Die Eckdaten vorweg - um Kenner und Könner ein wenig einzustimmen: Hinter dem fünf Zoll großen OLED-Multitouch-Display schlummert ein ARM-Quad-Core-Prozessor, der auf 512 Megabyte Arbeitsspeicher und weitere 128 Megabyte Video-RAM zugreifen kann. Das beschert der Konsole eine Grafikleistung, die beinahe an den großen Bruder PS3 herankommt.
Neben altbekannten Elementen trumpft die Konsole zudem mit einem sogenannten Touchpad - ähnlich einem Laptop-Mouspad - auf der Rückseite, zwei separaten Steuersticks, je einer Kamera auf Vorder- und Rückseite, Gyroskop und Beschleunigungssenor (Sixaxis-Bewegungssteuerung), einem elektronischen Kompass, integriertem GPS, Bluetooth sowie WLAN- bzw. 3G-Anbindung auf.
Kurz gesagt: Jede Menge Technik schlummert in der knapp 280 Gramm leichten PS Vita. So weit, so gut. Somit lässt sich auch kaum streiten über die nötigen Kapazitäten, die etwa für Wide-Area-Augmented-Reality-Spiele (WAAR), bei denen die reale Umgebung des Spielers beim Zocken miteinbezogen wird (siehe Infobox und Test zu "Reality Fighters"), zur Verfügung stehen.
Umständliche Konfiguration beim ersten Start
Hat man das technische Kleinod zum ersten Mal ausgewickelt und aufgeladen, gilt es zunächst, die Grundeinstellungen zu bewältigen. Zuvor muss die Konsole jedoch auf den neuesten Stand der Firmware gebracht werden. Das dauert zwar, ist aber unumgänglich. Und ohne Internetanbindung schlicht nicht möglich. Wer also seine frisch verpackte PS Vita gleich auf eine Almhütte entführt, um dort seiner Spielleidenschaft nachzugehen, sei gewarnt.
Hat man das Update geschafft, loggt man sich mit seinem PSN-Account (PlayStation Network) ein, um sich der PS Vita gebührend als ihr User vorzustellen. Wer noch kein Benutzerkonto hat, muss sich erst durch ein Anmeldeformular kämpfen.
Musik, Videos und Social Networking als Basisanwendungen
Dann kann es aber losgehen, und die PS Vita gibt den Blick frei auf das Basismenü. Darin findet sich alles, was die Konsole noch kann - neben Spielen. Im Begrüßungscenter wird der Rookie mittels sechs Minispielen in die Wirkungsweise der neuen Steuerungsmechanismen eingeführt, wobei das Game zum Thema Multitouch-Display-Nutzung wohl wirklich vom "dümmsten gemeinsamen User" ausgeht, da dieses Feature in Zeiten von Smartphone und Co. wohl schon als selbsterklärend angesehen werden darf.
Mittels "Near"-Applikation können PS-Vita-Spieler in der Umgebung ausgemacht, ausgewählt und zum gemeinsamen Zocken eingeladen werden. Chat, Group Chat und Party - eine Sprachchat-Anwendung - komplettieren das Kommunikationsangebot. Zudem verfügt die Konsole über Social-Network-Anbindungen, etwa zu Facebook oder Twitter, und einen obligatorischen Webbrowser, der im Praxistest recht ansprechend seinen Dienst versah, bei Flash-Anwendungen allerdings kapitulierte.
Dafür spielt die Konsole per Musik- und Videoplayer die gängigsten Datei-Formate ab. Auch der Zugang zu PSN und PS Store sind vom Homescreen aus möglich. Eine Besonderheit stellt die "Trophäen"-Anwendung dar, mittels derer Spielerfolge und -fortschritte automatisch im PSN veröffentlicht werden.
"Remote Play" ermöglicht im Zusammenschluss von PS Vita und PS3 ein konsolenübergreifendes Spielerlebnis, etwa beim Rennspiel "WipEout 2048". Der GPS-gestützte Zugriff auf Google Maps wurde ebenfalls in die Standardaustattung integriert.
Wieder neue Kartenformate für Spiele und Speicher
Doch wie genau kommt man nun zu den Spielen? Das ist schon ein wenig spannender: Die PS Vita verfügt dazu beispielsweise über einen Slot, der ein eigenes Sony-Sonderformat an Speicherkarten aufnimmt, auf denen die Spiele gespeichert sind. Diese Karten werden direkt im Handel erhältlich sein, das Angebot richtet sich wohl vorwiegend an jene Kunden, die nicht oder kaum mit ihrer Konsole online gehen. Für alle anderen ist zusätzlich der direkte Weg in den PS Store gedacht, der über die Konsole betreten werden kann. Wer allerdings (noch) nicht über eine Daten-Flatrate verfügt oder gar via 3G-Verbindung online gegangen ist, sollte bedenken, dass die Spiele um die vier Gigabyte groß sein können.
