Do, 23. November 2017

Umbauarbeiten

15.03.2008 16:43

Adieu, liebe alte Pöstlingbergbahn

Die Pöstlingbergbahn gehört zu Linz wie die Donau, die Dreifaltigkeitssäule oder die Linzer Torte. Seit 110 Jahren ist sie eine große Attraktion der Landeshauptstadt! Eine Fahrt mit ihr, vielleicht gar bei Schönwetter im offenen Triebwagen, hat Generationen von Menschen Freude bereitet.

Ihren 110. Geburtstag wird „die steilste Adhäsionsbahn Europas auf Schienen“, so wird sie im Guinnessbuch der Rekorde gepriesen, nicht auf Schienen feiern. Denn nach Ostern heißt es vorerst: „Adieu, liebe, alte Pöstlingbergbahn!“

Verlängerung zum Hauptplatz
Die Pöstlingbergbahn wird bekanntlich von Urfahr bis zum Linzer Hauptplatz verlängert und modernisiert. Sie wird ein neues Gesicht bekommen. Eine moderne Generation von nostalgisch gestylten Niederflurtriebwagen und drei revitalsierte alte Triebwagen werden im Kulturhauptstadtjahr 2009 die verlängerte Strecke bedienen. Die „Krone“ hat darüber ausführlich berichtet. Die historische Talstation in Urfahr hat dann ausgedient und wird als Museum die Erinnerung an die „alte Bahn“ lebendig halten.

Die Errichtung der Pöstlingbergbahn, die auf ihrer 2,9 Kilometer langen Trasse 255 Höhenmeter überwindet, war angesichts einer Trassenführung mit einer Maximalsteigung von 11,6 Prozent eine technische Meisterleistung ihrer Zeit. Ihr geistiger Vater ist ein Josef Urbanski. Der Ingenieur aus Galizien kam 1889 beruflich nach Linz. Der Pöstlingberg verzauberte ihn, die Idee einer Bahn ließ ihn nicht mehr los. 1891 eröffnet Urbanski „dem Hohen k.k. Ministerium“, dass er „mit Vorarbeiten zur Anlage einer Zahnrad-Bahn mit dem Ausgangspunkte Urfahr auf den Pöstlingberg“ beschäftigt sei.

Finanzielle Mittel fehlten
Doch der Konzessionswerber verfügt nicht über die finanziellen Mittel und erleidet ein zermürbendes, typisch österreichisches Erfinderschicksal. Urbanski findet im Wiener Bauunternehmer Gotthard Ritter von Ritschel zwar endlich einen Partner - für ihn aber nicht den Richtigen, wie sich herausstellen sollte.

Als 1897 mit dem Bau einer elektrischen Adhäsionsbahn begonnen wird, ist Urbanski schon auf der Strecke geblieben. Die Bauverantwortlichen sind die Ingenieure Hermann Danner und Emil Futter. Urbanski verliert einen Gerichtsprozess über seine Urheberschaft und verlässt bitter enttäuscht Linz. Die Gemeindeverwaltung lässt ihm „in Anerkennung seiner vielen Mühen des Projectes“ 100 Gulden zukommen - ein besseres Almosen…

Eröffnung am 29. Mai 1898
Mit einem dreifachen Hoch auf den Präsidenten der „Tramway- und Elektricitäts-Gesellschaft Linz-Urfahr“, den Rechtsanwalt Dr. Carl Beurle, wird die Pöstlingbergbahn zu Pfingsten am 29. Mai 1898 bei wolkenbruchartigen Regen eröffnet. Im offenen Wagen seien die Ehrengäste, die wenige Tage zuvor bei einer rasanten Talfahrt noch verängstigt abgesprungen waren und sich blaue Flecken geholt hatten, pitschnass geworden, ist darüber nachzulesen.

Urbanski bleibt völlig unerwähnt. 1903 stirbt der vergessene „Vater der Pöstlingbergbahn“ verbittert im Alter von erst 57 Jahren in Wien nach Gehirnschlag.

 

Foto: Markus Wenzel

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