Männer als Opfer

Singapur: Anstieg von sexueller Erpressung im Web

Web
18.02.2013 11:43
Sie werden via Webcam zu Nacktaufnahmen überredet und anschließend mit dem intimen Material erpresst: Sextortion - ein Kunstwort, zusammengesetzt aus den englischen Begriffen Sex und Extortion (Erpressung) - wird immer mehr zum Trend. Nachdem sich das FBI erst vor wenigen Tagen veranlasst sah, vor der neuen Gefahr im Web zu warnen, meldet nun auch die Polizei in Singapur einen sprunghaften Anstieg von Fällen sexueller Erpressung über das Internet. Die Besonderheit: Diesmal sind die Opfer Männer.

Erst vor wenigen Tagen hatte das FBI einen 27-jährigen Kalifornier verhaftet, der sich in die Online- und E-Mail-Konten Hunderter Frauen gehackt, dort nach Nacktfotos gesucht und das erbeutete Material schließlich genutzt hatte, um weitere pikante Aufnahmen zu erpressen (siehe Infobox). Nur wenige Monate zuvor waren der US-Bundespolizeibehörde zwei Männer ins Netz gegangen, die auf ähnliche Art mehr als 3.800 Kinder und Jugendliche - in einigen Fällen über eine Zeitspanne von bis zu sieben Jahren – erpresst hatten. Manche der ausschließlich weiblichen Opfer, so das FBI, hätten schließlich sogar versucht, der Erpressung mittels Selbstmord ein Ende zu setzen.

Rollentausch: Opfer sind männlich
Auch in Singapur ist die Zahl der Fälle von sexueller Erpressung über das Internet im vergangenen Jahr sprunghaft gestiegen. Waren es 2011 lediglich elf Fälle, so seien im Vorjahr mehr als 50 Sextortion-Fälle bekannt geworden. Die Dunkelziffer dürfte jedoch weitaus höher sein, berichtete die Zeitung "Straits Times" unter Berufung auf einen Polizeibericht. Im Gegensatz zu den Fällen in den USA sind die Opfer in dem südostasiatischen Inselstaat jedoch männlichen Geschlechts, die Täter Frauen aus anderen asiatischen Staaten, denen deshalb nur schwer beizukommen ist.

Zu Cybersex überredet
Der Polizei nach würden sich die Frauen ihre Opfer bevorzugt in sozialen Netzwerken wie Facebook suchen und sich mit ihnen zu erotischen Webcam-Chats verabreden. Die Täterinnen würden dann beginnen, sich ausziehen und ihre Gesprächspartner dazu auffordern, selbiges auch zu tun. Viele Männer kommen diesem Wunsch bereitwillig nach, nicht ahnend, dass ihr Gegenüber alles aufzeichnet, um das Material schließlich gegen sie zu verwenden. Der "Straits Times" zufolge würden die Videos beispielsweise zunächst nur mit einem passwortgeschützten Zugang auf YouTube hochgeladen. Die Betroffenen erhielten dann eine Nachricht mit dem Verweis auf das Video und die Drohung, es zu veröffentlichen, wenn nicht eine bestimmte Summe gezahlt werde.

Vorsicht und Zurückhaltung
Die Polizei in Singapur forderte Nutzer daher dazu auf, auf Freundschaftsanfragen von Fremden im Internet skeptisch zu reagieren und keine intimen und persönlichen Details von sich preiszugeben. Im Falle einer Erpressung sollten die Opfer der Zahlungsaufforderung keinesfalls nachkommen und stattdessen umgehend die Polizei informieren.

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