Gespanntes Warten vor dem Computer, steter Blick auf den magischen Stundenschlag und ganz findige Unternehmen koppelten ihre Online- Systeme zur Sicherheit gleich einmal mit der Weltzeituhr. Zweifellos: Es ging spannend zu bei der Einreichung der Anträge zur Photovoltaik- Anlagenförderung. Und es ging ja auch um viel Geld, in Einzelfällen (je nach Landesförderung und geplanter Anlage) bis zu 18.000 Euro bar auf die Hand. Allerdings, so verärgerte Unternehmer, die für ihre Kunden tätig wurden, das engagierte Einreichfieber währte nur kurz, denn um ca. zehn Uhr stürzte die Förderseite gleich einmal ab und nichts ging mehr.
Fest steht: Die optimistische Aussage der Bundesförderer, dass es 2009 viel entspannter zugehen würde als im Vorjahr (da sollen die Fördermillionen binnen etwas mehr als einer Viertelstunde bereits weg gewesen sein!) hat sich nicht bewahrheitet. Trotz Erhöhung der Fördermittel und angeblicher Vereinfachung der Einreichvorgaben bleiben am Ende des Tages Tausende verärgerte Einreicher zurück. Nur zur Erinnerung: Die offizielle Einreichfrist sollte sich bis zum 30. November 2009 erstrecken. Liegt es also am Fördersystem, das zeitlich terminisierte „Solar- Hypes“ produziert - wie vor allem Unternehmen kritisieren -, oder sind die ÖsterreicherInnen wirklich so heiß auf den Gratis- Strom aus der Sonne?
Ganz allgemein versteht man unter Photovoltaik die direkte Umwandlung von Strahlungsenergie aus der Sonne in elektrische Energie. Diese Umwandlung geschieht mittels spezieller (und teurer!) Solarzellen. Eine PV- Anlage ist ein eigenständiges Kraftwerk, das aus mehreren Komponenten besteht. Das Herzstück dabei sind die Solarzellen, aus denen die Solarmodule aufgebaut sind. Solarzellen bestehen aus verschiedenen Halbleitermaterialien (meist Silizium), deren Besonderheit darin liegt, dass sie ausschließlich bei bestimmten Temperaturen den Strom leiten, wofür sie wiederum eine Energiezufuhr (Licht oder Wärme) benötigen.
Photovoltaik- Technologie gilt weltweit als der große Hoffnungsträger zur umwelt- und klimafreundlichen Stromproduktion. Auch bei Privathaushalten. Rein rechnerisch kann eine auf ca. 25 m² dimensionierte PV- Anlage den Strombedarf eines durchschnittlichen Einfamilienhauses abdecken.
„Einer der größten Irrtümer, dem wir in der Praxis immer wieder begegnen, liegt darin, dass die meisten Privathaushalte glauben, dass sie mit ihrer PV- Anlage von der öffentlichen Stromversorgung unabhängig werden. Das stimmt so nicht“, gibt Fachmann Peter Weiß, Geschäftsführer von SI- Energiesysteme und auf umfassende Gesamtenergielösungen auch in Privathaushalten spezialisiert, zu bedenken. Denn PV- Anlagen produzieren den Strom ja nicht je nach akutem Verbrauch – der Strom muss daher irgendwo gespeichert werden.
Ist also die Anschaffung einer PV- Anlage in der oben genannten Größe mit rund 30.000 Euro noch so halbwegs finanzierbar, so ist die private Stromspeicherung nach derzeitigem Stand für Privathaushalte nicht leistbar. Der mittels PV- Anlage erzeugte Strom wird, so er nicht verbraucht wird, in das öffentliche Netz eingespeist. In der Praxis ergibt sich daraus, vereinfacht ausgedrückt, eine intensive Einkaufs- und Verkaufsbeziehung mit den öffentlichen Stromversorgern. Wie sehr sich das Ganze also rechnet, hängt letztlich von den Abnahmepreisen (durch Gesetze und Verordnungen geregelt) und Einkaufspreisen für diesen Öko- Strom ab. Und da kann die umweltfreundliche Sache für den Konsumenten zumindest finanziell einiges an Attraktivität einbüßen. Gezielte Förderungspolitik, die sich auch auf die Gestaltung der jeweiligen Abnahmepreise erstreckt, spielt daher eine Schlüsselrolle in der Verbreitung der Solarstromerzeugung.
Man kann es ja bekanntlich nicht jedem recht machen. Während also einige der aktuellen Fördervergabe kräftig Applaus zollen, wird das heimische Solarstrom- Fördermodell auch ganz schön heftig kritisiert. Vor allem vonseiten der Anbieter.
„Es ist kein Geheimnis, dass sich der Großteil der PV- Branche ein ähnliches Fördersystem wie in Deutschland wünscht“, gibt auch Peter Weiß offen zu. Dort muss die Anlage vom Betreiber zwar zunächst einmal selbst bezahlt werden, aber mit dem Erwerb der Anlage wird jeder Private schon einmal zum Kleinunternehmer, da er ja Strom verkauft. In der Praxis bedeutet dies, dass die Umsatzsteuer vergütet wird. Zusätzlich gibt es für 20 Jahre fix garantierte Einspeisetarife, die sich für den Betreiber auch rechnen.
„Der große Vorteil eines solchen Systems liegt in der Schaffung eines permanenten und ständigen Anreizes für die Errichtung einer PV- Anlage. Vermieden werden damit solche zeitlich begrenzten Solarstrom- Hypes, wo letztlich dann nur einige zum Zug kommen – der Rest hofft meist darauf, dass es vielleicht im nächsten Jahr klappt. Das ist vor allem für Neubauprojekte mehr als problematisch. Wenn es dann auch keine Landesförderung gibt, verzichten nicht wenige gleich ganz darauf. Auch die Unternehmen sind beim deutschen Fördermodell gleichmäßiger und überschaubarer ausgelastet“, so Weiß.
Österreich hinkt jedenfalls derzeit beim Solarstrom noch kräftig hinterher. So werden etwa in Bayern derzeit ca. 2 Prozent der Stromerzeugung durch PV- Anlagen abgedeckt, in Österreich sind es hingegen nur 0,03 Prozent.