PS3-Leistungsschau

EyeToy-Schöpfer zeigte in Wien, was “Move” alles kann

Spiele
14.07.2010 15:03
Sich bei gefühlten 50 Grad Außentemperatur in ein nicht klimatisiertes Lokal voller Menschen und Watt-starker Scheinwerfer zu begeben, ist gewagt. Darin allerdings noch Sonys "Move" auszuprobieren, grenzt an jugendlichen Leichtsinn. Doch der schweißtreibende Ausflug lohnte sich, präsentierte bei der Österreich-Premiere der Bewegungssteuerung am Dienstag in Wien doch niemand Geringeres als EyeToy-Schöpfer Richard Marks die Vorzüge des Mitte September für die PS3 erscheinenden Systems.

Während seiner gut einstündigen Tech-Demo zeigte der studierte Luftfahrtelektroniker und Robotik-Experte, der maßgeblich an der Entwicklung der neuen "Move"-Controller beteiligt war, nicht nur, wie präzise und exakt die neue Steuerung Bewegungen auf den Bildschirm transportiert – und das latenzfrei und dank Leuchtkugel auch im Dunkeln. Im Vordergrund standen diesmal vielmehr - wie Marks es nannte - "exotischere Ideen", die zeigen sollten, was sich mit "Move" alles anstellen lässt.

Virtuelle Kreativ-Werkstatt
Eine denkbar naheliegende Anwendungsmöglichkeit: als Pinsel zum Malen. Die Besonderheit dabei: Mit Hilfe der Triggertaste am Controller lässt sich die Pinselstärke verändern, vom dick aufgetragenen Klecks bis zu einer feinen Linie. Dank des im Controller verbauten dreichachsigen Kreisels erkennt "Move" jedoch auch die exakte Ausrichtung des "Pinsels" im Raum, sodass sich Geübte selbst in aufwändiger Bildschirm-Kalligraphie üben können. Ein LED-Lämpchen, welches sich unter der Gummihülle der Leuchtkugel versteckt, nimmt dabei praktischerweise den zum Malen bzw. Schreiben gewählten Farbton an.

Doch auch Skulpturen lassen sich erstellen, wie Marks mittels zweier Motion-Controller demonstrierte. Während der eine als virtueller Marmorblock fungierte, diente der andere als eine Art Meisel, mit dem sich Teile des Marmorblocks durch einfaches Drehen des Handgelenks wegdrechseln ließen. Auch die Gesichtspartien eines Avatars formte der Sony-Forscher so um und veranschaulichte damit, was möglicherweise für Rollenspieler schon bald zur Realität wird: sich seinen Spielhelden frei nach den eigenen Vorlieben zu formen, ohne dabei auf vorgefertigte Nasen, Ohren und ähnliches zurückgreifen zu müssen.

Beherrscht auch Multitouch
Das von iPhone und Co bekannte Multitouch beherrscht "Move" ebenfalls. Durch das voneinander Wegbewegen der Controller entrollte Marks zum Beispiel eine (virtuelle) Karte, die sich dank räumlicher Erkennung auch wie eine solche verbiegen ließ. "Stellen Sie sich ein Rollenspiel vor, bei dem Sie eine Karte wie eine echte aufrollen", nannte Marks ein Anwendungsbeispiel, und zeigte wenig später, wie sich mittels "Move" auch Feuerbälle heraufbeschwören und durch anschließendes Wegstoßen beider Arme verschießen lassen. Ein Feature, das möglicherweise in Sonys auf der E3 in Los Angeles angekündigtem Spiel "Sorcery" Verwendung finden könnte.

Als Chamäleon durch den Dschungel
Dass es noch experimenteller geht, bewies Marks gegen Ende seiner "Move"-Leistungsschau: Als virtuelles Chamäleon bewegte er abwechselnd beide Arme, um das Reptil Schritt für Schritt entlang eines Astes wandern zu lassen. Besonderer Schmäh: Mit dem einen Controller in der rechten und dem anderen in der linken Hand, steuerte Marks unabhängig voneinander die beiden Augen des Tieres, wodurch sich ganz neue Blickwinkel und Herausforderungen (Stichwort: Gefahr aus dem Hinterhalt) für den Spieler ergeben.

Was die Spieleentwickler mit den von Marks und seinem Team zur Verfügung gestellten Werkzeugen tatsächlich in ihre Spiele einbinden, bleibt abzuwarten. Schon jetzt ist allerdings klar, dass "Move" dem Spieler jede Menge neuer Erfahrungen bescheren wird, und zwar mit einer Präzision – das machte Marks' Demo mehr als deutlich -, die bestechend ist.

von Sebastian Räuchle

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