Power-Tourer

BMW K 1300 GT: Ruhig rasend reisen

Motor
06.07.2009 10:23
Der BMW K1300GT steht die große Reise ins Gesicht geschrieben. Das war bei der 1200er zwar auch schon so, aber so muss es wohl sein, wenn der Klassenstreber noch einen drauflegt. Mit einem großen Unterschied: Mit dem Einserschüler wollen die meisten nix zu tun haben, mit der K1300GT verbringt man sogar gerne den Urlaub.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Münchner ihren schnellen Tourer an vielen Ecken verfeinert haben. Am massivsten beim Motor: Der quer eingebaute Vierzylinder leistet jetzt 160 statt 152 PS und bringt 135 Nm, wobei die Kraft ein Stück weiter von unten kommt. Wer auch auf einem Reiseschrank gern flott unterwegs ist, wird das zu schätzen wissen, immerhin darf die K1300GT insgesamt bis zu 520 kg schwer sein (trocken wiegt sie 255 kg).

Trotz der Masse bewegt sich die Münchnerin behände durch Kurven, besonders wenn das verbesserte elektronisch einstellbare Fahrwerk namens ESA II an Bord ist. Per Knopfdruck während der Fahrt auf „Sport“ gestellt, schon glaubt sie, sie könnte es mit Gebückten aufnehmen. Kann sie natürlich nicht, dafür kommt der Fahrer auch dann noch entspannt ans Ziel, wenn die Strecke lang, das Wetter widrig und die Straße schlecht ist.

ESA II in Comfort-Stellung lässt einen über Schlaglöcher schweben, die optimierte Vollverkleidung lässt Wetter und Fahrtwind vorbeistreichen. Wenn die elektrisch verstellbare Scheibe ganz oben ist, wird es dahinter fast schon kuschelig. Wer fleißig in der Aufpreisliste kreuzelt, ist wirklich luxuriös unterwegs: Der Tempomat schont die Hand (und bei Tempolimits die Brieftasche), Griffheizung die Finger, Sitzheizung den Allerwertesten, Integral-ABS (serienmäßig!) und Antriebsschlupfregelung die Nerven. Eine Offenbarung bei Nachtfahrten ist das Xenonlicht, vor allem wenn man sich überlegt, mit was für Funzeln andere teure Maschinen unterwegs sind. 

In Sachen Bedienung am Lenker schlägt BMW mit dem Modelljahr 2009 endlich ein neues Kapitel auf und verabschiedet sich von der ungewöhnlichen Blinkerbetätigung, die sich über beide Lenkergriffe verteilte. Jetzt gibt’s ein Knopferl wie bei allen anderen auch. Allerdings steckt das Besondere im Detail: Da wird nichts einzeln verkabelt, sondern es werden Leiter aufgedruckt, damit möglichst viele Bedienelemente auf engstem Raum zusammengefasst werden können. Leider ist der Druckpunkt des Blinkerknopferls nicht ideal. Der Umgang mit dem Tempomaten klappt dagegen auf Anhieb problemlos.

Neben den Analoginstrumenten für Tacho und Drehzahlmesser informiert ein Digitaldisplay über alles Wissenswerte (wobei der Bordcomputer 170 Euro extra kostet) von der Ganganzeige bis zur optionalen Reifendruckkontrolle (ein gutes Gefühl übrigens, sie zu haben).

Das Schlauchboot muss zwar zu Hause bleiben, sonst passt aber alles Wesentliche in die in der Farbe des restlichen Bikes lackierten Koffer (auch ein passendes Topcase lässt sich ordern). Schade, dass sie etwas kratzempfindlich sind. Der Hintern trägt einen weit, denn die Sitzbank ist bequem. Da kann man gern ein bisschen nachsitzen.

Natürlich hat so viel Luxus seinen Preis: 21.150 Euro, zur Seligkeit kommen noch rund zweieinhalb Tausender drauf.

Stephan Schätzl

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