Orchideenpflege

Bescheidene Schönheiten

Wohnkrone News
11.09.2009 13:44
Lange Zeit hindurch galten Orchideen als Inbegriff der Exklusivität im Blütenmeer. Wahre exotische Diven, die nicht nur im Erwerb sehr teuer sind, sondern auch in puncto Pflege alles andere als leicht zufrieden zu stellen sind. Alles heute nicht mehr wahr – sagen die Experten.

„Nichts fasziniert mich so wie Orchideen“, outete sich schon Evolutionsspezialist Charles Darwin als begeisterter Liebhaber der Blumenschönheit. Und bis heute gibt es die „Hardcore-Fans“, die sich in Clubs, bei Ausstellungen und in diversen Foren treffen, nur um über eines zu reden – die Orchidee.

Obwohl die landläufige Bezeichnung „Orchidee“ mehr als verallgemeinernd ist und den Nagel nicht auf den Kopf trifft. Denn weltweit gibt es rund 25.000 verschiedene Arten. Finden sich die meisten davon auch in tropischen bzw. subtropischen Klimagegenden, so haben sich sogar in Alaska oder in Randgebieten der Wüste spezielle Arten entwickelt.

Von der exklusiven Rarität zur Massenpflanze
Ebenfalls heute nicht mehr ganz richtig sind die Exklusivität und der teure Preis von Orchideen. Zwar gibt es einzelne Sorten, deren Preis noch immer in einige Tausend Euros gehen kann – doch das sind die Ausnahmen und längst nicht mehr die Regel.

Orchideen werden heute meist in Labors gezüchtet, „geklont“ – und bevor man hier gegen das Klonen protestiert, sollte man berücksichtigen, dass diese Maßnahme in erster Linie dem Artenschutz gilt. In der freien "Blütenbahn" haben sich die Orchideen übrigens auf Pilzsymbiose spezialisiert, d.h., sie brauchen zur Keimung eine Infektion mit einem Wurzelpilz.

Der beinahe unerschwingliche Preis der ersten Orchideen in Europa, die den Ruf der teuren Exklusivität dieser exotischen Schönheiten begründete, kam vor allem dadurch zustande, dass die Pflanzen direkt aus ihrer Heimat (meist Regenwald) per Schiff zu uns gebracht wurden.

Die Chinesen sind wahrscheinlich die ersten Menschen, die die Orchidee als Zierpflanzen kultiviert haben. Nicht nur ihrer Schönheit wegen, sondern auch aufgrund deren symbolischer Bedeutung: So galten die Orchideen in China als Symbol für Bescheidenheit und Reinheit.

Heute findet man die verbreiteste Art, die Phalaenopsis, schon in Supermärkten und Baumärkten zum Sonderangebotpreis und sie ist eine der meistgekauften Topfpflanzen überhaupt.

Dankbar für richtige Pflege
„Nur Leitungswasser, das mindestens eine Woche gestanden ist und die richtige Temperatur hat“, „unbedingt spezielle Zusatzbeleuchtung“ – solche und ähnliche Tipps haben nicht zuletzt dazu beigetragen, dass Orchideen als in der Pflege besonders anspruchsvoll und schwierig gelten.

Stimmt aber nicht. Denn Orchideen sind schon in ihrer ursprünglichen Heimat meist recht hart im Nehmen und überdies sehr anpassungsfähig.

Besonders die bei uns so verbreitete Phalaenopsis kann bei einfachsten Pflegemaßnahmen monatelang üppig und farbenfroh blühen. In so gut wie jeder Wohnung. Allerdings gilt es – wie bei jeder Pflanze  -, einige einfache Pflegemaßnahmen konsequent zu beachten.

Was Orchideen gar nicht leiden können
Schön und sehr bescheiden in der Pflege, gibt es einige Fehler, die Orchideen so gar nicht mögen und auch nur schwer verzeihen.

Hauptfehler Nummer 1, der schon so manches Blütenleben radikal verkürzt hat, ist das richtige Gießen. Das Wichtigste: Nasse Füße können Orchideen – und zwar alle – nicht leiden. Beim Gießen ist also Genauigkeit angesagt. Es darf keinesfalls übergossen werden oder gar Wasser im Topf stehen bleiben. Überschüssiges Wasser muss ablaufen können. Da die Orchideen meist in einem dekorativen Übertopf stehen, raten Fachleute, die Orchideen kurz aus dem Topf zu nehmen, die Wurzeln kurz ins Wasser zu stellen und gleich wieder herausnehmen.

Auf Zugluft reagieren die eleganten Schönheiten ebenfalls empfindlich – dieser Punkt ist daher bei der Standortwahl unbedingt zu beachten.

Was sonst noch wichtig ist
Was wichtig ist für unsere Haut, tut auch den Orchideen ganz besonders gut: Ausreichend Luftfeuchtigkeit, bei 60 % Feuchtigkeit fühlen sie sich besonders wohl und gedeihen prächtig. Vor allem beim Heizen im Winter ist die Luftfeuchtigkeit ein Punkt, den man genau beachten sollte. Entweder man stellt kleine Verdunsterschälchen in die Nähe der Pflanzen oder man sprüht sie regelmäßig ab.

Orchideen versorgen sich häufig über ihre Luftwurzeln und nehmen daher einen Großteil ihrer Nährstoffe und Feuchtigkeit nicht über die Erde auf. Auf keinen Fall darf die Erde stark humös oder sehr dicht sein. Für Orchideen gibt es spezielle Orchideenerde. Gute Orchideenerde ist sehr grob, enthält Holzstückchen und ist durchlässig.  Beim Düngen gilt: Weniger ist mehr.

Was tun mit den Luftwurzeln? Hier scheiden sich die Geister der Orchideen-Fans. Raten die einen, die Luftwurzeln beim Umtopfen ruhig in die Erde zu geben, ist das für andere der Kardinalfehler schlechthin! Eines ist sicher: Vertrocknete oder verfaulte Wurzeln können beim Umtopfen bedenkenlos weggeschnitten werden.

Bleibt nur noch die Frage des richtigen Standortes. Hell und sonnig ist gut, zu viel Hitze schlecht. Die meisten bei uns gängigen Arten fühlen sich – laut Experten -  nordseitig oder nordostseitig wohl. Aber Orchideen sind auch in Wohnungen anpassungsfähiger, als man denkt. Stellt man sie südseitig, darf man im Sommer allerdings nicht auf eine entsprechende Abschattung vergessen!

Wie für alle einfachen Topfpflanzen gilt also auch für den Exotik-Star „Orchidee“: Ein paar einfache Pflegemaßnahmen, die konsequent durchgeführt werden, sichern reiche Blütenpracht und ein langes Pflanzenleben!

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