Vor allem die kleinen Türchen am Heck haben es mir angetan. Schon als Bub habe ich es geliebt, wenn sich an meinen Matchbox-Autos die Türen öffnen ließen, genau daran erinnern mich die Mini-Türen. Mit zwei massiven Griffen sind sie zu öffnen und schwingen dann an einer speziellen Aufhängung weit auf. Und zwar weiter, als man im geschlossenen Zustand glauben würde. Sie sind außerhalb der Heckleuchten angelenkt und haben eine Aussparung, durch die die Leuchten durchschauen. Witzige Lösung, viel witziger, als wenn die Leuchten auf den Türen angebracht wären. Die farblich abgesetzte Hecktürenumrahmung ist dagegen wohl Geschmackssache.
Wenn man sie versehentlich in der falschen Reihenfolge schließt, verhindert ein Gummistopper Beschädigungen. Besonders nett: wenn man während der Fahrt die Scheibenwischerchen im Rückspiegel beobachtet – herzig!
Es zählt jeder Zentimeter!
Die 24 Extra-Zentimeter in der Länge machen den Mini Clubman erwartungsgemäß nicht zum Frachttransporter, dazu ist der Mini von Haus aus zu klein. Hinter den beiden Hecktüren lassen sich 260 Liter Gepäck einladen, mit umgeklappten Rücklehnen sind es immerhin 930 Liter, durch eine Abdeckung sogar auf einem fast ebenen Boden. In den Hecktüren befindet sich auch noch jeweils ein Fach. Mit einem richtigen Kombi kann sich der Clubman natürlich nicht messen.
Mit dem verlängerten Radstand verliert der Mini nichts von seinem Gokart-ähnlichen Handling, gewinnt aber an Stabilität und ist nicht mehr ganz so giftig zu fahren. Natürlich ist er auf der Überholspur nervöser als eine große Limousine, mit ein wenig erhöhter Aufmerksamkeit ist das aber kein Problem, die Freude reicht bis 224 km/h. Dabei ist der Mini überraschend leise!
Die Fahrerei ist ein Wahnsinn!
Faszinierend ist der 175-PS-Turbomotor, der keinerlei Turboloch kennt. Von wegen „Hubraum ist durch nichts zu ersetzen außer Hubraum“ – wenn nur alle Turbos so wären! 240 Nm (260 mit Overboost) von 1.600 bis 5.000/min., und auch darunter ist von Arbeitsverweigerung nichts zu spüren. Das Geheimnis: zwei Turbolader, die versetzt beatmen. In 7,4 Sekunden ist Tempo 100 erreicht, dabei hilft das knackige Sechsganggetriebe.
Der Innenraum ist hochwertigst verarbeitet, allerdings gilt „function follows form“. Fensterheber sind an der Frontkonsole fehl am Platz, und die Geschwindigkeit lässt sich besser mit der kleinen Digitalanzeige im Drehzahlmesser ablesen als vom riesigen zentralen Tacho. Aber es reicht schon die von cool blue bis orange verstellbare Ambientebeleuchtung, um entstehende Nachdenkfalten zu glätten. Großes Plus (optisch wie praktisch) ist auch die halbe hintere Tür auf der rechten Seite, die sich wie im Mazda RX-8 nur öffnen lässt, wenn die Vordertür offen ist. Links gibt’s stattdessen den Tankstutzen.
Von rechts kommt man also ganz gut auf die Rückbank, die im Vergleich zum Normal-Mini mit 8 Zentimetern mehr Beinfreiheit aufwartet. Ein Ballsaal wird dadurch natürlich aus dem Fond noch immer nicht.
So viel Spaß an der Freude kostet natürlich. Im Fall des Testwagens sind das gut 31.000 Euro, Grundpreis für den Cooper S sind 25.450 Euro. Für Einsteiger: 20.850 Euro für den 120-PS-Benziner, ein Tausender mehr für den 110-PS-Diesel. Immer an Bord sind sechs Airbags – und aufmerksame Blicke an jeder Ampel!
Stephan Schätzl
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