Alternativ dazu kann der Game-Erwerb auch via PS3 oder Computer abgewickelt werden, mit denen sich die PS Vita anstandslos mittels "Inhaltsmanager" verbindet. So können Software und Daten bequem zwischen den Systemen ausgetauscht werden. Übertragen werden die Spiele dann auf den Speicher der PS Vita, der wahlweise mit vier, acht oder 16 Gigabyte in Form einer Micro-SD-ähnlichen Karte realisiert wurde, die in einem weiteren Slot an der Unterkante der Konsole Platz findet.
Steuerung mit Tücken
Gewöhnungsbedarf bestand allerdings im Praxistest, was die Fülle an Steuerelementen anlangt. Hält man die Konsole - wie etwa aus PSP-Zeiten gewohnt - mit beiden Händen fest umschlossen, kommt es häufig vor, dass die Touchpad-Fläche auf der Rückseite unabsichtlich aktiviert wird. Daher sollte man alle Finger bis auf die Daumen immer brav einziehen. Auch der Touchscreen hat so seine Tücken, da oft nicht Tasten und Display gleichzeitig als Eingabemethode zur Verfügung stehen, sondern nur eine der beiden Funktionen. Hier muss sich der Spieler immer erst auf den jeweiligen Funktionsumfang des Spiels einstellen und tappt nicht selten wirkungsfrei auf einen vermeintlich touchfähigen Bildschirminhalt herum.
Neu ist auch, dass nicht mehr die O-Taste standardmäßig die "Zurück"- bzw. "Schließen"-Funktion erfüllt, was den PS-gewohnten User am Anfang ebenso verwirrt. Stattdessen entdeckt man im unteren linken Display-Eck einen "Zurück"-Pfeil. Insgesamt aber liegt die Konsole gut in der Hand, sobald sich die menschlichen "Eingabewerkzeuge" an Form und Handling gewöhnt haben. Besonders hervorzuheben sind dabei die beiden Steuersticks, die eine sehr präzise und weiche Übersetzung der Daumenbewegung liefern.
Etliche Top-Titel zum Verkaufsstart
Zum Start am 22. Februar stehen neben den Top-Titeln "Uncharted: Golden Abyss", "WipEout 2048", "Reality Fighters" (siehe Testbericht), "Little Deviants", "ModNation Racers: Road Trip" und Everybodys Golf" aus dem Hause Sony (siehe Videos und Screenshots) noch etliche Games von Drittanbietern in den Regalen. Jede Menge Nachschub findet dann ab März seinen Weg nach Österreich - laut Sony sollen sich schon bald bis zu 650 Titel im PS Store tummeln.
Weitere PS-Vita-Games im Test gibt's demnächst auf krone.at/spiele-tests.
Für die Wifi-Version der Konsole hat Sony eine unverbindliche Preisempfehlung von 250 Euro ausgegeben, die 3G-Variante (ohne Simlock) wird mit empfohlenen 320 Euro zu Buche schlagen. Die Preise für aktuelle Top-Titel liegen allesamt bei rund 50 Euro.
Fazit: Die PS Vita beansprucht vom Start weg für sich, beinahe allen Ansprüchen zu genügen. Beeindrucken kann die mobile Konsole dabei besonders mit der Grafikleistung, die bei den hauseigenen Titeln voll zur Geltung kommt. Dennoch fehlt es dem Display gerade bei Bildern mit hohem Schwarzanteil ein wenig an Strahlkraft. Knifflig für Ein- bzw. Umsteiger ist die Steuerung, die angesichts der vielfältigen Möglichkeiten oft filigran in der Bedienung ist und so manchen Fingerkrampf hervorruft.
Bei einem recht stolzen Anschaffungspreis und dem Zwang zum Erwerb sonyspezifischer (Speicher-)Kartenformate dürfte die Zielgruppe jene der passionierten mobilen Zocker sein. Dafür erhält man dann allerdings auch eine Konsole, die hinsichtlich Steuerung und Funktionsumfang ihresgleichen vergeblich sucht, deren Potenzial allerdings noch nicht voll ausgeschöpft wird. Anders gesagt: Für leidenschaftliche Spieler mit hohen Ansprüchen und Mut zu modernen Bedienungslösungen ist die PS Vita ein unverzichtbares Gimmick, das auch für künftige Anforderungen noch jede Menge Pfeffer in den Slots hat.
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