Eines gleich vorweg: "Ninja Gaiden 3: Razor's Edge" ist nichts für zart besaitete Zeitgenossen. Das Spiel strotzt nur so vor Gewalt und ist unter keinen Umständen für Kinder geeignet. Das ist auch der Grund dafür, dass Nintendo "Ninja Gaiden 3: Razor's Edge" gar nicht erst auf den deutschen Markt gebracht hat – dort droht die Indizierung – und das Spiel nur über Nintendos eShop oder als Import zu beziehen ist.
Wer das Spiel über den eShop downloaden will, kann das erst abends ab 23 Uhr tun – davor verwehrt Nintendos Online-Laden den Zugriff auf das Game. Das Gleiche gilt für andere Ab-18-Titel und liegt offenbar daran, dass sich Nintendos Europazentrale in Deutschland befindet, wo besonders strenge Jugendschutz-Regelungen gelten.
Sieben Tage Zeit, um die Welt zu retten
Die Story von "Ninja Gaiden 3: Razor's Edge" ist schnell erzählt: Terroristen greifen die britische Hauptstadt an und das japanische Verteidigungsministerium schickt seine tödlichste Waffe zu Hilfe: Drachen-Ninja Ryu Hayabusa. Der mischt die Bösewichte in London gehörig auf, scheitert dann jedoch an einem geheimnisvollen Fremden, der ihn mit einem Fluch belegt.
Hayabusa kommt gerade noch mit dem Leben davon und erfährt in der Kommandozentrale vom Plan der Geheimorganisation "Lords of Alchemy", die Weltherrschaft an sich zu reißen. Sieben Tage gibt die Organisation des geheimnisvollen Fremden den Nationen der Welt Zeit, um sich zu unterwerfen. Sieben Tage Zeit für Hayabusa und seine Ninja-Kollegin Ayane, das Geheimnis um die "Lords of Alchemy" zu lüften und ihren Plan zu vereiteln.
Abgedrehte Geschichte mit teils schrägen Wendungen
Ihr Abenteuer führt die beiden Ninjas um die ganze Welt. Während Ayane unter anderem in Paris gegen die Lakaien der Geheimorganisation kämpft, metzelt sich Hayabusa auf der Suche nach Antworten durch Wüsten, Städte und tropische Inseln. Dabei werden die Herausforderungen kontinuierlich größer. Kämpft man zu Beginn des Spiels noch gegen menschliche Schläger, sieht man sich gerade im späteren Verlauf des Spiels zunehmend mit schrägen, nicht-menschlichen Gegnern konfrontiert.
Die Storywendung weg vom Terrorismus-Szenario hin zu einer abgedrehten Geschichte um einen Geheimbund mit monströsen Lakaien kommt relativ unerwartet und trifft sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Strahlt das Spiel gerade anfangs mit dem Terroristen-Szenario noch eine gewisse Ernsthaftigkeit aus, so wandelt sich diese spätestens beim Auftauchen des ersten gentechnisch veränderten Klon-Tyrannosaurus in ein schrilles und fantasievolles Comic-Erlebnis.
Der Pfad des Ninja erfordert flinke Finger
Neben der abgedrehten Story bleibt auch der hohe Schwierigkeitsgrad von "Ninja Gaiden 3: Razor's Edge" in Erinnerung. Im Vergleich zu den bockschweren Vorgängern mag er etwas niedriger angesetzt sein, Tecmos Ninja-Saga ist jedoch nach wie vor eher ungeeignet für Gelegenheitsspieler – es sei denn, sie wählen den leichtesten der drei Schwierigkeitsgrade. Ansonsten erfordert das Spiel nämlich blitzschnelle Reflexe: Blocken, schnell oder doch kräftig zuschlagen, Ninja-Wurfsterne in Richtung der Gegner schleudern, Kombos ausführen, Granaten und Raketen ausweichen – der Pfad des Ninja erfordert flinke Finger.
Hat man die einfach gehaltene Steuerung einmal gemeistert, entfaltet das Spiel sein volles Potenzial. Was Hayabusa und Ayane auf dem TV-Bildschirm inmitten abgetrennter Gliedmaßen und Blutfontänen präsentieren, verdient geradezu die Bezeichnung Schwertkampf-Ballett. Fans fernöstlicher Martial-Arts-Filme wird das Spiel anfangs alleine schon durch die perfekt choreographierten Kämpfe und die spektakulären Finishing-Moves der beiden Protagonisten fesseln.
