Neue Soldaten

Aufgestockt: USA bereiten sich auf Cyberkrieg vor

Web
10.06.2013 09:52
Einst verbesserte US-Präsident Dwight D. Eisenhower auf dem ehemaligen Militärgolfplatz in Fort Meade sein Handicap - heute entsteht hier im Bundesstaat Maryland vor den Toren Washingtons für 358 Millionen Dollar (knapp 273 Millionen Euro) das neue Hauptquartier des Kommandos für die virtuelle Kriegsführung der USA. Bis 2015 sollen 3.000 bis 4.000 neue Cybersoldaten angeworben und ausgebildet werden, wodurch sich deren Gesamtzahl mehr als vervierfacht. Das Hauptaugenmerk soll auf der Abwehr von Hackerangriffen liegen, zunehmend sollen aber auch die eigenen Angriffsfähigkeiten ausgebaut werden.

Seit Jahren warnen Regierungsvertreter und Experten vor den Gefahren für US-Computernetze durch Hacker und kriminelle Gruppen, aber auch durch Staaten wie China, Russland und den Iran. Insbesondere China wird vorgeworfen, durch Cyberspionage seine Streitkräfte modernisieren zu wollen. 

So sollen chinesische Hacker in den vergangenen Jahren Kenntnisse über mehr als ein Dutzend wichtiger Waffensysteme erschlichen haben. Anfang des Jahres beschuldigte die US-Sicherheitsfirma Mandiant eine geheime chinesische Militärabteilung, hinter einem Hackerangriff zu stehen, bei dem Daten von Hundert US-Unternehmen geklaut wurden.

Sorge vor aggressiver Militärspionage wächst
Die Sorge vor einer immer aggressiveren Militärspionage, bei der letztlich die Schädigung oder gar Zerstörung von militärischen Systemen, von Strom- und Finanznetzen oder des Luftverkehrs in den Mittelpunkt rücken könnte, wächst. Die US-Strategen arbeiten daher verstärkt daran, auf Angriffe mit Gegenschlägen zu reagieren und den Cyberkrieg zum integralen Bestandteil der allgemeinen Kriegsführungsstrategie zu machen. 

Viel Spielraum für Offensiv-Aktionen
Dabei geht es nach Ansicht von Experten nicht nur wie behauptet um Gegenschläge, sondern auch um eigene Offensiv-Aktionen, wie "Stuxnet". Durch das zusammen mit Israel entwickelte Virus wurde der iranischen Urananreicherungsanlage in Natans und dem Atomprogramm der islamischen Republik großer Schaden zugefügt. Viren stellen aber nur ein Szenario von vielen dar. So könnte es auch darum gehen, sich in die Kommandozentralen anderer Länder einzuklinken, um deren militärische Kommunikation und Luftabwehr zu schwächen. Damit US-Kampfflugzeuge nicht entdeckt werden, ließen sich etwa die Radarschirme des Gegners manipulieren.

Neue Regeln für Cyberangriffe weitgehend fertig
Nach Ansicht des ehemaligen Heimatschutzministers Michael Chertoff müssen die USA noch abschließend klären, ab wann ein Cyberangriff die Schwelle zum Kriegsakt überschreitet. Neue Regeln zur Abwehr von Cyberangriffen sind nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters weitgehend fertig - sie müssen nur noch von Verteidigungsminister Chuck Hagel unterzeichnet werden. 

Mittel für Cyberkrieg aufgestockt
Welche Priorität dem neuen Bereich eingeräumt wird, macht ein Blick in die Haushaltsplanung für 2014 deutlich: Während das Verteidigungsressort insgesamt Kürzungen von 3,9 Milliarden Dollar zu verkraften hat, wurden die Mittel für den Cyberkrieg um 800 Millionen Dollar auf 4,7 Milliarden Dollar aufgestockt.

"Katz- und Mausspiel"
Dennoch dürften die neuen Cyber-Command-Teams nach Einschätzung von Insidern nicht vor 2016 voll einsatzfähig sein. Dies habe zum einen mit der Militärbürokratie zu tun, zum anderen mit der komplexen Ausbildung, die mehrere Jahre dauern könne. Nach Ansicht von Ex-General Michael Hayden ist die Aufklärung in der Cyberwelt "fast schwerer als der eigentliche Angriff." 

Die Herausforderung sei, nicht nur in das Netz einzudringen, sondern dort auch unerkannt zu bleiben. "Cybersicherheit ist ein Katz- und Mausspiel", ergänzt Experte Raphael Mudge. "Das kann nicht beigebracht werden, das muss wachsen. Es gibt zu wenige, die das können."

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