Roarrrdster

BMW F 800 R: Erste Ausfahrt mit dem Roadster

Motor
24.04.2009 15:40
Unschuldig weiß ist sie, die F 800 R, die mir die freundlichen Herrschaften von BMW vor eine burgenländische Therme gestellt haben. Warum gerade hierher? Damit ich vor der Testfahrt noch ein bisschen Beauty machen kann, um mit dem knackigen Model aus der Werbung konkurrieren zu können (siehe Infobox)? Oder vielleicht doch nur, weil es hier in der Gegend so herrliche Landstraßen gibt?

Die sind nämlich ideal für eine erste Testfahrt kurz vor der Markteinführung am 9. Mai 2009. Abgesehen von der balzartig gagaesken Fasanendame, die gerne meinen Helm geküsst hätte; vor so viel Zuneigung neigte ich mein Haupt, so dass der Vogel über mir ins Leere geknutscht hat. Den Kopf hab ich gleich unten gelassen und das Gas gleich noch ein bisserl weiter aufgezogen. Weil’s so schön ist.

Krrrrrrrrraft!
Der aus der F-Reihe bekannte 800er-Parallel-Twin schiebt den schicken Roadster so herrlich an, dass man den Entwicklern danken will für die 86 Nm, die da schon bei 6.000/min. anliegen. Ziel war das drehmomentstärkste Bike der Klasse. Dass aus dem Motor auch noch 2 Extra-PS herausgequetscht werden und jetzt deren 87 im Datenblatt stehen, ist dem Reden der stolzen BMW-Mannen schon fast Nebensache, als wäre es versehentlich passiert.

Vibrationen gibt’s kaum, nur ein wenig so um 5.000/6.000 Touren herum. Sonst läuft alles geschmeidig. Ob es an der neuen Drosselklappen-Kinematik liegt, dass Gasannahme und Ansprechverhalten gut passen, ist mir als Fahrer leidlich egal, Lastwechsel sind nicht zuletzt dank Kette angenehmer bzw. weniger als bei S und ST. Der serienmäßige Lenkungsdämpfer hält vom Fahrer fern, was ihn nicht interessiert, müsste in der Stadt aber nicht so streng sein wie Frl. Rottenmeier. Im sonst tadellosen Getriebe hat sich bei der ersten Ausfahrt der fünfte von sechs Gängen als etwas störrisch erwiesen.

Statt der Einarmschwinge der S und ST ist eine Zweiarmschwinge im Motor gelagert. Das Federbein schickt die Kräfte quasi direkt in den Lenkkopf, um das Fahrverhalten stabil zu halten, wie mir BMW-Motorrad-Österreich-Chef Fritz Reichl erklärt hat. Die Federvorspannung ist sogar einstellbar.

Leicht und bayrisch
Zu fahren ist die F 800 R völlig problemlos. Das fahrfertig 199 kg schwere Bike (trocken 177 kg) wedelt handlich durch Wechselkurven, fährt sich aber nicht komplett von selbst. „Nein, es ist kein Frauen-Bike!“ wird bei der Präsentation beteuert, aber wenn die Damen sich zum Kauf entschließen, wird man sich in München sicher auch nicht wehren, und auch die Damen dürften sich freuen. 

Und die Paradedisziplin passt auch: Optisch macht die F 800 R einiges her (es balzen ja nicht nur die Fasane). Man sieht in ihr die große Schwester K 1300 R, und das ist kein Fehler. Das optionale Windschild steht ihr gut, ist dem Wind aber wurscht. Das Gesicht ist BMW-typisch und das ganze Bike verspricht optisch eine Menge. Die Sitzbank gibt’s in drei Höhen, der Kniewinkel ist auf jeden Fall eher sportlich, die Sitzposition aber bequem, die Handgelenke bleiben entspannt.

Das Beste zum Schluss: Die Blinkerbetätigung ist jetzt endlich wie bei allen anderen Marken! Bisher bei F 800 R und K 1300 GT, die anderen Modell sollen sukzessive folgen.

Stephan Schätzl

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