Ganz nach dem Motto „Je härter die Zeiten, desto weicher die Teppiche“ begann vor rund drei Jahren – ziemlich gleichzeitig mit dem Beginn der Wirtschaftskrise – der Siegeszug der hochflorigen Teppiche als wohnlicher Weichspüler für die kalte Jahreszeit.
Einrichtungsdesigner und auch Produzenten setzten dabei allerdings in erster Linie auf die modernen Kunststofffaserteppiche in allen Formen und Varianten. Heute steht vor allem ein Sieger dieses Trends fest, mit dem kaum jemand gerechnet hatte: Original- Flokatis, die durch die neuen Langflorteppiche eigentlich endgültig abgelöst werden sollten, haben sich durchgesetzt und sind vor allem bei Jugendlichen beliebter denn je. Plus: Den naturbelassenen und schadstoffarmen Hirtenteppich aus den Bergen Griechenlands gibt es mittlerweile in vielen Farben, Formen und Verarbeitungen.
Beim Original- Flokati handelt es sich um einen schaffellähnlichen, besonders weichen und flauschigen Langflorteppich aus Wolle. Sein Vorbild ist der einst von den griechischen Schäfern zum Schutz gegen Nässe, Kälte und Hochwind auf den Hochweiden getragene ärmellose Umhang.
Auch heute sind die meisten Flokatis „Natur pur“ und werden in einem sehr aufwendigen, mehrstufigen Verfahren in Handarbeit hergestellt. Und das – vor allem in Hinblick auf manuelle Verarbeitung und naturbelassenes Material – zu einem vergleichsweise sehr günstigen Preis.
Flokatis gibt es in verschiedenen Dichten und Höhen. Motto: Je dichter, je höher, desto flauschiger!
Die typischen Flokatis sind rein- weiß, und selbst die kritischsten Einrichtungs- Experten müssen zugeben, dass ein Flokati nicht nur so gut wie zu jedem Einrichtungsstil passt, sondern auch gleichsam im Handumdrehen dem Raum eine ganz besonders edle wie auch gleichermaßen gemütliche Atmosphäre verleiht.
Besonders beliebt sind kleinere Flokatis im Herbst und Winter im Schlafzimmer vor den Betten. Denn gleich beim Aufstehen vermitteln sie ein warmes, geborgenes Gefühl, das den kalten Herbst- oder Wintertag ein wenig freundlicher macht.
Flokatis sind also ein preisgünstiger Blickfang im positivsten Sinn – zumindest solange sie auch wirklich weiß und sauber sind.
Und damit ist man auch schon bei der „Schattenseite“ des zotteligen Teppichs: Flokatis ziehen auf Grund ihrer Struktur Staub fast magisch an. Und so wie auch nur der erste frischgefallene Schnee wirklich schön ist und seinen Charme verliert, wenn er sich schmutzig- grau verfärbt, punktet der Flokati nur dann mit Wohngemütlichkeit, wenn er auch sauber ist. Was im Alltag übrigens gar nicht so leicht zu erreichen ist.
Staubsaugen schadet dem Flokati zwar nicht, reinigt ihn aber aufgrund der langen Faser und Zotteln nicht „porentief“. Besser: Flokatis regelmäßig aufschütteln, was allerdings eine handliche Größe des Teppichs voraussetzt.
Die gute Nachricht: Flokatis kann man auch waschen. Auch hier spielt allerdings die Größe eine wichtige Rolle. Kleine Hirtenteppiche lassen sich relativ gut im geeigneten Schon- Waschprogramm für Wolle (am besten kalt) waschen. Bei größeren Stücken wird es schon schwieriger. Eine Möglichkeit ist es, den Flokati in der Badewanne mit einem sanften Woll- Waschmittel gut einzuweichen und anschließend auszuspülen. Aber Vorsicht: Flokatis – auch die kleinsten – saugen sich extrem mit Wasser voll. Das gewaschene Stück ist nach der Wäsche so schwer, dass bei größeren Formaten kaum eine Person allein den Teppich heben bzw. tragen kann. Auch geeignete Wäscheständer, die diesem Gewicht gewachsen sind, müssen erst einmal gefunden werden.
Achtung: Flokatis dürfen keinesfalls in den Trockner!
Also, wer auf Flokatis steht, beschränkt sich am besten entweder auf kleine Formate, die er notfalls auch miteinander kombinieren und so die gesamte Flokati- Fläche vergrößern kann, oder er übergibt das gute Stück einer professionellen Teppichreinigung zur Wäsche.
Schade und auch nicht umweltfreundlich ist übrigens, dass viele Flokatis heute so günstig sind, dass sie nach Ende der kalten Jahreszeit bequemlichkeitshalber gleich im Müll und nicht bei der Wäsche landen.
Tipp: Flokatis gibt es heute in vielen Farbtönen (die naturbelassene Wolle wird vor der Verarbeitung eingefärbt), die genauso kuschelig wie das weiße Original sind, aber im Alltag natürlich wesentlich pflegeleichter, da leichte Verschmutzungen nicht so stark auffallen.