Computerspielsucht

Chinese lebte sechs Jahre lang im Internetcafé

Web
28.03.2013 09:23
Dass Computerspielsucht in Asien inzwischen zu einem ernst zu nehmenden Problem geworden ist, zeigt ein aktueller Fall aus China. Einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge soll dort ein Mann sechs Jahre lang in einem Internetcafé gelebt haben. Tagsüber habe er in dem Café geschlafen und nachts am Computer gespielt und sich damit sein Einkommen gesichert.

Der junge Chinese namens Li Meng aus Changchun im Nordosten Chinas habe das Café nur verlassen, um Essen zu holen oder gelegentlich zu duschen. Selbst zum Neujahrsfest sei er im Internetcafé geblieben, so dessen Besitzer. Für das Café gehörte der Mann demnach fast schon zum Inventar. Seine Gegenwart sei praktisch niemandem mehr aufgefallen, mit anderen Besuchern habe er nie gesprochen.

Seinen Lebensunterhalt verdiente Meng, der dem Bericht nach schon länger keinen Friseur mehr aufgesucht hat, mit Internetspielen. Jeden Monat habe er damit rund 2.000 Renminbi (etwa 250 Euro) verdient, ein Viertel davon sei als "Miete" an den Besitzer des Internetcafés geflossen. An die Öffentlichkeit gelangte der Fall durch einen Psychologieprofessor der Universität Jilin, der damit auf das zunehmende Problem der Onlinespielsucht aufmerksam machen möchte.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufungen auf das chinesische Internet Network Information Center berichtet, zocken rund 330 Millionen der 1,3 Milliarden Chinesen im Internet, 150 Millionen davon sind jünger als 19 Jahre. Inzwischen habe sich daraus ein florierender Wirtschaftszweig entwickelt, so die "SZ". Demnach sollen allein im ersten Halbjahr 2012 umgerechnet rund 3,1 Milliarden Euro in Internetspielen umgesetzt worden sein.

Nachdem es in der Vergangenheit in China und anderen asiatischen Ländern immer wieder zu Zusammenbrüchen und sogar Todesfällen total erschöpfter und ausgehungerter Spieler gekommen ist, gibt es inzwischen regelrechte Boot-Camps, in denen den Süchtigen durch militärischen Drill die Abhängigkeit ausgetrieben werden soll.

In unseren Breiten hält sich das Problem laut einer repräsentativen Studie der Landesanstalt für Medien NRW in Deutschland zum Thema Computerspielsucht noch in Grenzen (siehe Infobox). Demnach sind "nur" 0,5 Prozent aller Computerspieler "abhängig", weitere 0,9 Prozent gelten als gefährdet. Durchschnittlich spielen Jugendliche ab 14 Jahren etwa 6,25 Stunden pro Woche, 17 Prozent von ihnen lassen sich als "extensive Spieler" bezeichnen, die im Durchschnitt mehr als 90 Minuten pro Tag mit Computerspielen verbringen. Unter ihnen seien Männer sowie Jugendliche und junge Erwachsene (14 bis 29 Jahre) überproportional vertreten.

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