Dann laufen die Vorderräder davon wie die sieben Geißlein in Grimms Märchen, wenn sie nicht mit harter Hand am Lederlenkrad im Zaum gehalten werden. Das ist leichter als im Vorgänger, aber noch immer eine Herausforderung, trotz mechanischem Sperrdifferential.
Der 2,3- Liter- Turbo- Vierzylinder, der vom Vorgänger geblieben ist, nun aber Euro5 schafft, entfesselt beinahe Urgewalten, jedenfalls ab 2.500/min.; darunter kommt zwar wenig Power, er scheut sich aber nicht vor den Untiefen des Drehzahlkellers und beschleunigt sauber, ohne zu ruckeln, und das bereits ab Standgasdrehzahl (max. Drehmoment 380 Nm/3.000). Das geschieht mit einer gelassenen Selbstverständlichkeit, dass man es kaum für möglich hält. Ja, mit gezügeltem Gasfuß ist der Mazda3 MPS ein ganz braver Geselle, der sich sehr sanft und leise bewegen lässt.
Das beinharte Fahrwerk ist dagegen nicht schwiegermuttertauglich, passt dafür bestens zu den sportlichen Ambitionen. 6,1 Sekunden für den Hundertersprint, 250 km/h Spitze – solche Zahlen sind es, die MPS- Fans hinter dem Ofen hervorlocken. Der Verbrauch hängt stark vom Einsatz des Turboladers ab, zwischen gut 10 und 15 Liter teures Super98 auf 100 km waren es im Test. Dass der Sound der Leistung etwas hinterherhinkt, ist leichter zu verschmerzen, als die etwas zu nervöse und leichtgängige Lenkung. Auch das Sechsganggetriebe habe ich bei Mazda schon knackiger erlebt, hier hakelt es etwas.
Der Innenraum ist, sagen wir, sehr jugendlich gehalten. Überall rote Steppnähte, an der Konsole rot gepunktete Blenden (für mich passen tote Punkte eher auf ein Schzigerjahre- Sommerröckchen), aber gut konturierte Sitze und beherrschbare Bedienung. Lediglich das Mini- Mini- Navi- Display wäre als Mäusekino besser eingesetzt, und das Multifunktionslenkrad ist mit 18 Knopferln überladen.
Die überdimensionale Lufthutze auf der Motorhaube macht den Mazda nach vorne etwas unübersichtlich, aber so ein Turbo braucht mindestens so viel Luft wie sein Fahrer. Gut, dass der Mazda3 einer von der Sorte ist, in denen man mit offenen Seitenfenstern auch richtig schnell fahren kann, ohne dass es im Innenraum anfängt zu wummern oder es ins Ohr zieht. Extra- Plus für Alltagstauglichkeit.
Fehlt noch das Schnäppchen- Plus: Der Mazda3 MPS kostet wohlfeile 33.590 Euro, eine ganze Menge Extras inklusive, etwa Navi, schlüsselloses Zugangssystem, BOSE Surround Sound System, Bi- Xenon- Frontscheinwerfer mit adaptivem Kurvenlicht, Zweizonen- Klimaautomatik, Einparkhilfe hinten, Reifendruck- Kontrollsystem, 18- Zoll- Alus oder beheizbare Windschutzscheibe. Und im Kofferraum 300 Liter Platz für Märchenbücher.
Stephan Schätzl
Im Verhältnis zu Leistung und Ausstattung sehr günstiger Preis.
Deutliche Antriebseinflüsse in der Lenkung.
… andere Kompaktracer wie Ford Focus RS, Seat Leon Cupra R, Mégane Renault Sport