Di, 21. November 2017

Bis vors Himmelstor

09.04.2008 11:48

Rogue Wave: „Asleep At Heaven‘s Gate“

Neben Nada Surf stehen sie ganz oben auf der Liste der bedingungslos empfehlenswerten Indie-Rock-Bands aus dem "Sunshine State" Kalifornien: Mit ihrem dritten Longplayer "Asleep At Heaven's Gate" - der erste auf Jack Johnsons Label Brushfire Records - beweisen Rogue Wave erneut, dass man mit lockeren Ohrwurm-Melodien, Mut zu Experimenten und Texten, denen man die Sensibilität ihres Verfassers anmerken darf, nicht falsch liegen kann. Schon gar nicht, wenn man dann alles so stimmig verpackt, wie die Jungs um Zach Rogue das tun.

Nach ihrem gefeierten Zweitling "Descented Like Vultures" und einer ausgedehnten Tour war es vor "Asleep At Heaven's Gate" mehr als ein Jahr lang ruhig um Rogue Wave geworden. Da war zunächst eine kreative Schaffenspause, Anfang 2007 warf dann Bassist Evan Farrell das Handtuch (der 11 Monate später durch einen Unfall starb) und musste durch Patrick Abernethy ersetzt werden.

Kurz bevor sie die Aufnahmen angehen wollten, wurde dann auch noch Drummer Pat Spurgeon schwerkrank. Er benötigte eine Spenderniere, da er aber durch den alten Plattenvertrag der Band mit Sub Pop nicht krankenversichert war, konnte Spurgeon sich die OP nicht leisten. Ein Benefizkonzert seiner Kollegen zusammen mit anderen Bands (darunter auch Nada Surf) brachte das bitter nötige Geld ein und rettete dem Rogue-Wave-Drummer das Leben.

All die Erlebnisse - hinzu kommen noch der Tod von Gitarrist Gram LeBrons Vater und die Geburt von Zach Rogues Tochter - flossen in "Asleep At Heaven's Gate". Melancholie, Freudentaumel und Nachdenklichkeit geben sich mitunter sogar in den Songs die Türklinke in die Hand. Die Single "Lake Michigan" (Video dazu siehe oben) kommt kraftvoll und pathetisch, der zweite Track "Like I Needed" passt mit seinem neckischen "Uh-uh" in der Strophe auf eine ausgelassene College-Party. Mit Balladen wie "Christians in Black", "Cheaper Than Therapy" oder "Missed" zelebrieren schwebende Akustikgitarren und zarte Piano-Sounds die Sentimentalität der Lyrics und Zach Rogues samtige Stimme, die etwas Ähnlichkeit mit Neil Tennant von den Pet Shop Boys hat. Dazwischen gibt es satten Gitarrenpop, etwa bei "Ghosts", wo Matthew Caws von Nada Surf Vocals beisteuerte, oder der federleichten Uptempo-Nummer "Chicago x12".

In Sachen Instrumentenvielfalt und Experimentierfreudigkeit schlagen Rogue Wave bei "Asleep At Heaven's Gate" über die Stränge. Schuld daran ist vor allem ein technisches Gebrechen im Studio, das fast zwei Wochen harte Soundtüftelei zunichte machte. Nach dem Motto "Jetzt is eh scho wurscht" ließen sie der Kreativität freien Lauf und holten etwa für die epische Rocknummer "Own Your Own Home" 30 Musikerfreunde mit verschiedensten Akustikinstrumenten zu sich ins Studio, die eine Schallmauer aus Geklimper und Geschrammel errichteten. Für die wohldosierten und unaufdringlichen Ambient-Sounds, die das Album stark prägen, machen sie den intensiven Genuss der Soundtracks von Filmen wie "Tron" oder "Clockwork Orange" verantwortlich. Insgesamt haben sie über 150 Instrumente für "Asleep At Heaven's Gate" benützt, die der Platte wirklich das Prädikat "himmlisch" verleihen.

9 von 10 perfekten Wellen


Von Christoph Andert

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