Die Arbeit beginnt bereits vor dem Spielen, wenn es den Couchtisch (ebenfalls schwedischer Abstammung) aus dem Weg zu räumen gilt. Die PlayStation-Eye-Cam, welche die Bewegungen der Motion-Controller genannten Leuchtstäbe erfasst und meine Bewegungen so ins Spielgeschehen überträgt, muss mich schließlich ins Bild kriegen, und das möglichst in voller Länge. Der empfohlene Abstand zwischen Spieler und Fernsehgerät beträgt bei vielen Titeln 2,5 Meter – wer die nicht hat, dürfte sich beim Ganzkörpergaming schwer tun.
Erst die Kalibrierung, dann das Vergnügen
Lage- und Beschleunigungssensoren im Inneren des Motion-Controllers verraten der Konsole zwar, wie schnell beispielsweise ein virtueller Tischtennisschläger geschwungen und um wie viel Grad dieser in welche Richtung geneigt gehalten wird, doch ohne die dank LED mannigfaltig bunt leuchtende Gummikugel des Motion-Controllers befindet sich das System im Blindflug. Vor jedem Spielbeginn heißt es daher, den Motion-Controller zu kalibrieren, indem man entweder auf die Kamera zielt oder die Leuchtkugel nacheinander auf Schulterhöhe, zum Bauchnabel und senkrecht in Richtung Fußboden richtet.
Ein Vorgang, der sich bei steigender Spieleranzahl entsprechend wiederholt, werden doch die unterschiedlichen Körpergrößen der Spieler von der Software berücksichtigt. Es schadet also nicht, der Kalibrierung eine gewisse Ernsthaftigkeit entgegenzubringen, will man sich späteren Spielfrust ersparen. Ist diese Hürde jedoch bewältigt, dankt es PlayStation Move dem Spieler mit einer Exaktheit, die derzeit ihresgleichen sucht und selbst Nintendos Wii-Motion-Plus alt aussehen lässt.
Präzision birgt neue Herausforderungen
Diese Präzision, mit der Bewegungen im Raum erfasst werden, birgt jedoch auch neue Herausforderungen, die Spielern bislang unbekannt waren. Etwa beim Golfen mit EA Sports "Tiger Woods PGA Tour 11", wenn der Schläger nicht nur wie bislang lediglich kraftvoll durchgeschwungen werden muss, sondern den Ball auch tatsächlich treffen sollte, und das möglichst ohne dabei das Handgelenk zu verdrehen und den Ball versehentlich auf die schiefe Bahn zu bringen. Oder beim Tischtennis in Sonys Starttitel "Sports Champions", wenn jede noch so kleine Änderung der Handgelenksstellung darüber entscheidet, ob der Ball scharf angeschnitten wird oder als hoher Lob noch vor dem Netz auf der eigenen Spielhälfte zum Liegen kommt.
Dass die dritte Dimension so ihre Tücken hat, erlebe ich auch bei "Tumble" am eigenen Leib. Eine Demoversion des "Boom Blox"-Verschnitts liegt dem aus Motion-Controller, Eye-Cam und Demo-Disc bestehendem "Starter Pack" zur neuen Bewegungssteuerung bei und verlangt das präzise Aufeinanderstapeln virtueller Bauklötzchen. In anderen Spiele, beispielsweise Sonys Railgun-Shooter "The Shoot", fungiert der Controller lediglich als Zeigegerät und erlaubt es mir, als schießwütiger Schauspieler in diversen Filmkulissen virtuelle Bösewichte aufs Korn zu nehmen.
Bewegungssteuerung trifft auf HD-Optik
Auch wenn ähnliches seit nun mehr fast vier Jahren schon auf der Wii geboten wird, machen selbst diese vergleichsweise simplen Move-Einsätze großen Spaß. Warum? Weil mit dem Sony-System nun endlich Bewegungssteuerung und HD-Grafik aufeinandertreffen. Anders gesagt: Es sieht schlichtweg besser aus als bei der Konkurrenz. Letzten Endes entscheiden aber natürlich die Spiele über den Erfolg von Sonys Move. Zum Launch am Mittwoch bringt der Hersteller neben "Sports Champions", in dem Gamer sich unter anderem in den Disziplinen Tischtennis, Schwertkampf, Bogenschießen oder Boccia versuchen können, etwa den Bürosessel-Arcade-Racer "Kung Fu Rider" sowie "Start the Party" auf den Markt.
Ganz in der Tradition der alten "EyeToy"-Spiele stehend, bietet letzteres eine Sammlung amüsanter Mini-Games, in welchen der Spieler dank Augmented Reality selbst Teil des Spiels wird, um beispielsweise mit einer Fliegenklatsche auf Insektenjagd zu gehen oder mittels Taschenlampe Geister zu jagen. Besonders spaßig daran ist nicht nur der skurrile Humor, sondern auch die Tatsache, dass das Spiel teilweise vom Mikrofon der Eye-Cam Gebrauch macht. Fast schon schade, dass das eher grobpixelige Kamerabild im Vergleich zur hochauflösenden Ingame-Grafik dabei etwas altbacken aussieht.
Das kostet die Bewegungssteuerung
Stellt sich abschließend nur noch die Frage nach dem Preis: Wer noch keine PS3 sein eigen nennt, bekommt Move im Bundle mit einer 320-GB-Konsole um rund 350 Euro. Wer hingegen bereits glücklicher PS3-Besitzer ist, erhält für 65 Euro mit dem "Starter Pack" die Grundausstattung geliefert. Da ein Controller alleine zumeist jedoch nicht ausreicht, sei es zum Spielen mit Freunden oder weil man etwa bei "Sports Champions" mit der einen Hand das Schwert und der anderen das Schild steuern möchte, bietet Sony den Motion-Controller auch separat für knapp 40 Euro an. Gleiches gilt für den Navigationscontroller, dem Gegenstück zu Nintendos Nunchuk. Der Controller für die zweite Hand ist für 30 Euro zu haben, wird vorerst jedoch nicht benötigt und dürfte erst bei komplexeren Titeln, die im Laufe der nächsten Monate folgen sollen, zum Einsatz kommen.
Fazit: PlayStation Move führt konsequent fort, was Nintendo 2006 mit seiner Wii begonnen hat und toppt das bereits bekannte Spielprinzip mit einer beeindruckend exakten und präzisen Steuerung sowie hochauflösender Optik. Um in den Genuss dieser Vorzüge zu kommen und um Spielfrust zu vermeiden, bedarf es jedoch vor jedem Spielantritt einer sorgfältigen Kalibrierung. Bleibt nur noch abzuwarten, wie exakt Microsofts Mitte November kommendes Konkurrenzprodukt Kinect auf Eingabebefehle reagiert. Dann entscheidet sich auch, ob es für den ultimativen Spielgenuss wirklich Knöpfe braucht oder nicht.
von Sebastian Räuchle
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