Geht es bei dem ersten Prügelspiel für die PS Vita um seriöses Polieren fremder Fressen? Nein. Bestimmt geht es hier nicht ernst zur Sache - und das ist auch so gewollt. Vielmehr zeigt das Game auf selbstironische Weise Möglichkeiten auf, die das WAAR- System (Wide Area Augmented Reality) der PS Vita zu leisten imstande ist.
Denn neben den Kämpfen steht zunächst das Character- Customizing im Vordergrund. Es gilt, seinen individuellen Helden zu gestalten - und das beginnt schon mit dem Gesicht: So nimmt man zunächst sein eigenes Gesicht mittels Frontkamera auf, das dann automatisch auf den Kopf eines fast nackten Kämpfer- Dummies übertragen wird. Das funktioniert nicht mal schlecht. Zudem schafft das System auch Mimik, wie etwa Mund- , Augenlider- und Augenbrauenbewegungen, zu animieren.
Doch jetzt geht der Spaß erst richtig los. Nach der stufenlosen Anpassung von Körperkraft im Verhältnis zu Körperfett geht es ab in die Umkleidekabine: Von gediegen bis schlicht untragbar verrückt sind die Frisuren und Bartdesigns, die man seinem Alter Ego verpassen kann. Unbedingt zu empfehlen – neben etlichen Spezialoutfits à la Ballett- Tutu oder Schottenrock – ist der Badeanzug für Kämpfer ohne Scham, bekannt aus Filmen wie "Borat". Weiter geht's zu allerlei Accessoires wie Fliegerbrille, Stilettos und Pilotenhandschuhen. Schnell noch den bevorzugten Kampfstil ausgewählt und auf geht's in den Storymodus…
"Haben Kämpfer sich eingelassen auf Konfrontation, nicht zurückgehen er kann" – so, oder so ähnlich wird man von niemand Geringerem als Karate- Kid- Sensei Mr. Miyagi begrüßt, der sich zwischen zwei Bonsai- Beschneidungen Zeit für die Ausbildung unserer kämpferischen Leistungen nehmen will. Eigentlich handelt es sich dabei nicht um einen echten Story- Mode, da uns O- Sensei nur zwischen den Kämpfen mit amüsanten Ratschlägen zur Seite steht, die Sprüche des Meisters machen das aber allemal wett.
Geht es dann in die Arena, kann man wählen zwischen einem der vorgefertigten Hintergründe oder man lässt sich sogleich auf die WAAR ein. Dabei liefert die rückwärtige Kamera der PS Vita den Hintergrund, vor dem sich die beiden Kämpfer bewegen. Per X- Taste platziert man die Kontrahenten, die einander sogleich passend skaliert gegenüberstehen.
Im Kampf selbst spielt das Sixaxis- Bewegungserkennungssystem nicht immer hundertprozentig mit, oft driften während der Begegnung die Kämpfer in die eine oder andere Richtung ab. Teilweise kompensiert werden kann das Problem, wenn man eine der eigens für die PS Vita gestalteten WAAR- Cards verwendet. Diese liefern durch einfache geometrische Figuren auf Kartonkarten Referenzpunkte für das Kameraerfassungssystem, wodurch die Hintergrundstabilität deutlich erhöht wird. Auch die Ausleuchtung der Umgebung spielt eine Rolle: Je dunkler, desto mehr "schwimmt" das Geschehen am Display.
Grafisch lotet das Spiel zwar nicht annähernd die Möglichkeiten der 128 Megabyte Video- RAM aus, die in der Konsole schlummern, doch der Spaßfaktor, die Umgebung bei den Kämpfen miteinzubeziehen, ist einfach gigantisch. Ebenso verhält es sich mit dem Kampfsystem, das im Vergleich zu "DOA", "Tekken" und Konsorten eher als rudimentär bezeichnet werden kann. Doch auch hier steht der Spaß im Vordergrund, was sich in den Spezialattacken niederschlägt, wenn etwa Boxer X den Karateka Y mit einem Schwinger aus den Latschen hebt und dieser mit dem Gesicht voraus an die "Innenseite" des PS- Vita- Displays kracht, sodass dieses (virtuell) zerspringt.
Hat man seinen Gegner niedergerungen, kann man sofort nach dem Kampf verschiedenste Siegerposen einnehmen, den passenden Gesichtsausdruck aufsetzen und sich so abgelichtet umgehend auf Facebook präsentieren. Welche Möglichkeiten sich durch die Gesichtserkennung ergeben - sich etwa mit seinem besten Freund oder größten Widersacher im selbstgewählten Kuhkostüm zu matchen und seinen Triumph publik zu machen - kann getrost eines jeden Spielers Phantasie überlassen werden.
Nach fast jedem Kampf winken zur Belohnung etliche neue Inhalte, Kostüme oder Arenen, mittels gesammelter Sterne können zusätzliche Gustostückerln erworben werden. Auch der Multiplayer- Modus in Verbindung mit einer zweiten PS Vita funktioniert drahtlos und einwandfrei.
Fazit: Bestimmt nicht als ernstzunehmendes Prügelspiel geht zum Produktrelease der PS Vita am Mittwoch das Beat'em up "Reality Fighters" an den Start. Mannigfaltige Gestaltungsmöglichkeiten der Kämpfer und Kampfstile sowie ein Arsenal an Kostümen machen das Spiel - in Kombination mit der Integration individueller Gesichter auf den Köpfen der Kämpfer - zu einem einzigartigen Erlebnis. Gelungen ist auch die Augmented- Reality- Funktion, die das Spielgeschehen an jeden beliebigen realen Ort transferiert, obgleich die Sensibilität der Bewegungssensoren noch nicht optimal funktioniert. Bunter Prügelspaß mit Langzeitmotivation ist dennoch garantiert.
krone.at- Wertung: 8/10
Plattform: PS Vita