Jeder eingeschworene Potter- Fan weiß, dass es in der Buchvorlage an Stories und Handlungssträngen nicht mangelt. Im Spiel konzentriert man sich jedoch vor allem auf den Haupthandlungsstrang, der dann in kurzen, mitunter emotionslosen Sequenzen zwischen den Mini- Games abgehandelt wird. Wenn etwa Harry seine neue Liebe Ginny Weasley aus einem Flammenmeer befreit, die Gerettete dafür jedoch nur ein ausdrucksloses "Danke, Harry" über ihre unbeweglichen Lippen bringt, dann fällt einem vor Langeweile fast selbst der Controller aus der Hand.
Andererseits hat man ja auf dem Hogwarts- Gelände ja einiges zu tun, gilt es doch jede Menge kleine und große Wappen zu finden und einzusammeln. Das hat zwar eigentlich nicht recht viel Sinn, weil auch manche freischaltbaren Updates nicht zum Spielfortschritt notwendig sind, bringt jedoch zumindest etwas "Abwechslung" in den Zauberschüler- Alltag.
Zwischen den einzelnen Film- Sequenzen sind immer wieder dieselben Mini- Games zu absolvieren, um die Geschichte voranzutreiben. Dafür muss das ganze Schloss abgewandert werden, da natürlich der Duellierclub an einen anderen Ort stattfindet als zum Beispiel der Zaubertrank- Club im Gewächshaus. Das mag anfangs noch ganz lustig sein, weil Hogwarts wirklich frei zugänglich ist und zu Entdeckungstouren einlädt, wirkt auf Dauer aber eher als Lückenfüller. Zum Glück kann man hierbei auf die Hilfe des Kopflosen Nick zählen, der einen bei Bedarf und räumlicher Verwirrung stets von einem Ort zum anderen geleitet.
Worum geht es jetzt bei den Mini- Spielen? Zuerst einmal darf man selbst Hand an den Zauberkessel legen und durch Beigabe von vielen Zutaten, durch schnelles Rühren und durch Erhitzen des Kessels mit dem rechten Analog- Stick Zaubertränke herstellen. Das erfordert anfangs etwas Geschick und Übung, da diese Zauberei auch zeitlich begrenzt ist. Hat man den Bogen jedoch erst einmal heraus, hält sich die Herausforderung trotz geringfügiger Anhebung des Schwierigkeitsgrades im weiteren Spielverlauf in Grenzen.
Optisch können die Zauberduelle am meisten überzeugen. Hierbei gilt es seinen Konkurrenten im Club oder eben angriffslustige Slytherins zu besiegen. Dazu steht leider nicht gerade viel Zauber- Action zur Auswahl (fünf Angriffszauber, ein Schutzzauber) und man fragt sich, wozu man hierfür so viele Jahre in Hogwarts studieren muss. Die Ausführung der Zaubersprüche ist auf die Controller- Sticks beschränkt, was nicht immer einer leichten Handhabung entspricht, so dass manche Tricks letztlich in einem anderen Zauber enden. Probleme entstehen dem Spieler daraus allerdings keine, da die Gegner ohnehin kaum Widerstand leisten und eigentlich so gut wie immer mit einem einzigen gut getimten HexHex ("Expelliarmus") besiegt werden können.
Natürlich darf bei keinem Potter- Spiel das Quidditch- Turnier fehlen. Auch hier mangelt es leider an Abwechslung und Steuerungsmöglichkeiten. Die einzige Kunst besteht darin, dem Schnatz hinterher zu jagen, indem man durch große Sterne fliegt, die für gehörigen Schub sorgen und Harry damit immer näher an das begehrte Goldstück heranführen. Soweit so unspannend.
Fazit: Eine handvoll Mini- Games und viel Laufarbeit: Leider ist der sechste Teil der "Harry Potter"- Saga nur ein durchschnittliches Adventure geworden, das zwar die besondere Atmosphäre der Zauberschule Hogwarts gut eingefangen hat, andererseits aber auch nur platte Dialoge und eine uninspiriert erzählte Geschichte bei sehr kurzer Spieldauer bieten kann. Darüber hinaus bleibt auch die grafische Darbietung hinter den Erwartungen und gewohnten Standards der PlayStation zurück. Während jüngere Spieler an "Harry Potter und der Halbblutprinz" durchaus Gefallen finden dürften, vermissen ältere Semester die Action und auch Abwechslung.
Plattform: PS3 (getestet), Xbox 360, PC, Wii, DS, PS2, PSP
Publisher: Electronic Arts
krone.at- Wertung: 5/10
von Sebastian Räuchle