spieler an den Bildschirm. Für uns verdient dieses Spielerlebnis das Prädikat "Geheimtipp".
Plattform: PC (getestet), Mac
Publisher: Focus Home Interactive
krone.at- Wertung: 9/10
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