So, 19. November 2017

Horror-Vater

30.04.2008 17:51

Sextäter nach Brandstiftung wieder losgelassen

Linzer Ermittler und Welser Ankläger waren nahe daran, den Horror-Vater rechtzeitig wegzusperren, das ganze Kinder-Drama zu verhindern: Josef Fritzl war zwar im Jahr 1982 als Brandleger in Unterach am Attersee verhaftet worden, konnte aber bald darauf seinen Kopf aus der Schlinge ziehen - und seine Tochter ins Verlies stecken.

„Obwohl er ein Motiv und kein Alibi hatte, wurde das Verfahren leider eingestellt“, hadert der pensionierte Linzer Kriminalist Karl D. (66) heute mit dem Schicksal: „Wir haben damals aber nicht gewusst, dass unser Verdächtiger auch ein vorbestrafter Vergewaltiger war - diese Tat war schon damals getilgt und gelöscht.“

Vergewaltigung vor 40 Jahren
Vor fast 40 Jahren war der damalige Voest-Techniker über die Dachrinne in ein Wohnhaus an der Linzer Unionstraße geklettert, um im ersten Stock eine Frau mit einem Messer zu bedrohen und zu vergewaltigen. Ein Abdruck seiner Handfläche auf dem Fensterbrett überführte ihn. Aber nach eineinhalb Jahren Haft soll er wieder frei gewesen sein.

1973 Hotel erworben
1973 erwarb die Ehefrau des Sextäters das 44-Betten-Hotel „Alpenpension“ samt Campingplatz am Mondsee. 1981 wollte der gefürchtete Haustyrann diesen unrentablen Sommerbetrieb um 5,5 Millionen alter Schilling verkaufen, brachte ihn aber nicht los. Am 12. März 1982 ging das zugesperrte Hotel in Flammen auf: 3 Millionen Schilling Schaden musste aber die Versicherung nicht gleich ersetzen, weil Josef Fritzl (46) sofort wegen Verdachts der Brandstiftung und des versuchten Versicherungsbetrugs mit einem Gasflammenwerfer festgenommen wurde. Ihm drohten bis zu zehn Jahre Haft, weil sein Auto der Kripo Beweise lieferte: Der Schmutz am Wagen war noch feucht, das Öl im Motor warm, obwohl der Besitzer behauptete, seinen Pkw schon drei Tage lang nicht mehr benützt zu haben und die ganze Zeit in seiner Amstettener Wohnung gewesen zu sein.

„Alibi“ korrigiert
In die Enge getrieben, korrigierte er sein „Alibi“: Er hätte zur Tatzeit in Krems das Grab seiner Mutter besucht. Als auch dies widerlegt wurde, redete sich Fritzl auf eine Spazierfahrt nach Baden bei Wien aus. Mit seinen Tankrechnungen und dem Spritverbrauch ließ sich diese 300-Kilometer-Tour genau so erklären, wie eine nächtliche Fahrt von Amstetten nach Unterach: Im Zweifel für den Angeklagten, der damals schon seine Tochter Franziska heimlich missbrauchte, die er zwei Jahre später in den Keller sperrte.

Foto: "Krone"

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