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Erneut Toyota Prius in den USA außer Kontrolle geraten

11.03.2010, 08:43
Erneut Toyota Prius in den USA außer Kontrolle geraten (Bild: Zoom.in, AP Photo)
Foto: Zoom.in, AP Photo
Die nächste Unfallmeldung mit einem Toyota: In einem Vorort von New York hat eine Frau die Kontrolle über ihren Prius verloren, ist über eine Straße geschossen und kam erst an einer Mauer zum Stehen. Die 56- Jährige sagte, das Auto habe von selbst beschleunigt. Sie kam bei dem Unfall, der bereits am Dienstag passierte, mit leichten Verletzungen davon. Es ist der zweite Prius binnen kürzester Zeit, der in den USA für öffentliche Aufmerksamkeit sorgt (siehe Video).

Erst am Sonntag war eines der Hybridautos unkontrolliert über eine Schnellstraße gerast. Der Fahrer sagte, sein Gaspedal habe sich verklemmt. Erst mithilfe eines Polizisten gelang es dem Fahrer, den Wagen, der mit Tempo 151 unterwegs war, anzuhalten.

"Ich trat auf das Gaspedal, um ein Auto zu überholen. Und dann passierte etwas Komisches: Es hüpfte und klemmte fest", berichtete der 61- jährige Fahrer später auf einer Pressekonferenz. "Ich trat auf die Bremse. Das Auto hielt nicht an, es tat nichts, und es wurde immer schneller." Er habe den Gestank der Bremsen gerochen, so fest habe er aufs Bremspedal getreten.

Er rief telefonisch Hilfe, und bald fuhr ein Wagen der Autobahnpolizei neben ihm. Über Lautsprecher forderten die Polizisten den Mann auf, das Bremspedal bis zum Anschlag durchzutreten und die Notbremse anzuwenden. Außerdem fuhren die Wagen eine Steigung hinauf. Langsam verringerte das Auto sein Tempo. Nachdem die Geschwindigkeit auf unter 80 km/h gedrosselt war, schaltete der Fahrer den Motor ab und ließ den Wagen ausrollen. Toyota schickte einen Techniker zu dem Kalifornier, um den Fall zu untersuchen.

US- Verkehrssicherheitsbehörde unter Druck

Beide Fälle schaut sich die Verkehrssicherheitsbehörde nun an. Sie steht unter starkem politischen Druck. In der Vergangenheit wurde ihr vorgeworfen, zu lasch mit Toyota umgegangen zu sein. Bereits vor Jahren hatten sich die Beschwerden von Fahrern gehäuft, der große Rückruf mit inzwischen 8,5 Millionen Autos begann indes erst Ende letzten Jahres und setzte sich Anfang dieses Jahres fort. Das Verkehrsministerium sprach Anfang März von 52 Todesfällen seit dem Jahr 2000 bei Unfällen, die mit unabsichtlichen Beschleunigungen zu tun haben sollen.

Der Prius der Modelljahre 2004 bis 2009 gehört zu den Fahrzeugen, die Toyota wegen rutschender Fußmatten zurückgerufen hat. Noch fehlt indes eine Lösung für das Problem, dass sich der Teppich so unter das Gaspedal schiebt, dass dieses festhängt. Der neuere Prius des Modelljahrs 2010 muss wegen Fehlern im Bremssystem in die Werkstätten. Auf unebener Fahrbahn können die Bremsen kurzzeitig aussetzen. Toyota korrigiert das mit einer neuen Software.

Immense Kosten für Toyota

Auf den Autobauer kommen in den USA im Zusammenhang mit den gigantischen Rückrufaktionen neue Forderungen zu, die den Konzern 3 Milliarden Dollar (2,21 Milliarden Euro) oder mehr kosten können. In verschiedenen Städten wurden nach einer Umfrage der Nachrichtenagentur AP inzwischen 89 Sammelklagen von enttäuschten Toyota- Besitzern gegen den Hersteller eingereicht. Die Fahrer fordern den Ersatz des Wertverlustes, den gebrauchte Toyota- Modelle seit Beginn der Pannenwelle erlitten haben.

Bei rund 6 Millionen betroffenen Autos und einem Wertverlust von 500 Dollar pro Fahrzeug könnten Kosten von 3 Milliarden Euro für Toyota entstehen. Nach einer Preisliste für Gebrauchtwagen sind die Preise für zurückgerufene Toyotas um 350 bis 750 Dollar gefallen.

In der Milliardensumme noch nicht enthalten sind Entschädigungen für Toyota- Fahrer nach Unfällen wegen der fehlerhaften Bremsen am Modell Prius oder wegen der klemmenden Gaspedale vieler anderer Modelle.

Erster Wertverlustprozess im März

Der erste Prozess wegen der Wertverluste soll am 25. März vor einem Bundesgericht in San Diego stattfinden. Die Richter wollen auch darüber beraten, ob alle Sammelklagen zu einem Prozess zusammengefasst werden. Im Jahr 2008 hatte Toyota- Konkurrent Ford an 800.000 Besitzer von Explorer- Geländewagen Gutscheine über je 300 bis 500 Dollar verteilt. Der Restwert von gebrauchten Explorern war nach einer Unfallserie eingebrochen.

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