Explosive und epische Momente, wie man sie aus "den größten Hollywood-Action-Blockbustern" kennt, sowie "eine packende Story mit überraschenden Wendungen" verspricht "Army of Two: The Devil's Cartel" und behält damit teilweise sogar recht. Action gibt es in der Tat reichlich, und eine Story mit Wendungen auch, nur ist diese weder sonderlich packend noch – mit vielleicht einer Ausnahme gegen Ende der rund siebenstündigen Kampagne – sehr überraschend.
Ihren Anfang (und auch ihren Ausgang) nimmt die Geschichte in Mexiko, wo sich ein schwer bewachter Konvoi von Autos durch die engen Straßen einer Stadt schlängelt. In einem der Fahrzeuge sitzend: ein hochrangiger Politiker. Die Kamera zoomt hinaus, gibt den Blick auf die umliegenden Dächer frei und siehe da – damit hätte wohl nun niemand gerechnet: ein Hinterhalt.
Verantwortlich für diesen zeichnet ein Drogenkartell, dem die beiden neuen Protagonisten des Spiels, Alpha und Bravo genannt, fortan mit schlechtem Witz und viel Blei zu Leibe rücken. So einfach und schlicht ihre Namen, so oberflächlich verläuft leider auch die charakterliche Entwicklung der beiden: Bis auf ein paar markige Sager erfährt man nur wenig von den frischgebackenen Söldnerseelen, welche die aus Vorgängern bekannten Haudegen Salem und Rios die meiste Zeit über zu Nebendarstellern deklassieren.
Als Zwei-Mann-Armee durch Mexiko
Aber erzählerischer Tiefgang war, wie bereits eingangs erwähnt, ja noch nie das Aushängeschild der Serie. "Devil's Cartel" setzt den Schwerpunkt einmal mehr auf bleihaltige Action und hat damit durchaus Erfolg. Im Doppelgespann geht es als Zwei-Mann-Armee über nett in Szene gesetzte Schauplätze wie einen Marktplatz, ein Urlaubsresort oder einen Friedhof, die sich allesamt dadurch auszeichnen, dass sie sich in Schutt und Asche legen lassen.
Der totale "Overkill"
"Overkill" heißt dabei das Zauberwort, eine Art Berserker-Modus, der die Protagonisten kurzzeitig unverwundbar und ohne Auswirkung auf den tatsächlichen Munitionsvorrat zerstörerischer macht. Aktiviert wird der "Overkill" laut Hersteller durch "gemeinsames Vorgehen", wobei für den Spieler leider nie so ganz ersichtlich ist, was damit eigentlich gemeint ist und welche Aktionen im Hintergrund wie gewertet werden.
Hübsch anzusehen ist der Zeitlupen-Baller-Effekt aber allemal, auch wenn er nicht zwingend notwendig ist. Aufgrund der eher einfach gestrickten KI der Gegner müssen Alpha und Bravo die meiste Zeit über nur warten, bis ihnen der nächste Gangster vor die Flinte springt. Je öfter dies der Fall ist, umso praller füllt sich das eigene Konto, mit dem sich dann wiederum unter anderem die eigenen Schießprügel oder die für das Spiel so typischen Masken "pimpen" lassen.
Allein zu zweit
Abgesehen davon hat "Devil's Cartel" in Sachen Gameplay nur wenig zu bieten und verläuft sehr geradlinig. Auch der von EA viel beschworene Fokus auf kooperatives Gameplay entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Makulatur. Bis auf gelegentliches gemeinsames Aufbrechen einer Tür inklusive anschließendem Geballer oder das bekannte Räuberleiter-Spiel, bei dem einer dem anderen über eine Mauer verhilft, gibt es nur wenige Situationen, die wirklich kooperativ bewältigt werden müssten.
Die von Zeit zu Zeit vom Spiel unterbreiteten Wahlmöglichkeiten, bei denen es sich zwischen zwei Vorgehensweisen zu entscheiden gilt, bedeuten zumeist lediglich, dass der Partner die jeweils andere Route/Aufgabe übernimmt, ohne dass sich dies auf das eigene Tun großartig ausüben würde. Vereinzelt gibt es sie dann aber glücklicherweise doch noch, die echte Zusammenarbeit: Etwa wenn einer im dunklen Keller die Taschenlampe hält, um dem anderen das Ziel zu leuchten, oder wenn der eine auf dem Boden kämpft und der andere Unterstützung aus der Luft gibt.
Den größten Spaß bereiten diese Momente naturgemäß mit einem zweiten Mitspieler, was wahlweise via Internet oder per Splitscreen vor einer Konsole möglich ist. Darüber hinausgehende Möglichkeiten für Mehrspieler-Freunde bietet "Army of Two: The Devil's Cartel" nicht.
Fazit: Der große Blockbuster ist "Army of Two: The Devil's Cartel" nicht geworden – dafür fehlt es dem Shooter an zu vielen Ecken und Enden am nötigen Feinschliff. Dem Spiel trotz fehlenden Tiefgangs jeglichen Unterhaltungswert abzusprechen, wäre aber falsch. Am ehesten vergleichen lässt sich der Titel wohl mit dem Actionkino der 80er-Jahre bzw. Sylvester Stallones Hommage an dieses mit "The Expendables": Hohle Charaktere, dümmliche Dialoge, aber genug Wumms, um über ein paar Stunden hinweg ordentlich bei Laune gehalten zu werden.
Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3
Publisher: Electronic Arts
krone.at-Wertung: 6/10
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