"Spaghetticode"

Programmieren für die Massen: 50 Jahre BASIC

Web
28.04.2014 11:40
Jedes Handy verfügt inzwischen über mehr Rechenleistung als die Supercomputer vor 50 Jahren. Die Maschinen damals füllten große Räume, mit ihnen zu kommunizieren war schwer. Die beiden Informatiker John G. Kemeny und Thomas E. Kurtz vom Dartmouth College im US-Bundesstaat New Hampshire wollten sich damit jedoch nicht abfinden und entwickelten mit BASIC eine Programmiersprache für die Massen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelte sich die Computer-Technologie rasant. Der Zugang zu den Großrechnern blieb aber auch an den Universitäten sehr begrenzt. Anfang der 60er-Jahre sollte sich das langsam ändern: Über seine Kontakte zum benachbarten Massachusetts Institute of Technology hatte Kemenys Kollege Kurtz mitbekommen, dass Computer nicht mehr nur Befehle aus einer Quelle in einem Stapel abarbeiten konnten. Jetzt war es möglich, dass mehrere Benutzer gleichzeitig an einem Rechner arbeiten konnten ("Time-Sharing").

Bis zu diesem Zeitpunkt wurden die Computer in der Regel mit Stapeln von Lochkarten oder langen Lochstreifen gefüttert, auf denen die Befehle in Programmiersprachen wie Algol oder Fortran standen. Da immer nur ein Stapel zur gleichen Zeit verarbeitet werden konnte, gab es für die Wissenschaftler kaum Gelegenheit, einen Slot der wertvollen Computer-Zeit zu ergattern. Der Stapelbetrieb war außerdem sehr unflexibel, weil er keinen Dialog mit dem Betriebssystem zuließ.

"Die Menschen hatten damals gar keine Vorstellung, was ein Computer ist", sagt Professor Tom Cormen von Dartmouth College. "Man konnte sich damals nicht vorstellen, dass eine Person einfach loslegen und einen Computer programmieren kann." Kemeny und Kurtz erkannten schnell das Potenzial, das Time-Sharing eröffnete. Sie wollten nun mit BASIC eine Programmiersprache schaffen, mit der man dann auch möglichst einfach mit dem Computer kommunizieren konnte.

"Symbolische Allzweck-Programmiersprache für Anfänger"
Der Name BASIC ("Beginner's All-purpose Symbolic Instruction Code") erklärt die Absicht der beiden Wissenschaftler. Sie wollten eine "symbolische Allzweck-Programmiersprache für Anfänger" zur Verfügung stellen, die "basic", also grundlegend ist.

Am 1. Mai 1964 um 4.00 Uhr war es dann so weit: Mit einem Knopfdruck starteten Kemeny und Kurtz auf einem GE-225-Computer von General Electric das erste BASIC-Programm, das nur aus drei Zeilen Code bestand. In der ersten Zeile Stand "10 Let X = (7+8)/3". Die zweite Zeile "20 PRINT X" wies den Computer an, das Ergebnis auszugeben. Die dritte Zeile "30 END" signalisierte dem Rechner, dass das Programm abgearbeitet ist.

"BASIC demokratisierte zusammen mit Time-Sharing den Umgang mit Computern", bewertet Dartmouth-Profressor Cormen die Arbeit seiner akademischen Vorgänger. "Wegen Time-Sharing hatten die Leute nun einen Zugang zu einem Computer. Und dank BASIC konnten sie eigene Programme schreiben." Zu den Highschool-Kids, die damals BASIC für ihre ersten Schritte in der Computerwelt nutzten, gehörte auch der junge Bill Gates.

C64 sorgte für BASIC-Boom
Es dauerte aber bis in die späten 70er-Jahre, bis der BASIC-Zug richtig Fahrt aufnahm. Die ersten Heimcomputer von Herstellern wie Atari, Sinclair, Tandy oder Schneider wurden mit einem sogenannten Interpreter ausgeliefert, sodass die BASIC-Programme dort auch auf einer spärlich ausgestatteten Hardware laufen konnten.

Für den Höhepunkt des BASIC-Booms sorgte ab 1982 der Commodore 64, der mit einem Gesamtabsatz von über 22 Millionen Stück bis heute den Titel des "meistverkauften Heimcomputers aller Zeiten" trägt. "BASIC war der Startschuss für eine Entwicklung, dass sich viele Menschen mit der Programmierung von Computern beschäftigten", sagt Jochen Viehoff, Geschäftsführer des Heinz Nixdorf MuseumsForums im deutschen Paderborn.

Dämpfer durch erste PCs
Einen Dämpfer erhielt die Verbreitung von BASIC durch den ersten Personal Computer von IBM. Microsoft durfte den PC zwar mit dem Betriebssystem DOS ausstatten, eine Umgebung für BASIC gehörte aber nicht zur Startausstattung. Von den vielen BASIC-Dialekten war später dann aber doch vor allem das Microsoft-Produkt Visual Basic relevant, weil man damit vergleichsweise einfach Anwendungen für Windows schreiben konnte. Bei der Programmierung für Markos für Programme wie Excel wird die BASIC-Technologie noch heute eingesetzt.

Umstrittener "Spaghetticode"
In der Informatik blieb BASIC aber nicht unumstritten. "Konzeptionell und von der Effizienz konnte BASIC nicht mit anderen Programmiersprachen mithalten", sagt Computer-Historiker Viehoff. Kritiker machten sich auch immer wieder über den unübersichtlichen "Spaghetticode" lustig, der mit BASIC produziert werde. Dennoch gilt BASIC noch heute als eine der am weitesten verbreiteten Programmiersprachen, die besonders leicht zu erlernen ist - auch wenn sie in der Welt des Internets nur noch eine untergeordnete Rolle spielt.

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