Merkwürdig deshalb, weil die Ereignisse aus Alan Wakes eigener Feder zu stammen scheinen, ganz als ob der Schrifthersteller das Unheil selbst heraufbeschwören würde. Doch der kann sich gar nicht daran erinnern, etwas Derartiges jemals verfasst zu haben. Ein "Psycho-Action-Thriller", so die Microsoft'sche Eigendefinition, beginnt, in dessen Verlauf es zunehmend schwerer wird, Wahn und Wirklichkeit bzw. Traum von Realität zu unterscheiden.
Worauf es letzten Endes jedoch ankommt, ist zu überleben. Denn – so viel sei verraten – was da in den Schatten lauert, hat es auf Alan Wake abgesehen und trachtet nach dem Leben des zuletzt eher schreibfaulen Schriftstellers. Statt mit Worten zu kämpfen, muss dieser daher zu den Waffen greifen. Doch Colts, Schrotflinten und Gewehre sind nichts im Vergleich zu dem, was dem in der Dunkelheit lauernden Bösen wirklich Angst einjagt: Licht.
Eine Taschenlampe gehört daher nebst den diversen Schießprügeln zur Grundausstattung, als noch wirksamere Waffe im Kampf gegen die "Besessenen", Poltergeister und andere Gefahren erweisen sich Leuchtfackeln, Blendgranaten oder, besser noch, Suchscheinwerfer. Allesamt erlauben sie es Alan, einen die Gegner umgebenden Schutzmantel der Dunkelheit zu durchdringen und so den Weg für eine ordentliche Portion Blei freizulegen, die dem Spuk ein Ende bereitet.
Dummerweise wissen die finsteren Gestalten jedoch um ihre Schwäche und setzen demnach alles daran, das Licht auf Distanz zu halten. Sicherungskästen oder Stromgeneratoren müssen daher oftmals erst in Betrieb genommen werden, ehe Alan sich im sicheren Schein einer Lampe von seinen Strapazen (und Blessuren) erholen kann. Letztere wird er zweifelsohne davontragen, sind seine Gegner doch mit Hämmern, Äxten, Sensen oder Kettensägen bewaffnet, die sie notfalls auch als Wurfgeschoss verwenden. Da hilft nur eines: auszuweichen.
Was bislang nach einem recht gewöhnlichen Vertreter des "Survival Horror"-Genres klingt, inklusive der ständigen Munitionsknappheit und dem Mangel an Batterien für die Taschenlampe, entfaltet seinen ganz besonderen Reiz vor allem durch die literarische Erzählweise der Geschichte, die passenderweise übrigens in einzelnen Episoden aufgebaut ist, und das Spannungsfeld zwischen Tag und Nacht, in dem sich die Charaktere bewegen.
Eben dieser Wechsel von Licht und Schatten zeichnet "Alan Wake" dann auch in optischer Hinsicht aus. Wirkt bei Tag manches noch ein wenig hölzern, vor allem jedoch harmlos und absolut friedfertig, so spielt der Titel in der Dunkelheit seine Stärken voll und ganz aus – sehr zum Leidwesen der bis zum Zerreißen gespannten Nerven des Spielers.
Ein wenig Kritik sei abschließend aber doch erlaubt. Zum einen wäre da die stellenweise stark emotionslose deutsche Synchronisierung, zum anderen das mitunter schlauchartige Leveldesign. Auch den Vorwurf mangelnder Abwechslung muss sich das Grusel-Spielchen stellenweise gefallen lassen. Weitere Episoden wurden als downloadbare Zusatzinhalte jedoch bereits in Aussicht gestellt, das Gruseln geht also weiter.
Fazit: "Alan Wake" lebt, wie viele Horror-Filme und andere Genre-Vertreter auch, von der Angst des Menschen vor der Dunkelheit. Doch auch im hell erleuchteten Wohnzimmer und leiser Beschallung - man will ja schließlich nicht zu Tode erschreckt werden - weiß der Psycho-Thriller dank packender Story dem Spieler das Gruseln zu lehren. Wer sich also gerne fürchtet, ist hier genau richtig.
Plattform: Xbox 360
Publisher: Microsoft
krone.at-Wertung: 8/10
von Sebastian Räuchle
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