Tote durch Pfusch
Toyota-Chef bricht nach Anhörung in Tränen aus
"Wir müssen alles in unserer Firma überdenken", kündigte Toyoda bei der kurzen Pressekonferenz nach dem Kongress-Hearing ein radikales Umdenken an. Der Enkel des Firmengründers Kiichiro Toyoda übernahm wie schon zuvor vor den Abgeordneten im Kongress die persönliche Verantwortung für die Fehlerserie der bisher als extrem zuverlässig gerühmten Automarke.
Er bereue, dass er sich nicht schneller eingeschaltet habe, nachdem die Probleme bekannt wurden. Er werde künftig auch selbst das Gespräch mit Kunden suchen. Im Unterschied zur Anhörung gab sich der Firmenboss vor Mitarbeitern, Händlern und Kunden aber ungemein emotional. Tränen kullerten über seine Wangen, als er sich für die möglicherweise über 30 Todesopfer, die es bei Unfällen mit Pannen-Autos in den USA gegeben haben soll, entschuldigte.
Ausweich-Taktik vor den Kongress-Abgeordneten
Bei seiner Anhörung vor dem Kongress hatte sich der bisher recht öffentlichkeitsscheue Toyoda erstmals den Fragen der Abgeordneten gestellt. "Wir haben zu sehr auf Wachstum gesetzt und dabei die Ausbildung unserer Leute und die Entwicklung unseres Unternehmens aus den Augen verloren." Er wolle mehr als jeder andere, dass die Autos sicher seien, denn sein Name stehe auf jedem Fahrzeug.
Die Abgeordneten waren aber nicht sonderlich zufrieden mit der Performance des CEOs. Wie Gewehrkugeln zischten die Fragen durch die Luft. Der 53-jährige Toyoda antwortete aber immer zögerlicher, lange beriet er sich mit seiner Dolmetscherin. Bisweilen wirkte der Japaner sogar ratlos und gab an, Fragen zu Details nicht verstanden zu haben. Mehrfach sprang auch der ebenfalls als Zeuge geladene Direktor von Toyota USA, Yoshi Inaba, ein, um Fragen zu beantworten, die eigentlich an seinen Chef gerichtet waren.
"Toyota hat vor den Kunden versagt"
"Toyota hat Beschwerden ignoriert oder kleingeredet", ging der Ausschussvorsitzende Edolphus Towns zum Auftakt der Anhörung mit dem Autohersteller hart ins Gericht. Der weltgrößte Autobauer sei eher auf den eigenen Profit aus gewesen als auf die Sicherheit seiner Kunden. "Toyota hat vor den Kunden versagt", sagte Towns. Der Autobauer habe die Schuld für die Defekte zuerst auf Fußmatten geschoben. "Sogar bei Autos, die gar keine Fußmatten hatten." Dann hätten sie sie auf klemmende Pedale geschoben. "Ich bleibe skeptisch, dass dies die einzigen Ursachen sind."
Damit griff Towns die Kritik aus der Anhörung des Vortages auf, wo Toyoda allerdings nicht anwesend war. Abgeordnete hatten dem japanischen Autobauer vorgeworfen, mögliche Probleme in der Elektronik zu vernachlässigen oder sogar zu verschleiern. Bei Unfällen durch ungewolltes Beschleunigen sollen in den vergangenen Jahren 34 Menschen gestorben sein.
"Antworten Sie doch einfach mit Ja oder Nein!"
"Ich schäme mich für Sie, Sir", sagte der republikanische Abgeordnete John Mica. Er hielt Toyoda ein internes Dokument vor, wonach der Autobauer im Jahr 2007 100 Millionen Dollar durch eine nicht getätigte Rückrufaktion gespart hätte. Schon damals sei es um ungewollte Beschleunigung bei Toyota-Autos gegangen. Toyoda kommentierte die Vorwürfe mit keinem Wort.
Als Beleg für eine "neue Transparenz" des Konzerns war Toyodas Auftritt daher nicht geeignet. Seine Antworten an die Abgeordneten fielen meistens sehr abstrakt aus. Den Politikern gelang es nicht einmal herauszufinden, wann genau Toyoda über die technischen Mängel seiner Fahrzeuge unterrichtet wurde. Den Abgeordneten Elijah Cummings veranlasste der Auftritt zu einem Stoßseufzer: "Warum sollten wir glauben, dass die Dinge wirklich besser werden?" Towns mahnte Toyoda immer wieder zur Präzision: "Beantworten Sie Fragen doch einfach mit Ja oder Nein!"
Auch Verkehrsbehörde bekam Kritik ab
Auch die von Verkehrsminister Ray LaHood beaufsichtigte US-Behörde für Verkehrssicherheit NHTSA musste sich scharfe Kritik gefallen lassen. Towns warf ihr vor, tatenlos zugesehen zu haben, obgleich sich die Beschwerden von Fahrern gehäuft hätten.
"Wir nehmen alle ernst", wehrte LaHood ab und verwies auf die hohe Zahl an Eingaben von Verbrauchern. "Wenn wir ein Problem finden, lösen wir es." Der Vermutung, dass die Toyota-Probleme auf die Elektronik zurückgehen, werde nachgegangen.
8,5 Millionen Autos zurückgerufen
Toyota hat weltweit mehr als 8,5 Millionen Autos wegen klemmender Gaspedale, angeblich rutschender Fußmatten und defekter Bremsen zurückgerufen. In den USA vermuten die Behörden, dass mindestens fünf Unfälle mit Todesfolge durch die Defekte verursacht wurden. Weitere 29 Todesfälle werden untersucht. Vehement widersprach Toyoda der Theorie, dass die ungewollten Beschleunigungen einiger Fahrzeuge ihre Ursache in der Elektronik der Autos haben könnten. Er sei absolut davon überzeugt, dass es kein Problem mit den elektronischen Systemen gebe.
Der US-Statthalter des Konzerns, James Lentz, musste am Vortag zum Auftakt der Anhörungen einräumen, dass die Gefahr trotz der laufenden Reparaturen nicht gänzlich gebannt ist. Es sei "nicht total" sicher, dass nach dem Rückruf alle Probleme beseitigt seien, sagte er. Es bestehe eine "sehr, sehr kleine Möglichkeit", dass Autos weiterhin ungewollt beschleunigen. "Wir müssen weiter testen."







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