Übersicht geht wegen zu viel Gewalt teils verloren
Allerdings wäre das Schwertkampf-Ballett auch mit etwas weniger Blut durchaus ansehnlich geworden – und möglicherweise sogar übersichtlicher. Im rot gefärbten Kampfgetümmel kann es nämlich durchaus vorkommen, dass man als Spieler nicht mehr so genau weiß, welche der über den Bildschirm wirbelnden Figuren die eigene ist.
Tatsächlich schadet diese Unübersichtlichkeit gelegentlich sogar dem Spielspaß. Ebenfalls nicht optimal ist die Anzahl und Dauer der Kämpfe. Mitunter muss man das Schwert in einem einzelnen Level mit dem Blut von gefühlt 300 Kleinkriminellen tränken, bevor man endlich wieder eine für die Story relevante Passage erreicht.
Grafik: Meist hübsch, vereinzelt etwas steril
Klar, die spektakuläre Inszenierung lässt gerade zu Beginn des Spiels auch bei Kämpfen gegen eigentlich uninteressante Gegner Freude aufkommen. Aber irgendwann will man dann doch auch in der Story vorankommen und nicht einfach nur gruppenweise Kleinganoven vermöbeln, daran ändern auch die gelegentlich eingestreuten Hüpf- und Klettereinlagen nichts.
Glücklicherweise ist "Ninja Gaiden 3: Razor's Edge" optisch ein Leckerbissen und verwöhnt trotz zu häufiger Kämpfe das Auge. Die Landschaften sind – gerade in der Anfangsphase des Spiels – wunderschön gemacht und strotzen nur so vor Details. Im späteren Verlauf kommen zwar etwas sterilere Schauplätze vor, insgesamt ist die Optik des Spiels aber überzeugend.
Tolle Musik, gut gewählte Sprecher
Dazu tragen auch die tollen Animationen der Protagonisten bei. Sowohl Hayabusa als auch Ayane haben ihren eigenen Kampfstil und es ist eine Freude, den beiden Ninjas bei ihrem blutigen Tagwerk zuzusehen. Auch nicht-menschliche Gegner und Maschinen sehen gut aus und sind klasse animiert.
Der tolle Soundtrack sorgt mit dafür, dass "Ninja Gaiden 3: Razor's Edge" atmosphärisch durchaus als Leckerbissen durchgeht. Die Musik strotzt nur so vor Pathos, die Kampfgeräusche klingen so, wie Ninja-Geräusche nun mal klingen sollten, und auch die Sprecher sind gut gewählt. Besonders der Anführer der "Lords of Alchemy" klingt richtig schön böse, was auch den zynischen Kommentaren geschuldet ist, die ihm Tecmo in den Mund legt.
Spiel kann auch auf Gamepad-Display gespielt werden
Die Steuerung des Ninja gelingt mit dem Wii-U-Gamepad tadellos, wichtige Funktionen – etwa das Wechseln der Waffe oder die Zaubersprüche – erreicht man über den Touchscreen. Wer mag, kann "Ninja Gaiden 3: Razor's Edge" auch nur auf dem integrierten Bildschirm des Gamepads spielen. Der entsprechende Menüpunkt findet sich in den Optionen.
Im Multiplayer-Modus stehen zwei verschiedene Spielmodi bereit. In den "Clan Battles" treten bis zu acht Ninjas in Teams über das Internet gegeneinander an. Es gewinnt das Team, das dem Gegner den meisten Schaden zugefügt hat. In den "Ninja Trials" können zwei Spieler entweder lokal oder über das Internet gemeinsam gegen den Computer spielen und anstürmende Gegnerhorden dezimieren.
Fazit: Mit "Ninja Gaiden 3: Razor's Edge" liefert Tecmo Koei ein prächtig inszeniertes Ninja-Spektakel ab, das vor allem Freunde fernöstlicher Martial-Arts-Filme begeistern dürfte. Der teilweise übertrieben hohe Gewaltgrad hätte nicht sein müssen und geht teilweise sogar auf Kosten der Übersicht. Trotzdem versprüht das Spiel dank seiner abgedrehten Story, der prächtigen Grafik und der coolen Charaktere seinen ganz eigenen Charme. Der hohe Schwierigkeitsgrad und die bisweilen langwierigen Kämpfe mit gefühlt zigtausenden Kleinganoven trüben das ansonsten stimmige Gesamtbild zwar etwas, Genrefans kommen aber auf jeden Fall auf ihre Kosten.
Plattform: Wii U (getestet)
Publisher: Nintendo/Tecmo Koei
krone.at-Wertung: 8/10
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