Und das nicht zu knapp, denn wie das "Bibliothek" im Titel bereits erahnen lässt, befindet sich reichlich Lesestoff auf der Speicherkarte. Um genau zu sein 106 deutschsprachige Klassiker sind es, die Nintendo gemeinsam mit dem Deutschen Taschenbuch Verlag (dtv) auf einem einzigen Spielmodul vereint. Mehr als genug Lektüre also, um ein, zwei, ja wahrscheinlich auch drei sehr lange und besonders verregnete Urlaube zu überstehen.
Geboten wird dabei nahezu alles, was des Bibliophilen Herz begehrt – von A wie Adalbert Stifters "Abdias" über F wie Goethes "Faust" (Teil eins und zwei) bis hin zu Z wie in "Der zerbrochene Krug" von Heinrich von Kleist. Mehr als 40 Autoren der deutschsprachigen Weltliteratur - darunter Lessing, Goethe, Schiller, Heine, Büchner, Fontane, Kafka, Tucholsky oder die Gebrüder Grimm - sind in der Westentaschen-Bibliothek vertreten.
Wer sich nicht für eine bestimmte Lektüre entscheiden kann, dem helfen individuelle Empfehlungen und Suchfunktionen beim Stöbern im virtuellen Bücherschrank. Darüber hinaus gibt es zu jedem Werk Einführungen und Autoren-Infos, die den Lesehunger wecken sollen. Da man pro Buch bis zu drei Lesezeichen setzen kann, lassen sich auch einzelne Lieblingsstellen problemlos wiederfinden. Schade nur, dass sich die Lesezeichen nicht auf unterschiedliche Bücher verteilen lassen, also ein Buch nach dem nächsten "abgearbeitet" werden muss und nicht parallel gelesen werden kann.
Größe zählt eben doch
Zum Lesen hält man den Handheld wie ein aufgeschlagenes Buch und blättert entweder mit dem Steuerkreuz oder mittels Touchpen um, wobei über die Einstellungen jederzeit die Bildschirmausrichtung geändert werden kann, sodass Links- wie Rechtshänder gleichermaßen bequem blättern können. Letzteres ist aufgrund des kleinen Bildschirms - trotz zweifach variierbarer Schriftgrößte - leider sehr oft vonnöten. Mit einem richtigen E-Book-Reader kann die Spielkonsole in puncto Bildschirmgröße eben einfach nicht konkurrieren, auch wenn Nintendo dies mit seinem derzeit größten Modell, dem DSi XL, glauben lassen möchte.
Flughafen-Geräuschkulisse zur Entspannung
Abgesehen davon, dass nur wenige Sätze auf einer Seite Platz finden und man daher ständig umblättern muss, macht der DS seinen Job als E-Book-Reader jedoch erstaunlich gut, zumal der Handheld auf Wunsch auch für die musikalische Untermalung während des Lesens sorgt. Idyllisches Bachgeplätscher und Vogelgesang stehen neben ungewöhnlicheren Geräuschkulissen wie "Flughafen" oder "Eisenbahn" zur Auswahl, um eine entspannte Atmosphäre zu schaffen.
Fazit: Wirklich groß ist der Bildschirm des DS zugegebermaßen nicht, und auch die (an sich gute) Akkulaufzeit des Handhelds stinkt im Vergleich zu echten Readern ab. Dafür kann sich die Konsole brüsken, deutlich kompakter als jedes derzeit im Handel erhältliche E-Book-Lesegerät zu sein. Was jedoch vor allem für die "Bibliothek der klassischen Bücher" spricht, ist der unschlagbar günstige Preis: Im Handel sind die 106 Bücher bereits ab 23 Euro erhältlich – da können selbst die günstigen Reclam-Ausgaben nicht mithalten. Wer demnach einen DS sein Eigen nennt und sowohl dem Lesen als auch den Klassikern etwas abgewinnen kann, sollte unbedingt zugreifen.
Plattform: DS
Publisher: Nintendo
krone.at-Wertung: 8/10
von Sebastian Räuchle
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