Soziale Plattform App.net fordert Facebook heraus

13.08.2012, 13:40
Soziale Plattform App.net fordert Facebook heraus (Bild: App.net)
Foto: App.net
Dass Facebook kostenlos sei, ist laut Datenschützern ein Irrglaube: Wir bezahlen schließlich mit unseren persönlichen Daten. Vielen Nutzern stößt das sauer auf, sie sehnen sich nach einer Alternative. Eine solche möchte die soziale Plattform App.net werden. Die erste Hürde auf dem Weg dorthin hat sie bereits genommen.

App.net- Mitgründer Dalton Caldwell verspricht, ein soziales Netzwerk aufzubauen, bei dem nur die Nutzer und nicht die Werbekunden im Mittelpunkt stehen. Gelingen soll dies mithilfe einer jährlichen Abo- Gebühr von 50 Dollar (rund 41 Euro), mittels derer die Nutzer die Plattform finanzieren. Im Gegenzug dafür sollen ihre persönlichen Daten und Inhalte "niemals" an Dritte weiterverkauft werden.

"App.net- Mitglieder werden immer die volle Kontrolle über ihre Daten haben", versprechen die Macher. Diese Kontrolle beinhalte auch das Recht, sämtliche Daten zu jeder Zeit zu sichern, zu exportieren oder gar zu löschen. Zugleich wollen Caldwell und sein Team ihre Zeit zu 100 Prozent in die Entwicklung "innovativer und zuverlässiger Services" investieren – anstatt ihre Energien für die Erschaffung neuer Methoden zu verschwenden, mit denen sich persönliche Informationen aus den Taschen der Nutzer ziehen ließen, wie es heißt.

Finanzierungsziel erreicht

Caldwell hat allerdings leicht reden, existiert App.net bislang doch nur auf dem Reißbrett. Immerhin: Die erste Hürde auf dem Weg von der Idee zum fertigen Produkt hat die Plattform bereits genommen. Das Projekt erreichte sein Finanzierungsziel von 500.000 Dollar (407.764 Euro), die von künftigen Nutzern und Entwicklern über eine Website  eingebracht wurden.

Die Gründer der Plattform hatten sich an die Internetnutzer mit dem Aufruf gewandt, innerhalb weniger Wochen 500.000 Dollar für den Aufbau von App.net zusammenzubringen. Die Zusagen kamen zunächst nur schleppend in Gang, am Sonntag war das Ziel jedoch knapp zwei Tage vor Ablauf der selbst gesetzten Frist erreicht. Bis Montag früh kamen knapp 635.000 Dollar von 9.560 Unterstützern zusammen.

App.net ist nicht das erste von Nutzern finanzierte Projekt, das ein besseres Online- Netzwerk aufbauen will. So sorgte im vergangenen Jahr eine Gruppe von US- Studenten mit dem Dienst Diaspora (siehe Infobox) für Aufsehen, der mit Spenden funktionieren soll. Das Netzwerk ist jedoch im Vergleich zu den großen Rivalen bisher sehr klein geblieben.

Offener Brief an Zuckerberg

Caldwell bekam zum Start der Finanzierungsrunde zusätzliche Aufmerksamkeit mit einem offenen Brief an Facebook- Gründer Mark Zuckerberg (siehe Infobox). "Du hast ein Geschäft aufgebaut, das finanzielle Motive verfolgt, die nicht im Einklang mit den Interessen von Nutzern und Entwicklern sind", schrieb Caldwell an den Facebook- Gründer.

Weiters warf er Facebook- Managern vor, ihn zum Verkauf eines seiner früheren Projekte zu drängen, weil es in Konkurrenz zu dem weltweit größten Online- Netzwerk gestanden hätte.

AG/red
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