"Darksiders II" überrascht gleich zu Beginn - denn obwohl es sich um eine Fortsetzung handelt, spielt diese zeitgleich zu den Ereignissen des ersten Teils (siehe Infobox). Der Protagonist ist jedoch ein anderer: Statt Krieg, einem der vier apokalyptischen Reiter, dem das Heraufbeschwören der Apokalypse angehängt wurde, schlüpfen Gamer diesmal in die Rolle von Gevatter Tod. Dieser ist von der Unschuld seines apokalyptischen Reiter-Kollegens so überzeugt, dass er sich selber aufmacht, dessen Unschuld zu beweisen.
Tod entdeckt den Spaß an der Bewegung
Anders als Krieg entpuppt sich Tod dabei als wesentlich agiler. Der Sensenmann kämpft nicht nur schneller (blocken kann er nicht, dafür aber ausweichen), sondern verfügt vor allem über zahlreiche neue Bewegungen, die es ihm etwa erlauben, an Wänden entlang zu laufen oder Säulen hochzuklettern. Gewisse Ähnlichkeiten zu "Prince of Persia" sind dabei nicht von der Hand zu weisen, dem Mix aus Hack'n'Slay, Rollenspiel und Adventure steht die zusätzliche Komponente dennoch überaus gut.
Wenn Tod nicht springt, kraxelt oder mit seinem Ross namens Verzweiflung durch die von Comiczeichner Joe Mad liebevoll gestalteten Landschaften reitet, dann steckt er meist in einem der zahlreichen Dungeons, die nebst verzwackten Schalter- und Kombinationsrätseln auch wieder allerlei Gegner beherbergen. Zu Leibe rückt diesen Tod vorwiegend mit seiner Doppelsense, deren Form sich im Kampf auch verändern lässt, um etwa als Wurfwaffe zu fungieren.
Beute ohne Ende
Darüber hinaus warten auf Tod unzählige weitere Prügel, führt "Darksiders II" doch ein Loot-System ein: Wer dem apokalyptischen Reiter zum Opfer fällt, hinterlässt nicht nur Hämmer, Keulen oder Äxte, sondern beispielsweise auch Tränke und Rüstungsgegenstände. Diese können, wie bei Rollenspielen üblich, verkauft und zu einem gewissen Grad auch aufgerüstet werden. Darüber hinaus lassen sich Items, die nicht mehr benötigt werden, an dafür vorgesehen Altären online mit Freunden tauschen.
Das ist insofern praktisch, da die Verteilung der Gegenstände im Spiel zufallsgeneriert ist, was zugleich den Wiederspielwert erhöht. Ebenfalls praktisch ist, dass bereits beim Aufheben für den Spieler ersichtlich ist, wie gut oder schlecht eine Waffe bzw. ein Rüstungsgegenstand ist. Eine zusätzliche Hilfe bei der Beurteilung der Wertigkeit von Items bietet das Inventar, in dem diese gemäß ihres Seltenheitswerts sortiert werden.
Neue Fähigkeiten freischalten
Zu den seltensten Gegenständen gehören wohl die sogenannten besessenen Waffen. Sie verschlingen Gegenstände, die ihnen geopfert wurden, und werden dadurch nächtiger. Abhängig davon, welche Items an sie verfüttert werden, können diese Waffen sogar in ihrer Stufe aufsteigen. Gleiches gilt für Tod: Hat er ausreichend Erfahrungspunkte gesammelt, steigt er in der Stufe auf und erhöht damit seine Grundwerte. Darüber hinaus erhält er Fähigkeitenpunkte, die sich auf zwei Fertigkeitenbäume verteilen lassen: einen für kriegerische (neue Schläge, zusätzlicher Schaden, etc.) und einen für magische Fähigkeiten (Tote auferstehen, Schutzschild und ähnliches).
Für zusätzliche Abwechslung sollen weitere Ausrüstungsgegenstände und Fähigkeiten sorgen, die Tod im Verlauf des Spiels erhält, darunter etwa der Todesgriff (eine Art Wurfleine) oder der Seelenteiler. Dieser erlaubt es Tod, sich aufzuteilen und an zwei Orten gleichzeitig zu sein, was insbesondere zur Bewältigung diverser Rätsel vonnöten sein soll. Letzteres gilt auch für den sogenannten Leerläufer, der es Tod ermöglicht, zwei Portale zu erzeugen, um zu zuvor unerreichbaren Gegenden zu gelangen – Valves "Portal" lässt grüßen.
Optionale Nebenquests
Dass dem Spieler nicht fad wird, dafür sollen während der locker über 20 Stunden währenden Kampagne auch erstmals optionale Nebenquests sorgen, die sich mitunter erst durch das Gespräch mit bestimmten Charakteren auftun. Auch hierbei gibt es eine kleine Neuerung, führt THQ mit "Darksiders II" doch ein – wenn auch dem ersten Anschein nach eher simples – Dialogsystem ein. Zuzuhören lohnt sich also, nicht zuletzt wegen der sehr guten englischen Synchronisation. So wird Tod im Englischen etwa von Michael Wincott gesprochen, den man hierzulande beispielsweise als Guy von Gisborne aus der Robin-Hood-Verfilmung "König der Diebe" mit Kevin Costner kennt.
Fazit: Für ein endgültiges Resümee ist es nach nur einer Stunde Spielzeit noch zu früh. Mit Gewissheit sagen lässt sich aber, dass es selbst nach dieser kurzen Zeit bereits schwer fiel, den Controller wieder aus der Hand zu legen. Denn ob man nun metzelt, kraxelt oder rätselt: "Darksiders II" spricht den Spieler auf so vielen verschiedenen Ebenen an, dass es wohl kaum langweilig werden dürfte. Dass viele der Gameplay-Elemente aus anderen Titeln entlehnt zu sein scheinen, tut der Freude keinen Abbruch: Dank interessanten Charakteren, einer spannenden Story und der prächtigen Comic-Optik wirkt der THQ-Titel absolut eigenständig. Den 17. August sollten sich Fans und Fantasy-Freunde daher schon einmal dick im Kalender anstreichen.
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